Champions League: Ausgeglichene Gruppe G mit Lille, Wolfsburg, Sevilla und Salzburg

Jesús Navas, Suso (beide FC Sevilla) gegen den BVB in der Champions League
Vorschau

Vorschau | Die Gruppe G der Champions League ist wohl die ausgeglichenste Gruppe der Königsklasse. Es duellieren sich OSC Lille, der VfL Wolfsburg, der FC Sevilla und der FC Salzburg.

  • OSC Lille: Als amtierender französischer Meister ins Achtelfinale?
  • Packt der VfL Wolfsburg die Doppelbelastung aus Bundesliga und Champions League?
  • Sevilla vergangene Saison lange im Meisterschaftsrennen der LaLiga

Champions League | Gruppe G: Der Spielplan

FC Sevilla vs. FC Salzburg (14.09., 18.45 Uhr)
OSC Lille vs. VfL Wolfsburg (14.09., 21.00 Uhr)

FC Salzburg vs. OSC Lille (29.09., 21.00 Uhr)
VfL Wolfsburg vs. FC Sevilla (29.09., 21.00 Uhr)

FC Salzburg vs. VfL Wolfsburg (20.10., 18.45 Uhr)
OSC Lille vs. FC Sevilla (20.10., 21.00 Uhr)

VfL Wolfsburg vs. FC Salzburg (02.11., 19.45 Uhr)
FC Sevilla vs. OSC Lille (02.11., 22.00 Uhr)

OSC Lille vs. FC Salzburg (23.11., 22.00 Uhr)
FC Sevilla vs. VfL Wolfsburg (23.11., 22.00 Uhr)

VfL Wolfsburg vs. OSC Lille (08.12., 22.00 Uhr)
FC Salzburg vs. FC Sevilla (08.12., 22.00 Uhr)

OSC Lille: Der Fluch der Champions-League-Gruppenphase

Erst ein einziges Mal hat der OSC Lille die Gruppenphase der Champions League überstanden und ist ins Achtelfinale eingezogen. Das ist nun schon 15 Jahre her. 2006/2007 scheiterte Lille aber direkt in besagtem Achtelfinale am späteren Halbfinalisten Manchester United. Allerdings muss man den Doggen zugutehalten, dass die Gruppengegner zumeist eine Klasse besser waren. In diesem Jahr sieht das anders aus, bei vielen Experten ist Lille sogar der Favorit auf den Gruppensieg in Gruppe G. Immerhin ist man amtierender französischer Meister und hat den Kern der Mannschaft zusammenhalten können. Allerdings ist Meistertrainer Christophe Galtier (55) nicht mehr da.

 

Die Kontrahenten heißen in diesem Jahr VfL Wolfsburg, FC Sevilla und FC Salzburg. Alles machbare Gegner, Kontrahenten auf Augenhöhe. Vor allem Wolfsburg und Sevilla dürften Lille gefährlich werden. Dennoch stehen die Chancen, in dieser Saison endlich wieder einmal ins Achtelfinale einzuziehen, besser denn je. Denn wie erwähnt konnte die Meistermannschaft weitestgehend beieinander gehalten werden. Nichtsdestotrotz sind die Abgänge von Keeper Mike Maignan (26, zur AC Milan) und Mittelfeldspieler Boubakary Soumaré (22, zu Leicester City) ein herber Verlust, der nicht einfach so kompensiert werden kann. Als Ersatz wurden der hochveranlagte Amadou Onana (20) vom Hamburger SV und Torhüter Ivo Grbic (25, per Leihe) von Atlético Madrid verpflichtet. Besonders auf der Torhüter-Position verpassten es die Doggen, eine adäquaten Ersatz für Maignan zu holen.

Meisterschaftskater bei Lille?

Trotz der Neuverpflichtungen läuft es bislang nur schleppend. Vor allem das Fehlen von Meistertrainer Galtier macht sich bemerkbar. Die Bilanz: Nur fünf Punkte nach fünf Spieltagen, eine Tordifferenz von 7:11. Gegen Teams wie den FC Lorient (1:2) oder FC Metz (3:3) sah man nicht gut aus und ließ unnötig Punkte liegen. Das gewisse Etwas, dass in der letzten Saison in fast jedem Spiel zu sehen und zu spüren war, blitzt aktuell nur hier und dort auf. Darüber hinaus ist Kapitän und Stürmer Burak Yilmaz (36) Alleinunterhalter in der Offensive. Von Spielern wie Jonathan David (21) oder Jonathan Ikoné (23) kommt bislang noch zu wenig Unterstützung.

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Der neue starke Mann an der Seitenlinie, Jocelyn Gourvennec (49), ist ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt auf dem Trainermarkt und hat natürlich große Fußstapfen zu füllen. Dennoch ist die Erwartungshaltung groß, ein Ausscheiden in der Gruppenphase ist keine Option. Bringt das Team seine PS auf die Straße, ist es auf jeden Fall ein Kandidat für das Achtelfinale der Königsklasse.

VfL Wolfsburg und van Bommel: Es scheint zu passen

Viele waren skeptisch ob der Trainerverpflichtung von Mark van Bommel (44). Es wurde gefragt, ob das überhaupt passt. Die Wölfe sind erst die zweite Cheftrainerstation des Niederländers. Bei der PSV Eindhoven wurde van Bommel nach einer lange andauernden Negativserie im Dezember 2019 entlassen. Darüber hinaus war die Vorbereitung des VfL Wolfsburg auch nicht das Gelbe vom Ei. Nur eines der sechs angesetzten Testspiele konnte Wolfsburg für sich entscheiden. Allerdings betonte van Bommel auf einer Presskonferenz: „Da haben wir fünf Spiele in Folge verloren. Gegen sehr gute Gegner, die wir so ausgesucht haben.“

In der Tat waren die Gegner keine Laufkundschaft. Atlético Madrid (1:2), die AS Monaco (1:2) und Olympique Lyon (1:4) hießen unter anderem die Kontrahenten. Und dennoch kann sich der Saisonstart der Wölfe mehr als sehen lassen. Aktuell steht man ungeschlagen an der Tabellenspitze, konnte jede der vier Partien gewinnen. Die Auftritte waren dabei meistens souveräner Natur, vor allem das Spitzenspiel gegen RB Leipzig (1:0) wusste zu beeindrucken.

van Bommel und Michael Forntzeck (beide Wolfsburg) freuen sich über Sieg gegen Leipzig

Photo by Imago

Lässt man also die Turbulenzen der Vorbereitung sowie die Posse rund um das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal außen vor, lässt sich ein positives Fazit ziehen. „Ich glaube, dass wir immer am Boden bleiben müssen. Es ist nicht alles top. Wir müssen noch Sachen verbessern. Deswegen müssen wir jedes Spiel hochkonzentriert sein“, erklärte van Bommel.

Wolfsburg: Stabile Defensive und Grundordnung das A und O

Auffällig unter van Bommel ist vor allem die stabile Defensive der Niedersachsen. Lediglich einen Gegentreffer musste Wolfsburg in der Bundesliga nach bislang vier Spielen hinnehmen. Zudem ist die Erfolgsmannschaft der letzten Saison zusammengeblieben. Die eingespielte Defensive rund um John Anthony Brooks (28), Maxence Lacroix (21), Kevin Mbabu (26) und Jérôme Roussillon (28) verteidigt diszipliniert und wird auch nach Vorne gefährlich. Letzterer war der umjubelte Siegtorschütze gegen Leipzig. Zudem hat man sich in der Breite verstärkt, hat unter anderem Sebastiaan Bornauw (22) für das Abwehrzentrum verpflichtet.

Für die sowieso schon hoch potente Offensive kamen Spieler wie Luca Waldschmidt (25, von Benfica), Lukas Nmecha (22, von Manchester City) oder Dodi Lukebakio (23, Leihe von Hertha BSC) hinzu. Maximilian Philipp (27), der bereits letzte Saison von Dinamo Moskau ausgeliehen war, wurde fest verpflichtet. Zudem scheinen Spieler wie Ridle Baku (23) den nächsten Schritt zu machen. Das einzige Haar in der Suppe ist die Verletzung von Xaver Schlager (23), der mit einem Kreuzbandriss wohl fast die gesamte Saison verpassen könnte. Statt Schlager wird nun Josuha Guilavogui (30) an der Seite von Maximilian Arnold (27) auf der Sechs agieren. Eher eine etwas defensivere Ausrichtung, was van Bommel aber nicht stören dürfte. Dafür wird nun Arnold mehr für die spielerischen Elemente zuständig sein und Guilavogui sich auf die Abwehrarbeit konzentrieren.

Roussillon, Mbabu, Baku (alle Wolfsburg) bejubeln Tor gegen Leipzig

Photo by Imago

Die letzte Champions-League-Teilnahme wird wohl den meisten Wolfsburg-Fans noch in guter wie schlechter Erinnerung geblieben sein. 2015/2016 scheiterte man erst im Viertelfinale denkbar knapp und unglücklich am späteren Titelträger Real Madrid. Das Hinspiel konnte Wolfsburg damals mit 2:0 für sich entscheiden, unterlag aber im Rückspiel mit 0:3 im Santiago Bernabeu. Zeigt Wolfsburg ähnliche Leistungen wie zum Saisonstart in der Liga, sind die Wölfe ein heißer Kandidat für das Achtelfinale.

Kann Europa-League-Experte FC Sevilla auch Champions League?

Mit dem FC Sevilla verbindet der allgemeine Fußballfan eher Erfolge in der Europa League. Zuletzt gewann der spanische Klub 2019/2020 den EL-Titel. In der heimischen LaLiga war man zudem oft nur ein Kandidat für die Plätze vier bis sechs. Unter Trainer Julen Lopetegui (54) hat sich das geändert. In der vergangenen Saison mischte Sevilla sehr lange im Titelrennen mit, musste aber am Ende abreißen lassen. Des Weiteren ging man letztes Jahr auch in der Königsklasse an den Start, überstand die Gruppenphase, scheiterte aber im Achtelfinale an Borussia Dortmund (2:3, 2:2). Viel hat zum Viertelfinale allerdings nicht gefehlt.

In der jüngeren Vergangenheit ging es jedes Mal über die Gruppenphase hinaus. 2017/2018 scheiterte Sevilla ebenfalls denkbar knapp erst im Viertelfinale am FC Bayern München (1:2, 0:0). Eine Qualifikation für das Achtelfinale wird auch das Selbstverständnis der Blanquirrojos sein. Und sollte es nichts mit einem Achtelfinale werden, gibt es ja immer noch die Europa League. Allerdings nur bei einem dritten Platz in der Gruppe versteht sich.

Julen Lopetegui (Sevilla) gibt Anweisungen

Photo: Jose Luis Contreras / Imago

In der Liga hat Lopeteguis Team dort angeknüpft, wo man vergangene Saison aufgehört hatte. Sieben Punkte aus drei Spielen sind eine ordentliche Bilanz, aktuell rangiert Sevilla auf Platz vier, punktgleich mit dem drittplatzierten Real Madrid. Allerdings haben beide ein Spiel weniger absolviert als Tabellenführer Atlético (zehn Punkte) und der Zweitplatzierte Athletic Bilbao (acht Punkte).

Lopetegui der X-Faktor von Sevilla

Lopetegui hat Sevilla zu einem Spitzenteam geformt. Darüber hinaus ist der ehemalige Nationaltrainer der Furia Roja mit einem Punkteschnitt von 2,02 Punkten pro Spiel mit Abstand der Beste der vergangenen Jahre. Der Spanier ist zudem ein Mann, der den Fußball lebt und atmet. 2015, damals noch in den Diensten des FC Porto, erklärte Lopetegui bereits die Wichtigkeit des Anpassens an den modernen, sich wandelnden Fußball. „Die taktische und physische Evolution des Fußballs bedeutet, dass die Spieler für ihren nächsten Spielzug viel weniger Zeit haben. Sie sind dazu gezwungen, schneller und präziser zu spielen“, sagte er damals in einem Interview mit Champions Matchday.

Seine Ausrichtung hat sich aber über die Jahre dennoch nur in Nuancen geändert. Grundsätzlich haben Mannschaften von Lopetegui viel Ballbesitz, spielen aggressives Pressing und sind enorm laufstark. Aber der 54-Jährige weiß auch: „Man muss die Balance an die Qualität seiner Spieler anpassen. Man will die Spieler ja zu einem bestimmten Spielstil führen“, erklärte er. „Diese Balance zu finden, geht oft nur über das Teamwork; das ist ein ganz wichtiger Teil. Jede Mannschaft spielt anders. Das ist eines der großen Geheimnisse im Fußball“, fügte Lopetegui hinzu. Dieses Teamwork, wenn richtig ausgeführt, kann Lille, Wolfsburg und Salzburg gefährlich werden. Auch Sevilla ist ein ernstzunehmender Kandidat für das Achtelfinale und bei manchen Experten auch der Favorit für den ersten Platz in Gruppe G.

FC Salzburg: Außenseiter in Champions-League-Gruppe G

Nach einer ewigen Durststrecke, bei der man regelmäßig in der Champions-League-Qualifikation scheiterte, nimmt Red Bull Salzburg (in der Königsklasse FC Salzburg) nun bereits zum dritten Mal hintereinander an der Gruppenphase der Champions League teil. In den letzten zwei Spielzeiten war bereits nach der Vorrunde Schluss, allerdings hatte man auch Gruppengegner wie den FC Bayern, Atlético, den FC Liverpool oder SSC Neapel. In diesem Jahr stehen die Chancen auf einen möglichen Achtelfinal-Einzug wohl so günstig wie noch nie. Gruppe G ist extrem ausgeglichen, besonders Lille, Wolfsburg und Sevilla könnten sich potentiell gegenseitig Punkte klauen.

Matthias Jaissle (FC Salzburg) im Training

Photo: GEPA pictures/ Harald Steiner / Imago

Gelingt Salzburg die ein oder andere Überraschung, ist zumindest Platz drei und damit die Europa League in Reichweite. Aber auch das CL-Achtelfinale ist keineswegs unmöglich. Matthias Jaissle (33), seit diesem Sommer Cheftrainer bei Salzburg, kennt den Verein und die Philosophie. Seit 2019 war der ehemalige Bundesligaprofi für die U18 der Salzburger sowie das Farmteam FC Liefering verantwortlich.

Allerdings hat es im Sommer personell einige Änderungen gegeben. Mehrere Schlüsselspieler haben den Verein verlassen. Stürmer Patson Daka (22) zog es in die Premier League zu Leicester City, auch Mittelfeldmotor Enock Mwepu (23) ging denselben Weg, allerdings zu Brighton & Hove Albion. Den deutschen U21-Nationalspieler Mergim Berisha (23) verschlug es zu Fenerbahce. Salzburg blieb sich bei der Akquise neuer Spieler treu. Für das Mittelfeld wurde Nicolás Capaldo (22) von den Boca Juniors nach Österreich gelotst. Für das Abwehrzentrum kam Kamil Piatkowski (21) vom polnischen Erstligisten Rakow Czestochowa. Auch in der Offensive wurde nachgelegt, Roko Simic (18, kam von NK Lokomotiva) soll dort für Furore sorgen.

Prognose

Der Ausgang in Gruppe G ist schwer vorherzusagen. Vor allem Lille, Wolfsburg und Sevilla agieren auf Augenhöhe, in diesen Duellen kann jeder jeden schlagen. Auch die personelle Rotation und die Breite der Kader wird Ausschlag über den Erfolg geben. Letztlich werden sich Sevilla und Wolfsburg durchsetzen, Lille muss den „Abstieg“ in die Europa League hinnehmen. Salzburg wird sich wacker schlagen und den ein oder anderen Punkt mitnehmen, aber am Ende ist erneut in der Gruppenphase Schluss.

Photo: Maik Hölter TEAM2sportphoto / Imago

Sarom Siebenhaar

Die Oranje-Connection entfachte seine Leidenschaft für den HSV. Durch zahlreiche Tiefen schmecken die vereinzelten Höhen umso süßer. Schätzt attraktiven Offensivfußball genauso wie kämpferische Höchstleistungen. Internationaler Top-Fußball findet sich nicht nur in den Big Five. Seit 2021 bei 90PLUS.

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