U21-EM: Die Halbfinalvorschau

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England, Deutschland, Spanien und Italien. Große Namen stehen im Halbfinale der diesjährigen U21-EM in Polen. Erstmals wurde das Turnier mit drei Gruppen ausgetragen. Deutschland qualifizierte sich als bester Gruppenzweiter, trifft auf England. Ein Klassiker, ebenso wie das Aufeinandertreffen zwischen Italien und Spanien im anderen Spiel. Beide Halbfinals werden am morgigen Dienstag ausgetragen. 

 

Deutschland vs. England (18 Uhr, Live bei ARD)

Alles ist offen beim Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften! Deutschland kam ordentlich in das Turnier, schlug zum Auftakt Tschechien verdient mit 2:0. Gegen die Tschechen war aber nicht alles Gold, was glänzte. Die rechte Seite fiel etwas ab, Selke war wenig eingebunden und das Mittelfeldzentrum aus Dahoud und Arnold brauchte etwas, bis man ins Spiel fand. Gegen Dänemark wurden genau diese Dinge besser, Selke traf, Toljan und Weiser machten mehr Dampf und Dahoud/Arnold konnten das Spiel dominieren. Das 3:0 war hochverdient.

Nur gegen Italien funktionierte nicht viel. In einem ereignisreichen Spiel hätte Deutschland früh in Führung gehen können, Stark wurde aber ein eigentlich reguläres Tor abgepfiffen. Der einzige Gegentreffer der Vorrunde wurde nach einem individuellen Fehler kassiert, die Italiener hätten sogar noch eine rote Karte sehen müssen. Nun geht es also gegen England um den Einzug ins Endspiel. Positiv: Kein Spieler der DFB-Elf ist gelbgesperrt. Das gilt aber für alle Mannschaften.

(Photo by Stephen Pond/Getty Images)

Eine harte Nuss

England verschlief den Auftakt gegen Schweden etwas, spielte nur 0:0 und hatte dabei nur wenige gute Möglichkeiten. Im Gegenteil: Hätten die Schweden ihren Elfmeter nicht verschossen, wäre England wohl als Verlierer vom Platz gegangen. Die Briten spielten ungeduldig, operierten viel mit hohen Bällen und wirkten ideenlos. Auch die erste Halbzeit gegen die Slowakei war schwach, England lag zurück. Aber in der zweiten Halbzeit steigerte man sich enorm, gewann mit 2:1 und nahm den Schwung in das letzte Gruppenspiel mit.

Gastgeber Polen hatte schließlich keine Chance gegen die Engländer, die mit 3:0 gewinnen konnten. Im Turnierverlauf hat sich die Mannschaft also gesteigert, spielt mutiger, kreativer. Abraham im Sturmzentrum wird besser eingebunden, die Außenspieler um Redmond, Gray oder Swift trauen sich mehr zu und sind effizienter und auch die Defensivleistung ist sehr ordentlich. Trotzdem ist England zu knacken.

(Photo by PIOTR NOWAK/AFP/Getty Images)

Die DFB-Auswahl muss sich auf die eigenen Stärken besinnen. Stark und Kempf spielen einen guten Part in der Innenverteidigung, Arnold und Dahoud sind in der Lage das englische Mittelfeld weitgehend zu kontrollieren und mit Gnabry und Weiser sind zwei temporeiche Flügelspieler in der Startelf, die die Hintermannschaft Englands durcheinanderwirbeln können. Auch Ersatzspieler wie Amiri oder Philipp können noch einmal Schwung bringen. Aufpassen muss Deutschland bei ruhenden Bällen und bei Konterangriffen. Wenn England Platz bekommt, kann das tödlich enden.

Voraussichtliche Aufstellungen

Deutschland: Pollersbeck, Toljan, Kempf, Stark, Gerhardt, Dahoud, Arnold, Meyer, Weiser, Gnabry, Selke

England: Pickford, Holgate, Chambers, Mawson, Chilwell, Baker, Chalobah, Ward-Prowse, Redmond, Swift, Abraham

 

Spanien vs. Italien (21 Uhr, Live bei Sport1)

In einem Duell zweier Topfavoriten trifft Spanien auf die italienische Mannschaft. Der Weg der Spanier durch die Gruppenphase glich einem Triumphzug. Am ersten Spieltag bezwang man freche Mazedonier mit 5:0 und sehenswerten Treffern, vor allem durch Saul Niguez und Marco Asensio. Am zweiten Spieltag kam es zum Topduell der Gruppe mit Portugal. Hier zeigte die spanische Mannschaft durchaus, dass sie defensiv unter Druck etwas anfällig ist. Portugal hatte einige Chancen, aber Spanien gewann am Ende mit 3:1, auch weil man die eigenen Angriffe nahezu perfekt ausspielte.

(Photo by Paolo Bruno/Getty Images)

Das abschließende Gruppenspiel gegen Serbien wurde mit einer B-Elf auch noch gewonnen, Spanien hat sich also die optimale Ausbeute gesichert. Italien kam mit einem 2:0 gegen Dänemark gut ins Turnier, spielte geduldig und lauerte auf Fehler der Skandinavier. Diese wurden dann auch eiskalt bestraft. Gegen Tschechien im zweiten Gruppenspiel funktionierte wenig, Italien verlor mit 1:3 und stand gegen Deutschland unter Druck. Das Spiel gegen die DFB-Auswahl wurde bereits angesprochen, Bernardeschi schoss Italien zum Gruppensieg, den man aufgrund des besseren direkten Vergleiches erreichte.

Duell auf Augenhöhe?

Spanien und Italien könnten sich bei einer entsprechenden Tagesform der Italiener durchaus auf Augenhöhe begegnen. Das Umstellen der Ausrichtung gegen Deutschland hat den Italienern offensiv ein wenig Flexibilität beschert. Der arbeitende Petagna wurde ersetzt, Chiesa kam in die Mannschaft und Bernardeschi und Berardi hatten Freiheiten, die ihnen sichtlich gutgetan haben. Gerade die offensive Beweglichkeit, das permanente rotieren könnte die Spanier extrem fordern. Leider fehlt Berardi gelbgesperrt und so wird Petagna wohl wieder in die Mannschaft rücken.

Spanien geht mit einem großen Selbstvertrauen in das Duell mit Italien. Die Mannschaft funktionierte in der Gruppenphase gut und selbst in schlechteren Momenten sind Spieler wie Asensio, Deulofeu oder Saul immer für eine überraschende Aktion gut. Die Mischung aus Kontrolle im Mittelfeld, strukturiertem Offensivspiel, fabelhaften Individualkräften und der enormen Geschwindigkeit, die beispielsweise Deulofeu oder Joker Williams auszeichnet, machen Spanien so unberechenbar. Vallejo und Mere hatten hin und wieder kleinere Schwierigkeiten, gerade gegen Portugal, aber sich darauf zu verlassen, dass die Abwehr etwas anbietet, wäre gewagt.

Voraussichtliche Aufstellungen

Spanien: Kepa, Bellerin, Mere, Vallejo, Gaya, Llorente, Ceballos, Saul, Asensio, Deulofeu, Sandro

Italien: Donnarumma, Calabria, Caldara, Rugani, Barreca, Pellegrini, Gagliardini, Benassi, Chiesa, Petagna, Bernardeschi

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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