Champions League | Emery setzt Nagelsmann mit einem Zug Schachmatt – das Viertelfinalaus des FC Bayern in der Einzelkritik

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News | 1:1 hieß es am Ende zwischen dem FC Bayern und Villarreal. Damit ist der Rekordmeister aus der Champions League ausgeschieden. Die Einzelkritik zur Partie.

Chukwueze schockt den FC Bayern – und sorgt für zweites Viertelfinalaus in Folge

Als Robert Lewandowski den FC Bayern in Minute 52 in Führung brachte, schien alles entweder auf einen Einzug der Münchener ins Halbfinale zu deuten – oder die Verlängerung. Als sich die Gastgeber schon mit Letzterem geistig abgefunden zu haben schienen, fuhr Villarreal einen allerletzten Konter, den Samu Chukwueze zum 1:1-Endstand verwertete.

 



 

Damit scheidet der Rekordmeister zum zweiten Mal in Folge im Viertelfinale der Champions League aus. Ursächlich dafür ist – neben fehlender Kreativität in der Offensive – ein verhängnisvoller Moment Julian Nagelsmanns, während Unai Emery auf der anderen Seite einmal mehr bewiesen hat, warum er im Moment zu den besten Trainern Europas gehört. Die Akteure in der Einzelkritik

FC Bayern: Ineffektive Offensive – und Nagelsmanns verhängnisvoller Moment

Manuel Neuer: Es fällt schwer, ihm einen wirklichen Vorwurf zu machen. Über weite Strecken der Partie war er The one and lonely. Sicher im Aufbau, hielt, wenn er den Ball bekam, immer den Druck hoch oder versuchte, gegen die gelbe Mauer das Spiel schnell zu machen. Der eine Schuss, den er aufs Tor bekam, war gleich drin – und er selbst dabei ohne Auftrag. Note: 2,5.

Benjamin Pavard: Eigentlich ein souveräner Auftritt. Verlor vor dem Gegentreffer allerdings das Duell mit Dani Parejo, der sich aufdrehen und den Gegenzug einleiten konnte. Note: 4,0.

Dayot Upamecano: Viel wurde über ihn in großen Spielen gesprochen. In diesem Duell ließ er sich nichts zu Schulden kommen. Klärte einmal im allerletzten Moment vor dem durchgebrochenen Gerard Moreno und verhinderte fast noch dessen Hereingabe auf Samu Chukwueze. Auf der anderen Seite vergab er aber aus bester Position den Führungstreffer. Note: 2,5.

Lucas Hernández: Bayerns Fels in der Brandung. Hatte defensiv alle Tricks Villarreals gelesen und wusste sie effektiv zu verhindern. Kurbelte mit seinen Tempoläufen auch immer wieder das Offensivspiel an, wenngleich seine Hereingaben und die Distanzschüsse dafür eher uninspiriert waren. Es ist kein Zufall, dass der Gegentreffer knapp eine Minute nach seiner Auswechslung fiel. Note: 2,0.

Joshua Kimmich: Bei weitem nicht der gewohnte Ideengeber aus dem defensiven Mittelfeld. Seine Chipbälle und Standards versandeten nahezu alle wirkungslos oder waren schlicht viel zu lasch gespielt. Ging zwar regelmäßig ins Gegenpressing, schaffte es dann aber kaum einmal das Spiel schnell zu machen. Ließ zudem den Sechserraum beim Ausgleich sträflich frei. Note: 4,5.

Leon Goretzka: Der weitaus solidere Part des defensiven Mittelfelds. Sein Chip auf Jamal Musiala leitete Bayerns bis dahin beste Chance dieser Begegnung ein. Defensiv immer zuverlässig. Erstickte viele potentielle Villarreal-Konter im Keim. Note: 2,5.

Leroy Sané: Wenngleich er in dieser Saison zwölf Torbeteiligungen sammelte, so ist die Champions League einfach nicht sein Wettbewerb. Mit 26 Jahren stand er noch kein einziges Mal im Halbfinale. War über die rechte Seite zwar bemüht und hatte einige gute Hereingaben. Hätte allerdings noch öfter die Läufe auf die Grundlinie machen müssen, um Villarreals Abwehr wirklich in Bedrängnis zu bringen. Note: 3,5.

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Photo by JOSE JORDAN/AFP via Getty Images

Thomas Müller: So ratlos und kreidebleich wie beim Interview nach dem Spiel hat man Bayerns Urgestein selten erlebt. Und daran ist er selbst nicht ganz unschuldig. Fand kaum Räume zum Deuten, reagierte dafür in Minute 52 gedankenschnell und setzte Robert Lewandowski in Szene. Andererseits ließ er per Kopf leichtfertig das 2:0 liegen. Ein äußerst durchwachsener Auftritt. Note: 4,5.

Jamal Musiala: Ein Spiel, wie gemacht für Bayerns Youngster, der sich in engen Räumen besonders wohlfühlt. Drehte in der ersten Hälfte Villarreals Verteidiger sehenswert ein und hatte nach 29 Minuten sowie gleich nach Wiederbeginn zwei gute Gelegenheiten. Danach merkte man jedoch auch ihm den Abrieb an Villarreals Defensive an. Machte in Minute 82 Platz für Serge Gnabry. Note: 3,5.

Kingsley Coman: Wenn für Bayern offensiv etwas ging, dann nahezu ausschließlich über ihn. Anders, als im Hinspiel fand Juan Foyth diesmal keine Mittel gegen den Franzosen. Coman war es auch, der nach Parejos Ballverlust sofort umschaltete und so maßgeblich die Führung einleitete. Versuchte viel, wurde dabei aber auch oft von seinen Teamkollegen im Stich gelassen. Note: 2,0.

Robert Lewandowski: Ein frustrierender Abend für ihn. Wurde von seinen Mitspielern kaum gesucht, ließ sich oft fallen, um an den Ball zu kommen. Dadurch fehlte er allerdings als Abnehmer in der Box. Entging nach seinen beiden Fouls gegen Raúl Albiol nur knapp einem Platzverweis. Dafür schlug er handlungsschnell wie sehenswert mit dem Führungstreffer zu. An ihm lag es in diesem Spiel nicht, dass seine Mannschaft ausgeschieden ist. Note: 3,0.

Auswechslungen des FC Bayern

Serge Gnabry (ab 82′): Ersetzte Jamal Musiala und durfte dadurch auf seiner Lieblingsposition im Zentrum ran. Einen Unterschied konnte er aber nicht herbeiführen. Note: 4,0.

Alphonso Davies (ab 87′): Der verhängnisvolle Wechsel. Musste für Lucas Hernández als linker Innenverteidiger ran, eine Position, auf der er nicht zwingend bewandert ist – und das wurde mehr als ersichtlich. Hob vor dem Gegentreffer zweimal das Abseits auf und verlor auch noch Samu Chukwueze aus den Augen. Ein bitterer Kurzeinsatz für den 21-Jährigen. Note: 4,5.

Eric Maxim Choupo-Moting (ab 90′): Stand nach überstandener Blessur überraschend wieder im Kader und war in der Nachspielzeit Nagelsmanns ultima ratio. Null Ballkontakte sind eine ziemlich schwierige Bewertungsgrundlage. Note: ohne Bewertung.

Julian Nagelsmann: So hart es klingt, aber dieses Ausscheiden muss er auf seine Kappe nehmen. Zahlte in der entscheidenden Phase der Begegnung gegen Unai Emery kräftig Lehrgeld. Der Baske wartete nur, bis Nagelsmann zu sehr ins Risiko ging, um ihn dann mit Samu Chukwueze Schachmatt zu setzen. Beim Wechsel Davies für Lucas Hernández war genau das der Fall. Entweder er kommt für Sané, sodass Coman auf die andere Seite geht und Davies seine Position auf der linken Außenbahn einnehmen kann. Oder Nagelsmann wechselt positionsgetreu mit Tanguy Nianzou, der in den letzten Spielen zu überzeugen wusste. Aber einen nominellen Linksverteidiger zu bringen, der vier Monate gefehlt hat und das auf einer für ihn komplett ungewohnten Position in der 87. Minute, beim Aggregat von 1:1 im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen einen konterstarken Gegner und für einen der besten Spieler seiner Mannschaft, ist nichts anderes als sportlicher Suizid. Natürlich hätte man den Gegentreffer früher verhindern können, oder sogar müssen. Trotzdem wäre diese Taktik auch in der Verlängerung nicht lange gutgegangen. Note: 6,0.

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Villarreal CF: Die Kunst des kontrollierten Verbarrikadierens

Geronimo Rulli: Viermal musste er wirklich eingreifen. Ansonsten fiel er eher dadurch auf, dass er sich bei jedem Abstoß die Uhr bis auf die letzte Schraube entsaftete. Im Kombinationsspiel und Herauslaufen – wenn gefordert – sicher. Note: 3,0.

Juan Foyth: Im Hinspiel noch einer der besten, zeigte ihm Kingsley Coman diesmal klar die Grenzen auf. Holte sich spät in der Partie Gelb ab und agierte im Anschluss geschickt, um nicht des Feldes verwiesen zu werden. Dennoch ein Auftritt mit viel Luft nach oben. Note: 4,0.

Raúl Albiol: Agierte so abgezockt, wie man mit 36 Jahren und 323 La-Liga-Spielen nur agieren kann. Hielt die Defensive zusammen, wenngleich er dafür Mitte der ersten Hälfte kurzzeitig ein Best Of der Mailänder Scala aufführen musste. Auf dem Platz kompromisslos in den Zweikämpfen, hatte Lewandowski bis auf eine Szene im Griff. Note: 2,0.

Pau Torres: Wer noch nicht wusste, warum Sergio Ramos bei Luis Enrique immer seltener zum Thema wird, der weiß es spätestens nach den beiden Partien gegen den FC Bayern. Stand zwar einmal zu weit von Robert Lewandowski weg, sodass dieser einschieben konnte. Machte ansonsten viele Offensivszenen des FC Bayern mit seiner Geschwindigkeit zunichte und hielt beim durchaus aussichtsreichen Freistoß von Leroy Sané den Kopf hin. Note: 2,0.

Pervis Estupiñán: Beschränkte Leroy Sané auf größtenteils uninspirierte Halbfeldflanken, wenngleich er dazu nur das Nötigste tun musste. Sobald Sané Ernst machte und die Läufe auf die Grundlinie forcierte, kam er zumeist auch durch. Note: 3,5.

Étienne Capoue: Wie schon im Hinspiel äußerst zuverlässiger Abräumer im Mittelfeld. Diesmal qua druckvollen Bayern noch mehr in seinem Kerngeschäft gefragt. Erledigte diese Aufgabe souverän. Note: 3,0.

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Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images

Dani Parejo: Diesmal mit weit weniger Freiheiten ausgestattet, als noch vor Wochenfrist. Konnte zwar mit seiner Ballsicherheit in den Anfangsminuten der Partie für etwas gelben Ballbesitz sorgen, wurde allerdings auch einmal von hoch pressenden Münchenern zu einem unkontrollierten Pass gezwungen, was zum zwischenzeitlichen 1:0 führte. Dafür leitete er mit einem viel geplanteren Zuspiel den Ausgleich ein. Note: 3,0.

Francis Coquelin: Le Coq war in dieser Partie der eher weniger auffälligere Part im Vergleich zu Capoue. Konnte sich dem Münchener Druck nur selten entziehen oder durch gewonnene Zweikämpfe für Entlastung sorgen. Note: 4,0.

Giovani Lo Celso: Fiel wie die gesamte Offensive Villarreals nahezu über das gesamte Spiel ab, was aber auch ein Stück weit so geplant gewesen sein dürfte. Leitete dafür mit einem gewonnenen Laufduell gegen Kingsley Coman sowie dem punktgenauen Zuspiel auf Gerard Moreno den Ausgleich maßgeblich ein. Note: 3,5.

Gerard Moreno: Bewies einmal mehr, dass er nicht viele Aktionen braucht, um gefährlich zu werden. Wenn er den Ball hatte, wurde es für den Rekordmeister zumeist sehr schnell sehr ungemütlich. Gab den ersten Torschuss seines Teams ab – und leitete den entscheidenden ein. Note: 3,0.

Arnaut Danjuma: Bis in die 52. Minute hinein hatte sein Treffer Bestand. Im Rückspiel bei Weitem nicht so auffällig, wie noch vor einer Woche, wenngleich er es in einigen Aktionen durch sein enormes Tempo andeutete. Note: 4,0.

Wechsel von Villarreal

Samu Chukwueze (ab 84′): Die Definition von Effizienz. Drei Minuten auf dem Platz, erster Ballkontakt – Tor. Anders, als im Hinspiel bekam er diesmal den Querpass und machte das absolute Maximum daraus. Er versetzte die Allianz Arena in Schockstarre, ließ Unai Emery an der Seitenlinie eskalieren und schickte ein Fußballdorf von 50.000 Einwohnern erst zum zweiten Mal ins Champions-League-Halbfinale. Note: 1,5.

Alfonso Pedraza (ab 84′): Kam für Arnaut Danjuma, um in den letzten Minuten noch das 0:2 zu verhindern. Es sollte bekanntermaßen noch einen Tick besser kommen für seine Mannschaft. Note: 3,0.

Serge Aurier: Durfte auch noch gute 60 Sekunden in die Partie reinschnuppern. Hatte immerhin drei Ballkontakte und brachte seinen einzigen Pass an den Mann. Einer Bewertungsgrundlage entzieht sich das jedoch. Note: ohne Bewertung.

Unai Emery: Man muss nicht mögen, was er sich für das Rückspiel gegen den FC Bayern ausgedacht hat. Effektiv war es allemal. Er ließ sein Team kontrolliert verteidigen, wohl wissend, dass sie dazu in der Lage sind und sich auch durch einen Gegentreffer nicht aus dem Konzept bringen lassen. Wartete nur, bis er mit Samu Chukwueze die entscheidende Patrone ziehen konnte, die den FC Bayern aus dem Wettbewerb beförderte. Auch wenn es nicht danach aussah: Er hatte die Partie zu jedem Zeitpunkt im Griff und ließ mit der Erfahrung von vier Europa-League-Titeln sein Gegenüber wie einen Schuljungen auflaufen. Note: 1,5.

Slavko Vinčić: Nach dem Rücktritt von Damir Skomina ist Vinčić nun Sloweniens Vorzeigeschiedsrichter. Gegen den FC Bayern zeigte er allerdings eine relativ eigensinnige Linie in der Zweikampfbewertung, die auch dazu beitrug, dass bisweilen der Spielfluss darunter litt. Hätte zudem Geronimo Rulli für sein ständiges Zeitspiel verwarnen müssen. Note: 3,0.

Spielnote: Spektakulär war es bei Weitem nicht. Der Großteil der Partie war ein Schachspiel zwischen einem Großmeister und einem aufstrebenden Talent, in dem ersterer genau zum richtigen Zeitpunkt den Knockout setzte. Ein Spiel, das maßgeblich von seiner Spannung lebte. Note: 3,5.

Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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