Nations League | Die offensiven Fragen bleiben unbeantwortet – Die Einzelkritik zu Deutschlands Remis in Bologna

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Spotlight | 1:1 trennten sich Italien und Deutschland am 1. Spieltag der neuen Nations League-Saison. Die Akteure in der Einzelkritik.

Kimmichs Blitzantwort verhindert die erste Niederlage unter Hansi Flick

Deutschland gelang es, die Anfangsviertelstunde gegen eine neuformierte italienische Elf dominant zu gestalten. Wirkliche Großchancen sprangen dabei jedoch nicht heraus. Erst nach einer halben Stunde trauten sich die Gastgeber etwas mehr zu und gingen in ein offensiveres Mittelfeldpressing, was in der besten Gelegenheit durch Gianluca Scamacca resultierte, als die Kugel am Außenpfosten landete (35′). Zwei Minuten später vergab Serge Gnabry zentral aus bester Position, sodass es ohne Tore in die Pause ging.

 



 

Die zweite Hälfte wurde vom Europameister dominiert, der sich 20 Minuten vor Schluss belohnte. Der eingewechselte Wilfried Gnonto, der mit dem FC Zürich unter André Breitenreiter Meister wurde, ließ auf der rechten Seite Thilo Kehrer stehen. Seine scharfe Hereingabe musste Lorenzo Pellegrini am zweiten Pfosten nur noch über die Linie drücken. Allerdings gelang Deutschland die perfekte Antwort. Nur drei Minuten nach dem Rückstand eroberte Kai Havertz rechts im Strafraum energisch die Kugel, sodass Jonas Hofmann flanken durfte. Von Timo Werner prallte der Ball zum aufgerückten Joshua Kimmich, dessen Direktabnahme im linken Eck einschlug. In der Schlussviertelstunde zeigte sich das DFB-Team wieder etwas energischer. Der Siegtreffer wollte jedoch nicht mehr gelingen. Dafür ist man gegen Angstgegner Italien seit nunmehr fünf Spielen ungeschlagen. Die letzte Niederlage gab es im Halbfinale der Europameisterschaft 2012 (1:2). Zudem wurde die erste unter Hansi Flick abgewendet. Deutschlands Akteure in der Einzelkritik.

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Deutschland: Defensiv ordentlich, Offensive fällt ab

Manuel Neuer: War größtenteils als Aufbauspieler gefragt. Einmal musste er lediglich in seinem Kerngebiet eingreifen, da es Italien oft aus der Distanz versuchte. Beim Gegentor machtlos. Note: 2,5.

Benjamin Henrichs (bis 59′): Man sah dem Leipziger an, dass er sich an die Nationalmannschaft und vor allem das 4-2-3-1-System gewöhnen muss. Die Italiener kombinierten sich ein ums andere Mal über seine Seite durch. Auch offensiv wollte Henrichs nicht soviel gelingen, wie in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Machte nach 59 Minuten Platz für Jonas Hofmann. Note: 4,0.

Niklas Süle: Der wesentlich unauffälligere Part der Innenverteidigung. Erledigte seinen Job souverän, stand dafür beim Gegentor schräg zum Geschehen und verpasste es, die scharfe Hereingabe von Wilfried Gnonto zu klären. Note: 3,5.

Antonio Rüdiger: Der Neu-Madrilene machte ein ansprechendes Spiel, ging vor allem während der italienischen Druckphase nach einer halben Stunde mit Ruhe und Erfahrung voran. Nahm über die vergangenen anderthalb Jahre eine hervorragende Entwicklung unter Thomas Tuchel bei Chelsea und könnte in dieser Form bei der Weltmeisterschaft der dringend benötigte Abwehrchef sein. Note: 2,5.

Thilo Kehrer: Hansi Flicks Allzweckwaffe. An diesem Abend mal wieder als Linksverteidiger gefordert. Mit vielen ordentlichen Aktionen – aber auch einige Male im Eins-gegen-Eins deutlich unterlegen. So wie 20 Minuten vor Schluss, als er keine Mittel gegen Wilfried Gnonto fand und dieser Pellegrini die Führung auflegen konnte. Note: 3,5.

Joshua Kimmich: Bester Akteur einer Mannschaft, die an diesem Abend vor allem offensiv deutlich unter ihren Möglichkeiten blieb. Kurbelte das Spiel an, zeigte als einer der wenigen Spieler so etwas wie Ideenreichtum und ging im wichtigsten Moment mit dem Ausgleich voran. Auch Kimmich konnte in den vergangenen Wochen und Monaten beim FC Bayern nicht immer restlos überzeugen. Diese Partie war ein Schritt in die richtige Richtung. Note: 2,0.

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Photo by Alex Grimm/Getty Images

Leon Goretzka (bis 69′): Man sieht ihm die lange Verletzungspause deutlich an. Versprüht bei Weitem nicht die Geradlinigkeit, Wucht und Dynamik vergangener Jahre. Zwar bemüht und immer wieder mit Abschlüssen, so wie in Minute 37, als die italienische Defensive noch blocken konnte. Vor allem in der Passgenauigkeit muss er allerdings noch zulegen. Note: 3,5.

Serge Gnabry (bis 80′): Auffälligster Akteur des DFB-Teams nach Joshua Kimmich. Verbuchte nach gutem Dribbling den ersten nennenswerten Abschluss der Partie (15′) und zeigte sich bisweilen auch kreativ. Nach der Pause ging allerdings auch bei ihm immer weniger, weshalb er für die letzten zehn Minuten von David Raum ersetzt wurde. Note: 3,0.

Thomas Müller (bis 70′): Fand nur schwer ins Spiel, weil er von seinen Teamkollegen kaum in Szene gesetzt wurde. Die Aktion, die in der vergebenen Chance von Serge Gnabry endete, war mit die erste, in der er sich mit der Seitenverlagerung auf Goretzka wirklich auszeichnen konnte. Ansonsten lief das Spiel größtenteils an ihm vorbei. Machte 20 Minuten vor Schluss Platz für Kai Havertz. Note: 4,0.

Leroy Sané (bis 59′): Das größte Fragezeichen sowohl beim FC Bayern als auch im DFB-Team. Von der Form der Hinrunde ist praktisch nichts mehr zu sehen. Ein ums andere Mal wirkt Sané lethargisch, phlegmatisch und teilnahmslos. Wartet seit dem 7:1 gegen Salzburg Anfang März auf eine Torbeteiligung. Diesmal wollten selbst die einfachsten Ballannahmen nicht gelingen, von Tempodribblings und Läufen an die Grundlinie ganz zu schweigen. Sollte während der Sommerpause den Kopf freibekommen, denn momentan ist er keine Hilfe für sein Team – oder generell Teams mit Ambitionen. Note: 5,5.

Timo Werner: Viel wollte auch Werner nicht gelingen. Vor allem im Kurzpassspiel sowie den Dribblings etwas zu ungenau, was ihn von wirklichen Schlüsselaktionen abhielt. Ansonsten tat er sich vor allem physisch gegen die Innenverteidigung aus Francesco Acerbi und Alessandro Bastoni schwer und konnte sein Pace nur selten einsetzen. Legte Joshua Kimmich dafür den Ausgleich – gewollt oder nicht – auf. Note: 4,0.

Einwechslungen von Deutschland

Jamal Musiala (ab 59′): Zu wirklich vielen entscheidenden Aktionen kam er nach seiner Einwechslung für Sané nicht. Dafür gab Musiala der Mannschaft wesentlich mehr Ballsicherheit, was bei den Kombinationen ins letzte Drittel half. 28 Ballkontakte hatte das DFB-Team vor dem Ausgleich, den auch Musiala auf der linken Seite maßgeblich einleitete. Note: 3,0.

Jonas Hofmann (ab 59′): Zeigte sich auf der rechten Seite wesentlich aktiver und sicherer als Benjamin Henrichs. Bot zudem immer wieder Tiefenläufe an und brachte damit das lange fehlende Überraschungsmoment ins deutsche Spiel. Mit solchen Auftritten dürfte hinten rechts zumindest mittelfristig relativ wenig am Gladbacher vorbeiführen. Note: 2,5.

Ilkay Gündoğan (ab 69′): Sein Joker-Auftritt gegen Aston Villa vor zwei Wochen dürfte wesentlich eher in Erinnerung bleiben, als dieser hier. Dafür gab er der Mannschaft nach der Einwechslung für Leon Goretzka wesentlich mehr Ballsicherheit, was in einer dominanten Schlussviertelstunde mündete. Note: 2,5.

Kai Havertz (ab 70′): Tat sich offensiv zwar genauso schwer wie Werner. Gewann jedoch den wichtigen Zweikampf vor dem 1:1. Ansonsten eher ins Spiel eingebunden, als Thomas Müller. Hier und da mit dem Ansatz eines Pressingmoments. Note: 3,5.

David Raum (ab 80′): Als einer der fünf Spieler, die im Vergleich zum 1:1 in Amsterdam aus der Startelf rotierten, kam der Hoffenheimer zehn Minuten vor Schluss für Serge Gnabry. Wirkliche Aktionen hatte er nicht mehr. Note: ohne Bewertung.

Hansi Flick: Der Beginn seiner Amtszeit war äußerst vielversprechend. Nun gilt es, gegen genau solche Gegner nachzulegen, ein Ergebnis zu liefern, um nicht als „flat-track bully“ dazustehen. So wie die Niederlande beim 4:1 in Brüssel. Die Anfangsviertelstunde war äußerst ansprechend. Allerdings konnte seine Mannschaft im Anschluss kaum daran anknüpfen und geriet 20 Minuten vor Schluss verdient in Rückstand. Immer wieder gab es technische Unsauberkeiten und daher kaum wirklich zu Ende gebrachte Spielzüge. Das einzig Positive neben den ersten 15 Minuten war, dass die Mannschaft den Rückstand postwendend egalisieren konnte. Note: 4,0.

Srđan Jovanović: Ordentliche Partie des Serben, wenngleich es selten zu wirklich strittigen Situationen kam. Seine Entscheidung, den Ausgleich anzuerkennen, war korrekt. Der Ball sprang zwar an den Ellenbogen von Timo Werner. Sein Arm war allerdings angelegt und eine wirkliche Absicht, beziehungsweise Vergrößerung der Körperfläche war ebenfalls nicht zu erkennen. Bisweilen etwas kleinlich in der Zweikampfbewertung. Note: 2,5.

Spielnote: Eine spannende, wenngleich nicht immer hochklassige Partie. Bisweilen hatte sie auch ihre Längen. Vor allem in der zweiten Hälfte interessant, als Italien dominierte und die deutsche Mannschaft zum Handeln gezwungen war. Unterm Strich geht das Remis in Ordnung. Dennoch kein Spiel, über das man in zwei oder drei Wochen noch sprechen wird. Außer vielleicht Davide Frattesi, Matteo Cancellieri, Wilfried Gnonto oder Samuele Ricci, die bei den Italienern ihr Länderspieldebüt gaben. Note: 3,5.

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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