Champions League | Nutzt Villarreal die zweite Chance zur Revanche? Die Vorschau zum Halbfinal-Hinspiel

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Vorschau

Vorschau | Am Mittwochabend reist Bayern-Besieger Villarreal zum Halbfinal-Hinspiel der Champions League nach Anfield. Auf beiden Seiten ist die Euphorie groß. Während Jürgen Klopp nur noch Endspiele vor sich hat, will man aufseiten von Villarreal die zweite Chance nutzen.

Vor dem Duell sprachen wir mit Pablo Martínez-Vilanova, der für die valencianische Zeitung Superdeporte schreibt und für den Radiosender Villarreal CF Radio tätig ist.

Liverpool FC: Viel Respekt – aber auch viel Euphorie vor dem Halbfinale gegen Villarreal

Die Frage, wie gut man im Moment drauf sein kann, würde Liverpool mit einem einfachen „Ja!“ beantworten. Aus den letzten 26 Pflichtspielen gab es lediglich eine einzige Niederlage, das 0:1 im Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter. Zuletzt fegten die Reds Erzrivale Manchester United 4:0 aus Anfield. Zusammen mit dem 5:0 im Hinspiel kassierte United neun Gegentreffer über beide Partien. Das war zuvor noch keiner Mannschaft gegen den Rekordmeister gelungen.

Auch die anderen „besten Freunde“, aus dem blauen Teil der Stadt besiegte Liverpool vergangenes Wochenende nach Treffern von Andy Robertson (62′) sowie Divock Origi (85′) mühevoll, letztlich aber doch verdient 2:0. Damit bleiben sie einen Zähler hinter Manchester City. Mit einem 3:2 gegen die Mannschaft von Pep Guardiola sicherte sich Liverpool zudem das Ticket fürs FA-Cup-Finale, wo sie auf Thomas Tuchels Chelsea treffen werden. Den Carabao Cup holten sie bereits Ende Februar in derselben Begegnung. Damit darf Liverpool weiterhin vom Quadruple träumen.

 



 

Auf dem Weg dorthin heißt die nächste Hürde Villarreal. Jürgen Klopp warnte auf der Pressekonferenz eindringlichst und ausführlichst davor, den Bayern-Bezwinger auf die leichte Schulter zu nehmen: „Sie sind für diesen Wettbewerb gemacht, um ehrlich zu sein. Ich glaube, es gab einen leichten Vorteil in den letzten beiden Spielen, als Juve oder Bayern sie vielleicht unterschätzt haben – aber solche Dinge passieren uns nie. Besonders nach diesen vier Spielen ist es unmöglich, dass das passiert. Also ist dieser Vorteil schon mal weg.“

Auch für den gegnerischen Trainer hatte Klopp nur lobende Worte übrig: „Unai (Emery) macht den Eindruck, als wäre er ein sehr detailversessener Trainer, der alle möglichen Situationen wärend eines Spiels vorbereitet und das ist genau das, was seine Mannschaft umsetzt. Sie haben verschiedene Möglichkeiten, das Spiel zu eröffnen, verschiedene Möglichkeiten zu pressen, verschiedene Möglichkeiten auf verschiedene Ergebnisse zu reagieren. Sehr, sehr eindrucksvoll. Natürlich ist Unai ein Weltklassetrainer und macht dort einen unglaublichen Job.“

Jedes Spiel wie ein Finale – Liverpools neue Mentalität

54 Pflichtspiele hat Liverpool bislang in dieser Saison bestritten. Das Halbfinale gegen Villarreal wird das vierte binnen elf Tagen sein. Trotzdem wirkt Klopp äußerst euphorisch und versucht damit, diese Euphorie auch an die Mannschaft weiterzugeben: „Ich kann es, ehrlich gesagt, kaum erwarten. Sogar mit diesem hektischen Spielplan, in dem wir die ganze Zeit spielen, binnen einer Woche gegen City, United und Everton. Wenn es da ein Spiel gibt, auf das man zu 1.000 Prozent fokussiert sein muss, dann gib uns Villarreal in der Champions League!“

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Photo by PAUL ELLIS/AFP via Getty Images

Zusammen mit der Mannschaft habe man eine Mentalität entwickelt, jedes Spiel wie ein Finale zu betrachten, verriet Klopp: „Das war, als ich von meiner COVID-Pause zurückgekommen bin und das Spiel gegen Chelsea (2:2) geschaut habe. War das nächste Ligaspiel gegen Brentford? Ich glaube, es war Brentford. Ich glaube, wir waren zu dem Zeitpunkt 14 Punkte zurück, mit zwei Spielen in der Hinterhand und da haben wir entschieden, es einfach mal zu probieren. Es ist einfach in diesen Momenten. Wir haben große Erwartungen und große Ziele vor einer Saison und bis dahin haben wir eine ordentliche, aber keine herausragende Saison gespielt.“

„Es gab also noch etwas zu holen und in unserer Situation ist es immer dasselbe: Unser Hauptziel ist immer, uns nächstes Jahr für die Champions League zu qualifizieren. Ich glaube es war nach dem United-Spiel. Nicht nur City stand in dem Moment vor uns, Chelsea und einige andere Teams auch, ich weiß es nicht mehr. Aber seitdem ist jedes Spiel ein Finale. Eigentlich sollte jedes Fußballspiel wie ein Finale sein. Aber wenn du es zu sehr versuchst, dann kannst du nicht dementsprechend auftreten. Aber seitdem wir so auftreten, ist das die Wahrheit. Wir werden das nicht verändern, bis uns irgendjemand sagt, es lohnt sich nicht mehr zu kämpfen. Wir werden es versuchen.“

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Villarreal CF: Eine „neue Chance“ nach schweren Zeiten für das gelbe U-Boot

Zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte nach 2006 steht der Villarreal Club de Fútbol im Halbfinale der Champions League. Mit dem Coup gegen den FC Bayern hat Unai Emery den großen Erfolg Manuel Pellegrinis egalisiert.

Ein Erfolg, den man erst jetzt so richtig einzuordnen weiß, meint Pablo Martínez-Vilanova: „Jetzt wissen wir wirklich, wie schwer es ist, hier zu sein, nach dem Abstieg 2012, einer schweren Saison 2019 (Villarreal wurde damals 14. in La Liga, Anm. d. Red.) und dem ersten Titel 2021. Und dieser Klub verdient eine neue Chance, nach dem Elfmeter von Riquelme.“

Bereits 2006, damals noch als Champions-League-Debütant, führte Villarreal das Halbfinale auf die Insel, aber nicht nach Anfield, sondern ins Highbury, zu Arsenal. Kolo Touré machte im Hinspiel den Unterschied. In der 90. Minute des Rückspiels ließ Juan Román Riquelme im Duell mit Jens Lehmann vom Punkt die Verlängerung liegen.

Nun will es das gelbe U-Boot besser machen: „Als wir gegen Juventus gespielt haben, wussten wir, dass wir sie besiegen können. Im Viertelfinale war Bayern der klare Favorit und endlich war es möglich, sie zu schlagen. Nun ist es ähnlich. Diese zwei Siege geben uns Selbstvertrauen. Und die Fans freuen sich auf die Revanche des Europa-League-Halbfinals von 2016 (1:0 und 0:3 gegen Liverpool, Anm. d. Red.).

„Das beste Spiel der Geschichte“ – und Emerys Erfahrung: Wie Villarreal auch Liverpool knacken kann

Die Qualifikation dazu, wurde, so Martínez-Vilanova, „von der ganzen Stadt auf den Straßen gefeiert. Für viele Menschen war das Heimspiel gegen Bayern das beste in Villarreals Geschichte, noch besser, als das Viertelfinale 2006, weil dieser FC Bayern eine noch größere Herausforderung war, als damals Inter.“ 2006 unterlag Villarreal im San Siro zwar 1:2. Mit der damals noch gültigen Auswärtstorregel reichte ihnen jedoch der Treffer von Rodolfo Arruabarrena im Rückspiel zum Weiterkommen.

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Die jüngste Form des gelben U-Boots unterstreicht die Euphorie nur noch weiter: Seit dem 0:2 bei Levante Anfang des Monats ist Villarreal in fünf Partien ungeschlagen. Vor Wochenfrist gab es dank eines Doppelpacks von Arnaut Danjuma ein 2:0 gegen Valencia. Wenngleich zur ganzen Wahrheit auch dazugehört, dass José Bordalás in diesem Spiel etliche seiner Akteure für das Copa-Finale gegen Betis (4:5 n.E.) geschont hat. In der Tabelle steht Villarreal fünf Spieltage vor Saisonende auf Rang 7, drei Zähler hinter Real Sociedad und deren fünf hinter dem neuen Pokalsieger Betis um Ex-Trainer Pellegrini. Damit darf man sich noch berechtigte Hoffnungen auf den europäischen Wettbewerb machen.

Oder man nimmt den kurzen Dienstweg über die Champions League. Dazu gilt es allerdings zuerst Liverpool aus dem Weg zu räumen. Martínez-Vilanova baut dahingehend auf die Erfahrung, die Unai Emery in der Premier League gesammelt hat: „Emery hat immer verschiedene Pläne. Es kann ein kleiner Vorteil sein, dass er mit Arsenal gegen Klopps Liverpool gespielt hat und auch im Europa-League-Finale 2016 (3:1 mit Sevilla, Anm. d. Red.). In der letzten Europa-League-Saison hatte er auch gute Pläne gegen Arsenal (2:1, 0:0) und Manchester United (11:10 n.E., 1:1, 1:0). Er hat auch mit PSG gegen Bayern gespielt (3:0, 1:3), vielleicht hat das im Viertelfinale geholfen.“

Prognose von Pablo Martínez-Vilanova

Es wird schwer sein, in Anfield zu beginnen. Gegen Juventus und Bayern hatten wir zuerst das Heimspiel und es hat geholfen. Ich hoffe, dass wir diesmal durch das Auswärtsspiel durchkommen und die Gelegenheit haben, es im La Cerámica zu entscheiden. Ich würde sagen, 1:1.

Photo by PIERRE-PHILIPPE MARCOU/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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