Nations League | Deutschland gegen Ungarn vor historischer Chance, drei Giganten unter Druck – die interessantesten Ausgangspositionen der Nations League

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Spotlight | In der kommenden Länderspielpause stehen die letzten beiden Partien der Nations-League-Gruppenphase an. Zeit, um auf die interessantesten Konstellationen zu blicken.

England, Italien, Frankreich: Drei Giganten unter Druck

Seit bald zwei Wochen ist Charles III. in Amt und Würden. Auch fußballerisch hat seine Inthronisierung Auswirkungen, wenn die englische Nationalmannschaft am Freitagabend in San Siro erstmals seit 70 Jahren das God Save the King anstimmen wird.

 



 

Nach zwei Jahren mit zwei Europameisterschaftsfinals, zuerst bei den Männern, dann den Frauen, stehen für die Three Lions zwei weitere Endspiele an – der negativen Art. Bislang konnte die Mannschaft von Gareth Southgate in dieser Nations-League-Saison noch keinen Erfolg einfahren. Das Hinspiel gegen Italien, im Molineux, endete torlos. In der Allianz Arena erkämpfte man sich mit Geschick und noch mehr Glück ein spätes 1:1. Beide Duelle mit Ungarn gingen verloren. 0:1 in Budapest. Erneut im Molineux gab es ein 0:4, die höchste Heimniederlage seit einem 1:5 gegen Schottland am 31. März 1928.

Auf Platz 4 stehend und mit drei Zählern Rückstand auf Italien hilft den Engländern nur ein Sieg wirklich weiter. Sollte es die nächste Niederlage geben, Italien damit auf sechs Punkte davonziehen und auch Deutschland parallel einen Heimsieg gegen Ungarn einfahren, wäre Englands Abstieg in Liga B noch vor dem 6. Spieltag besiegelt.

Aber auch Italien ist noch nicht ganz aus Verlosung raus. Zwar unterlag der Europameister einzig in Mönchengladbach, dafür allerdings satt, 2:5. Dennoch würde eine weitere Niederlage gegen England für ein Szenario sorgen, dass der Calcio nicht zwingend gebrauchen könnte: Das eigene, sportliche Schicksal in die Partie bei den notorisch äußerst unangenehm zu bespielenden Ungarn zu legen. Nach der verpassten Weltmeisterschaft wäre der Abstieg in Liga B der nächste Tiefschlag.

Nations League Frankreich Kroatien

Photo by THOMAS SAMSON/AFP via Getty Images

Einen solchen musste bereits Weltmeister Frankreich in Gruppe 1 hinnehmen. Wie die Engländer kommen auch sie als Tabellenletzter auf lediglich zwei Zähler, aus den Partien in Split (1:1) und dem Ernst-Happel-Stadion zu Wien (1:1). Zuhause gegen Dänemark (1:2) und Kroatien (0:1) gab es jeweils Niederlagen. Letztere sorgte dafür, dass der Titelverteidiger die Endrunde der Nations League nicht mehr erreichen kann. Ob es tatsächlich zum Worst Case kommt, werden die Partien gegen Österreich und in Kopenhagen entscheiden.

Partien, in denen Didier Deschamps seine komplette Kaderbreite wird ausschöpfen müssen. Karim Benzema, Paul Pogba, N’Golo Kanté, Kingsley Coman, beide Hernández-Brüder, Hugo Lloris, Ibrahima Konaté, Presnel Kimpembe und Adrien Rabiot fehlen allesamt verletzt. Dafür stehen unter anderem Dayot Upamecano, sowie die beiden Senkrechtstarter von Real Madrid, Aurélien Tchouaméni und Eduardo Camavinga, zur Verfügung. Der Frankfurter Randal Kolo Muani wurde erstmals nominiert, genauso wie das monegassische Duo Benoît Badiashile und Youssouf Fofana. Personell ließen sich Lösungen finden. Jetzt braucht es nur noch welche gegen die bisweilen (zu) konservative Spielweise auf dem Platz. Gerade in dieser Nations-League-Saison zeichnete sich Frankreich dadurch aus, dass sie die Grenze zwischen Abwarten und Passivität öfters überschritten. Gegen Dänemark verlor man trotz eigener Führung, in Kroatien gab man sie spät her. Viel mehr davon darf sich Frankreich in dieser Länderspielpause nicht erlauben.

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Deutschland: Im dritten Anlauf unter die besten Vier?

Deutschland und die Nations League, das war bislang alles andere als eine Liebesbeziehung. In der Debütsaison wurde man hinter der Niederlande und Frankreich Letzter, verhinderte nur dadurch den Abstieg, dass die Gruppen auf vier Teams aufgestockt wurden. Das 5:2 gegen Italien war erst der dritte Sieg im 14. Spiel. Die anderen beiden gab es in der vergangenen Ausgabe gegen die Ukraine (2:1 (A), 3:1 (H)). Zwar sah es auch damals lange ordentlich aus. Ein Punkt am 6. Spieltag im Estadio de La Cartuja hätte gereicht um sich für die Endrunde zu qualifizieren. Stattdessen lieferte die DFB-Elf einen Auftritt ab, der jeglicher Beschreibung spottete und war mit dem 0:6 sogar noch gut bedient.

Unter Hansi Flick einszueinste sich das DFB-Team in Bologna, gegen England und in Budapest in die Nations League, bevor Italien zum langersehnten Statement gegen eine große Mannschaft herhalten musste. Damit steht Deutschland allerdings nur auf Platz 2, da England es verpasste, im Duell mit Ungarn Schützenhilfe zu leisten. So muss man es diesen Freitag in Leipzig gegen die Magyaren selbst regeln. Auch hier hilft nur ein Sieg weiter, um Ungarn von der Spitze zu verdrängen und kommenden Montag im Molineux die Qualifikation zur Endrunde weiter in der eigenen Hand zu haben.

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Photo by Alex Grimm/Getty Images

Allerdings ist das leichter gesagt, als getan. Marco Rossi hat seine Mannschaft zu einem der gefürchtetsten Underdogs Europas geformt und bewiesen, dass man – trotz eines Gesamtmarktwerts von 93 Millionen Euro – mit der Weltspitze mithalten kann. Ungarn spielt extrem leidenschaftlich, diszipliniert und taktisch clever. Vor allem lassen sie sich kaum aus der Ruhe bringen. „Ich habe selten gegen eine Mannschaft gespielt, die so diszipliniert verteidigt. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, dass wir zu Chancen kommen und diese dann auch nutzen“, so Joshua Kimmich auf der Pressekonferenz.

Zwei Pflichtspiele bestritt das DFB-Team seit dem WM-Finale 1954 gegen Ungarn. Noch immer datiert die letzte deutsche Führung aus der 84. Minute jenes Endspiels. Bei der Europameisterschaft besorgten Ádam Szalai und der jetzige Unioner András Schäfer den Vorteil für Ungarn. Zsolt Nagy war es im Hinspiel, wenngleich Jonas Hofmann der postwendende Ausgleich gelang. Diesmal muss noch ein Schritt mehr gelingen, um im dritten Anlauf auch die letzte Hürde dieses Wettbewerbs zu nehmen und mit einem Positiverlebnis in die Weltmeisterschaft zu gehen.

Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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