Champions League | Reals Achse dominiert, Villarreal doppelt vertreten: Die Elf der Saison 2021/22

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Spotlight | Die Champions League-Saison 2021/22 ist mit Real Madrids 14. Titelgewinn im Finale gegen den Liverpool Football Club am Samstagabend zu Ende gegangen. Zeit, um nochmal auf ihre besten Performer zu schauen. Die Elf der Saison.

Elf der Saison: Modrić führt das Mittelfeld an, Benzema den Angriff

Tor: Thibaut Courtois (Real Madrid): Mit einem gehaltenen Messi-Elfmeter in Paris begann alles. Seitdem erreichte der Belgier ein neues Level, das er im Finale krönte. Neun Paraden in einem Endspiel sind neuer Rekord. Dazu mit den meisten weißen Westen dieser Saison (fünf), zusammen mit Odisseas Vlachodimos (SL Benfica) und Edouard Mendy (Chelsea FC). Zudem demonstrierte Courtois einmal mehr, wie wichtig es ist einen Weltklassekeeper zu haben, will man die Champions League gewinnen. Alisson 2019 mit seiner Parade gegen Napoli, die Liverpool das Achtelfinale sicherte, Manuel Neuer 2020, letzte Saison Mendy – und nun Thibaut Courtois.

Rechtsverteidiger: Trent Alexander-Arnold (Liverpool FC): Er war der beste Vorlagengeber des Finalisten. Dazu im Endspiel offensiv einmal mehr enorm auffällig und auch defensiv aufmerksam. Verhinderte beispielsweise nach einer halben Stunde mit einer brillanten Rettungsaktion, dass Vinícius Júnior gänzlich frei aufs Tor zuläuft. Mit 6,4 angebrachten langen Pässen pro Spiel liegt er in den Top-5 dieser Saison.

Innenverteidiger: Pau Torres (Villarreal CF): Ein wesentlicher Faktor dafür, dass Villarreal der Sprung ins Halbfinale gelang. Bereinigte mit seinem Tempo und seiner Kopfballstärke immer wieder gegnerische Aktionen. Seine 5,2 Klärungsaktionen pro Spiel sind viertbester Wert dieser Champions-League-Saison und der zweitbeste aller Spieler, die die K.O.-Phase erreicht haben, hinter Nicolás Otamendi (6,0). Dazu erzielte er in Turin den vorentscheidenden Treffer zum 2:0. Jeder, der vor der Spielzeit nicht wusste, warum die erfahrenen Sergio Ramos/Gerard Piqué kein Thema mehr bei Luis Enrique sind, dürfte spätestens nach dieser Saison eines besseren belehrt worden sein.

Innenverteidiger: Ibrahima Konaté (Liverpool FC): Hat sich nach seinem Wechsel aus Leipzig inzwischen voll beim LFC eingefunden und ergänzt sich wunderbar mit Virgil van Dijk. Den Halbfinaleinzug in den Duellen gegen Benfica (3:1, 3:3) hat er mit den Führungstreffern in Hin- und Rückspiel praktisch im Alleingang auf den Weg gebracht. Im Endspiel verteidigte er clever und hielt Trent Alexander-Arnold bei dessen offensiven Ausflügen den Rücken frei.

Linksverteidiger: João Cancelo (Manchester City): Wie auf der anderen Seite Alexander-Arnold ist auch João Cancelo bester Vorlagengeber seines Teams. Mit seiner Spielstärke war er ein wesentlicher Bestandteil, dass Manchester City der Einzug ins Halbfinale gelang – erstmals in direkt aufeinanderfolgenden Saisons. Zudem ein idealer Systemspieler für Guardiola, gerne ausweichend in das Zentrum.

Mittelfeld: Dani Parejo (Villarreal CF): Stabilisierte Villarreals Mittelfeld mit seiner Erfahrung und leitete die furiose Europareise mit seinem Ausgleichstreffer gegen Juventus ein. Rückte zudem immer wieder in den Strafraum vor. Auch am Siegtreffer gegen den FC Bayern im Hinspiel war Parejo – bewusst oder nicht – beteiligt und hatte das Zentrum gegen Joshua Kimmich sowie Leon Goretzka komplett im Griff. Im Rückspiel verschuldete er zwar den zwischenzeitlichen Rückstand, leitete aber auch den Konter ein, der Villarreal ins Halbfinale brachte.

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Photo by JAVIER SORIANO/AFP via Getty Images

Mittelfeld: Luka Modrić (Real Madrid): Gehört zusammen mit Toni Kroos, Casemiro, Vinícius Júnior sowie Karim Benzema zum Grundgerüst, das Real Madrid zum Titel trug. Den Treffer zum 2:1 gegen Paris Saint-Germain entwarf er selbst und legte ihn auch noch für Karim Benzema zum Doppelpack vor. Als die Königlichen zuhause gegen Chelsea 0:3 zurücklagen, bediente er mit einem surreal brillianten Außenristzuspiel aus dem linken Halbfeld Rodrygo, der die Verlängerung besiegelte. Im Halbfinal-Rückspiel ließ er gegen eine Pep-Guardiola-Mannschaft nichts anbrennen, als es einmal mehr darauf ankam. Das alles im zarten Alter von 36 Jahren. Verständlich, dass er bei Real Madrid weit davon entfernt ist, ausgedient zu haben und er zeitnah eine weitere Vertragsverlängerung bekommen wird. Feierte am Samstagnachmittag seinen fünften Champions-League-Titel.

Mittelfeld: Kevin De Bruyne (Manchester City): Das Duell mit Sporting war zu einseitig, als dass man wirklich von einem Spieler sprechen konnte, der den Unterschied gemacht hat. Danach allerdings war es schon eher der Fall. De Bruyne erzielte den einzigen Treffer der Begegnungen gegen Atlético Madrid und brachte Manchester City im Halbfinale nach weniger als zwei Minuten in Führung. Behielt im Duell mit Real Madrids Mittelfeld die Oberhand und ließ die Seinen lange vom zweiten Endspiel in Folge träumen – bis Rodrygo sie auf jähste Weise aufweckte.

Angriff: Christopher Nkunku (RB Leipzig): Insgesamt sieben Saisontore hat der Franzose vorzuweisen, weniger als lediglich Mohamed Salah (Liverpool FC/8), Sébastien Haller (AFC Ajax/11), Robert Lewandowski (FC Bayern/13) sowie Karim Benzema (Real Madrid/15). Das, obwohl Nkunku mit RB Leipzig nicht über die Gruppenphase hinauskam und er in einem Team spielte, das unter Jesse Marsch sichtlich auf der Suche nach der eigenen Identität war. Tor im Heimspiel gegen PSG (2:2) und in beiden Duellen mit Brügge (1:2 und 5:0). Im Etihad (3:6) gelang Nkunku sogar ein Dreierpack, mit dem er einem sehr elitären Kreis beitrat. Einzig dank ihm durfte RB trotz der Vielzahl an Gegentoren lange Zeit aufs Achtelfinale hoffen.

 

Angriff: Robert Lewandowski (FC Bayern): Drehte bereits in der Gruppenphase auf und stand zur Winterpause bei neun Toren. Diskussionen kamen auf, inwiefern er seiner Bestmarke von 15 Treffern aus der Saison 2019/20 gefährlich werden kann. Letztlich war bei 13 Schluss, dem zweithöchsten Wert dieser Saison. Mit seinem Dreierpack gegen Salzburg sowie dem technisch hochwertigen Führungstreffer gegen Villarreal war Lewandowski aber einmal mehr Protagonist des FC Bayern in der K.O.-Runde.

Angriff: Karim Benzema (Real Madrid): „26 Mal“ sei Real Madrid in dieser Saison schon ausgeschieden gewesen, so Toni Kroos. Dass sie ultimativ im Rennen blieben, haben sie vor allem Karim Benzema zu verdanken: Hattrick gegen Paris Saint-Germain im Achtelfinale, Hattrick gegen Chelsea im Viertelfinale, dazu der entscheidende Treffer im Rückspiel. Doppelpack im Etihad, verwandelter Elfmeter zum Finaleinzug im Bernabéu.

Er verkörperte während der gesamten Spielzeit die Aura sowie offensive Effizienz Real Madrids und nahm damit seine Teamkollegen ein ums andere Mal mit. 15 Tore sind Topwert in dieser Saison. Zudem zog er durch den Treffer gegen Manchester City mit Robert Lewandowski gleich. Beide stehen bei 86 Treffern. Sollte die Weltmeisterschaft im Winter nicht in einem allzu großen Debakel für Frankreich enden, kann sich Benzema bereits Gedanken machen, ob er den Ballon d’Or ins Wohn- oder Schlafzimmer stellen will.

Ersatzbank: Ein Topjoker – und zwei Toptorschützen

Manuel Neuer (FC Bayern): Führte mit sieben Gegentoren die zweitbeste Defensive dieser Saison nach dem Sevilla FC (fünf) an. 0,7 Gegentreffer pro Spiel sind zudem Topwert in dieser Saison. Neuers vier weiße Westen können nur von dem Trio Mendy/Vlachodimos/Courtois überboten werden (fünf).

Juan Foyth (Villarreal CF): Es ist nicht so, als hätte es der Neuzugang von Tottenham auf seiner rechten Seite nicht mit einigen durchaus kompetenten Gegenspielern zu tun bekommen. Allein, durch kamen sie selten. Lieferte im Hinspiel gegen den FC Bayern eine absolute Glanzleistung ab und schien bis zur Pause auch Liverpool niederringen zu können. Der Doppelschlag durch Fabinho und Luis Díaz zog allerdings auch bei ihm den Stecker.

Thiago (Liverpool FC): In seiner zweiten Saison bei den Reds unumstrittener Stamm- und Unterschiedsspieler. Man merkt der Mannschaft von Jürgen Klopp an, wieviel ballsicherer und dominanter sie mit ihm ist. Ergänzt sich wunderbar mit Fabinho – und erzielte beim 2:0 gegen Porto einen der ästhetischsten Treffer dieser Saison, als er aus rund 23 Metern flach abzog und der Ball dabei kurz über der Grasnarbe glitt, den Boden jedoch nicht berührte. Müsste man sich ein Tor aussuchen, um sein Spiel zu beschreiben, käme dieses erstaunlich dicht heran: kraftvoll, entschlossen, aber dennoch unfassbar elegant.

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Photo by Matthias Hangst/Getty Images

Vinícius Júnior (Real Madrid): Nach der Entwicklung, die er diese Saison hingelegt hat, war es nur folgerichtig, dass der entscheidende Treffer im Finale ihm gebührte. Es war sein vierter in dieser Saison, damit befindet er sich im Mittelfeld. Die sechs Assists hingegen sind Spitzenwert, zusammen mit Bruno Fernandes und Leroy Sané.

Rodrygo (Real Madrid): Langsam sollte ersichtlich werden, warum Florentino Pérez bei Vinícius und ihm seinerzeit all-in ging. Wenn es große Momente von der Bank aus brauchte, lieferte Rodrygo sie mit erstaunlicher Zuverlässigkeit. Siegtreffer in der 90. Minute im San Siro bei Inter, Treffer zur Verlängerung im Viertelfinale gegen Chelsea und der Doppelschlag im Duell mit Manchester City binnen 88 Sekunden. Definition eines super-sub.

Sébastien Haller (AFC Ajax): Wurde am 1. Spieltag vom Fußballgott mit einem Sahnetag beschenkt und erzielte auswärts bei Sporting gleich vier Treffer. Auf diese Leistung wusste er die ganze Saison über aufzubauen. Zehn Tore hatte er zur Winterpause und war damit  – nach Cristiano Ronaldo 2017/18 – der erst zweite Spieler, der in allen Partien der Gruppenphase traf und der erste, dem dies in seiner Champions-League-Debütsaison gelang. Brachte seine Mannschaft auch im Achtelfinale gegen Benfica – trotz Eigentor – mit dem 1:2 zwischenzeitlich auf Kurs. Das bessere Ende hatte im Rückspiel allerdings sein Gegenüber Darwin Núñez für sich.

Cristiano Ronaldo (Manchester United): Kam zwar nicht über das Achtelfinale hinaus. Dass ein – bei allem Respekt – unterdurchschnittliches Manchester United seine Gruppe gewann und überhaupt erst die K.O.-Runde erreichte, lag einzig und allein am Portugiesen. Rettete die Seinen in der Nachspielzeit gegen Villarreal (2:1) sowie in Bergamo (2:2). Auswärts beim gelben U-Boot (2:0) und gegen Atalanta (3:2) traf er zudem jeweils in der Schlussviertelstunde. Ohne diese Tore hätte es für United dasselbe Ergebnis wie in der Vorsaison gegeben: Platz 3.

Trainer: Unai Emery (Villarreal CF): „Villarreal ist in der Gruppe Zweiter geworden und hat jetzt ein 1:1 gegen Juve geholt. Aber in Turin zu gewinnen, wird nicht so einfach.“

„Gut, sie haben Juve geschlagen. Aber jetzt kommt der FC Bayern. Da werden sie sicher nicht…“

„Ja, Bayern war nicht in seiner besten Phase und sie haben das auch durchaus clever gemacht. Jetzt ein 0:2 gegen Liverpool aufzuholen, das wird unmö…“

Mit unfassbarer taktischer Disziplin, einem wunderbar durchdachten Spielplan, mutigem Fußball sowie einem leidenschaftlichen Stadion verschob Villarreal zuverlässig die Grenzen des für sie Machbaren. Während der Saison nahm es das gelbe U-Boot mit insgesamt 17 Champions-League-Titeln auf und war trotzdem nur 45 Minuten vom Finale entfernt. Unai Emerys Matchpläne waren zu abgezockt für Juventus, neutralisierten den Angriff des FC Bayern, mit 30 Treffern den besten dieser Saison nahezu komplett und mussten sich erst spät der Kaderbreite und individuellen Qualität Liverpools beugen – im ersten Halbfinale seit 2006 und dem zweiten der Vereinsgeschichte. Das zeigt, dass der heutige Fußball, selbst auf höchstem Niveau, noch immer Underdog-Stories zu bieten hat. Vielleicht schreibt Villarreals Nachfolger in der Europa League bereits die nächste.

Photo by Julian Finney/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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