Nations League | Deutschland lässt fast alles vermissen – und verspielt das Final Four: Die Niederlage gegen Ungarn in der Einzelkritik

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News | 0:1 unterlag Deutschland am 5. Nations-League-Spieltag Ungarn. Damit haben sie ihre Chance auf die erstmalige Teilnahme am Final Four verwirkt und müssen die erste Niederlage unter Hansi Flick hinnehmen. Die Akteure in der Einzelkritik.

DFB-Team fehlt die Zielstrebigkeit, Ungarn setzt den eigenen Plan hervorragend um

Ungarn ging als Tabellenführer in dieses Spiel – und das mit einem klaren Plan, den sie über 95 Minuten herausragend umgesetzt bekamen: Defensiv den Block und die Mitte dicht halten, offensiv schnell und zielstrebig kontern. Wenn es sich anbietet, dann auch nach Standards Gefahr ausstrahlen. Vorgeführt in Minute 17: Der linke wingback, Milos Kerkez, setzte an der Strafraumkante den rechten wingback, Attila Fiola, ein. Dessen Hackenablage zog Ádam Szalai direkt aufs Tor. Antonio Rüdiger blockte zum Eckball. Dominik Szoboszlai servierte mit Schnitt an den kurzen Pfosten. Dort stand erneut Ádam Szalai und beförderte den Ball artistisch per Hacke über Marc-André ter Stegen hinweg ins Tor.

 



 

Das DFB-Team fand bis zur Pause praktisch nicht statt. In der ersten Viertelstunde wurde man etwas druckvoller. Eine Phase, in der Ungarn wirklich ins Wackeln geriet und der Ausgleich – oder sogar mehr – in der Luft lag, gab es allerdings nicht. So nehmen die Magyaren den Sieg mit und haben am Montag gegen Italien ein Endspiel vor eigenem Publikum ums Finalturnier. Deutschland hingegen verpasst bei der dritten Teilnahme zum dritten Mal das Final Four. Die Akteure in der Einzelkritik.

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Deutschland: Nur ter Stegen in Normalform, Offensive enttäuscht

Marc-André ter Stegen: Deutschlands bester Akteur – und auch der einzige in Normalform. Verhinderte zweimal glänzend gegen Martin Ádám (72′) und László Kleinheisler (86′) die Entscheidung. Dazu ordentlich im Aufbauspiel. Note: 2,5.

Jonas Hofmann: Nomineller Rechtsverteidiger im 4-2-3-1. Agierte in Ballbesitz als Schienenspieler. Wirklich Gehaltvolles kam dabei jedoch nicht heraus. Laufwege in die Tiefe waren bei ihm erst nach der Pause vorhanden. Zudem gelang ihm über die gesamte Spielzeit kein Raumgewinn. Wann immer der Ball zu ihm kam, passte er ihn zumeist zurück anstatt vor. Auch seine Flanken waren äußerst ausbaufähig. Note: 5,0.

Niklas Süle: Verteidigte, was zu verteidigen war, wenngleich die Ungarn offensiv nach dem Führungstreffer lediglich auf Nadelstiche fokussiert waren. Bei Standards keine Gefahr. Auch seine Steilpässe, beziehungsweise Seitenverlagerungen fanden nur selten das Ziel. Note: 4,0.

Antonio Rüdiger: War merklich bemüht, seine Rolle als Abwehrchef auszufüllen und unterband einige aussichtsreiche Angriffe. Allerdings gab Real Madrids Neuzugang auch einen Tick zu viele Fouls her, gerade in der Schlussphase, als Deutschland zwingend Ballbesitz gebraucht hätte, um Druckphasen aufzuziehen. Note: 3,5.

David Raum: Bis kurz vor der Pause offensiv ohne Aktien. Zu seinen Hereingaben, die ihn erst für RB Leipzig und Hansi Flick interessant machten, kam er erst in der zweiten Halbzeit – aber auch nicht oft und nicht sonderlich präzise. Note: 4,0.

Ilkay Gündoğan (bis 69′): Glänzte vor allem durch seine enge Ballführung, löste einige Situationen gut unter Druck auf und leitete dadurch gefährliche Gegenstöße ein. Auch mit einigen sehr guten Ballgewinnen im Mittelfeld. Der Chance von Leroy Sané in Minute 51 ging einer seiner Chipbälle voraus. Musste in Minute 69 für Jamal Musiala weichen. Note: 3,0.

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Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Joshua Kimmich: Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels. Wirklich viele Ideen vermochte er ihm nicht zu geben. Seine entscheidenden Bälle in die rote Zone waren entweder zu kurz, zu lang oder zu berechenbar. Zwar zweikampfstark (9/13 gewonnen) und mit 10/15 angekommenen langen Pässen. Diese kamen aber zumeist uninspiriert auf die Flügel und brachten gegen Ungarns Defensive keinen nennenswerten Raumgewinn ein, da sie ohnehin darauf fokussiert waren, das Zentrum dichtzuhalten. Note: 5,0.

Serge Gnabry (bis 46′): Seit Monaten in einem unerklärlichen Formtief. An diesem Freitagabend strahlte selbst der 34-jährige Ádam Szalai in seinem vorletzten Länderspiel mehr Spritzigkeit, Gier und Willen aus, als Bayerns Angreifer. Über 45 Minuten praktisch ohne zielführende Aktion und daher zurecht von Hansi Flick ausgewechselt. Note: 6,0.

Thomas Müller (bis 85′): Für den Raumdeuter gab es an diesem Abend erstaunlich wenig zu deuten. In Ballbesitz hatte er sofort mehrere Gegenspieler auf sich, sodass er sich nur selten aufdrehen und inszenieren konnte. Eines der wenigen Male war in Minute 57, als er Werner einsetzte, der an Péter Gulácsi scheiterte. Zudem ließ er Ádam Szalai beim Gegentreffer gewähren. Machte in Minute 85 für Kai Havertz Platz. Note: 5,0.

Leroy Sané: Zu Saisonbeginn sagte Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidžić, man wolle von Sané mehr Wut sehen, mehr Präsenz. Diese zeigt er im Moment. Eroberte auf seiner linken Seite viele Bälle, setzte sich gut im Dribbling durch. Aber bis auf seine Gelegenheit in Minute 51 fehlte auch ihm der letzte Zug zum Tor. Note: 4,0.

Timo Werner (bis 70′): 70 Minuten lang war er bei Attila Szalai, Teamkollege Willi Orbán sowie Ádám Lang in besten Händen. Brachte genau einen Torschuss zustande, in Minute 57, mit dem Gulácsi keine Probleme hatte. Lief ansonsten viel, aber auch viel umsonst. Note: 6,0.

Einwechslungen von Deutschland

Thilo Kehrer (ab 46′): Kam für Serge Gnabry, um die Kreise von Ungarns äußerst aktivem Debütanten Milos Kerkez einzuschränken. Tat das ordentlich. Nach vorne, im Passspiel, allerdings so gut wie wirkungslos. Note: 4,0.

Jamal Musiala (ab 69′): Brachte sofort frischen Wind ins bis dahin eingestaubte, deutsche Angriffsspiel, setzte sich einige Male gut in Dribblings und Zweikämpfen durch, bot auch gute Laufwege in die Tiefe an. War dabei aber allzu oft auf sich allein gestellt. Note: 3,5.

Kai Havertz (ab 70′): Ersetzte Thomas Müller und sollte dabei vor allem seine 1,88 Meter ins Spiel bringen. Funktioniert hat dieser Plan nur bedingt. Note: 4,0.

Lukas Nmecha (ab 85′): Kam fünf Minuten vor Schluss als Brechstange, um irgendwie noch die Chance aufs Final Four aufrechtzuerhalten. Hätte um ein Haar die Kopfballchance bekommen. Den Rebound setzte Joshua Kimmich neben das Tor. Note: 4,0.

Hansi Flick: Dass er Spieler wie Serge Gnabry oder Timo Werner über Einsätze wieder zu ihrer Topform führen will, ist löblich. Diese Partie, die für Deutschland angesichts der Tabellenkonstellation ein must-win war, eignete sich dafür eher weniger. Muss sich die Frage gefallen lassen, warum er gegen Ungarns äußerst physische Defensive Zielspieler wie Havertz, respektive Nmecha nicht von Beginn an brachte oder den formstarken Musiala, der mit seinen Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins für solche Partien gemacht ist, erst 20 Minuten vor Schluss, als der Schaden schon angerichtet war. Ein wirkliches Mittel gegen Ungarns kompakte Defensive wollte ihm an diesem Abend nicht einfallen. Sein Gegenüber, Marco Rossi, hatte die Partie über 95 Minuten komplett im Griff. Erst zum zweiten Mal in seiner Karriere als Profitrainer, nach einem 0:0 mit dem FC Bayern gegen Julian Nagelsmanns RB Leipzig im Februar 2020 geht ein Flick-Team ohne eigenen Treffer vom Platz. Note: 6,0.

Slavko Vinčić: Ein Spiel, ohne größere Herausforderungen für den Slowenen, da sich die Kugel zumeist ohne Raumgewinn durchs Mittelfeld bewegte. Nachvollziehbar in der Zweikampfbewertung. Ansonsten mit ruhiger, angenehmer Linie. Note: 2,0.

Spielnote: Topspiel stand drauf, Topspiel war drin. Ungarn versteckte sich zu keinem Zeitpunkt, presste gleich von Beginn an hoch und mutig. Ansonsten zogen sie ihr gewohntes Defensivspiel auf, das aber nahezu makellos, wenngleich sie von Deutschland auch kaum richtig gefordert wurden. So entwickelte sich die Partie in den Folgeminuten äußerst ereignisarm. Nach zwei erfolglosen Versuchen nimmt Ungarn den ersten Sieg gegen Deutschland seit 2004 und den ersten Pflichtspielsieg seit dem 8:3 bei der Weltmeisterschaft 1954 mit. Note: 4,0.

Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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