Champions League | Man City vs. Chelsea: Kann Tuchel auch Peps Krönung crashen?

Vorschau

Vorschau | Am Samstagabend trifft Manchester City im Champions-League-Finale auf Chelsea. Während sich Pep Guardiola vor dem Duell und seinem ersten Finale seit zehn Jahren tiefenentspannt gibt, hoffen die jungen Blues auf den ersten Titel seit 2012.

Anpfiff der Partie ist am Samstag, 21:00 Uhr, Live bei Sky und auf DAZN (Registriere dich jetzt auf DAZN und erhalte einen Gratismonat).

  • Manchester City: Im ersten Versuch gleich zum ganz großen Titel?
  • Chelsea FC: Aus dem Nichts – zu den Erben von 2012?
  • Drei Duelle zwischen Manchester City und Chelsea – 2:1 für die Blues

Vor dem Spiel haben wir uns mit Jan Platte unterhalten, der das Finale für DAZN kommentieren wird.

Manchester City: Endlich gleichwertig?

Lange Zeit galt die Stadt Manchester ausschließlich als rot. Tiefrot. Jeder wusste, es gibt diesen Verein, Manchester United, mit dem legendären Old Trafford, der vor allem unter Sir Alex Ferguson (79) die Premier League im Würgegriff hatte. 13 der 20 Titel sammelte man mit dem Schotten an der Seitenlinie.

„Noisy Neighbours“ nannte Ferguson den Nachbarn in hellblau. Getreu dem Motto: Lass sie auch mal ihre Momente haben, aber die Oberhand werden immer wir behalten. Ferguson trat 2013 allerdings nach 27 Jahren im Dienst unter großem Applaus ab und während der Rekordmeister „Manchester’s next Top-Fergie“ suchte, färbte sich die Stadt Stück für Stück hellblau. 2012 nahm City United den Nimbus der Unantastbarkeit in der Nachspielzeit, als Sergio Agüero (32) die Skyblues nach 93 Minuten und 20 Sekunden zur Meisterschaft schoss. Strike 1.  

 

 

 

 

2019 wurde City zur ersten Mannschaft seit United 2008 und 2009, die den Titel erfolgreich verteidigte. Strike 2. Und nun könnte sich der Stadtrivale an das Allerheiligste der Red Devils wagen: Den internationalen Erfolg. Das, wofür der Klub nicht nur in Manchester, sondern in der gesamten Premier League immer belächelt wurde. Liverpool hat 6, United drei, selbst Aston Villa und Nottingham Forest durften sich schon auf Europas Thron setzen. Nur Manchester City nicht. Man kann sich ausmalen, wieviel ein Erfolg den City-Fans bedeuten würde.

Rúben Dias, Gündogan, Foden: Die Gesichter des neuen Manchester City

Denn bis zu dieser Saison war für Manchester City eine Halbfinalteilnahme in der Saison 2015/16 unter Manuel Pellegrini (67) das höchste der Gefühle. Am Ende machte im Duell mit Real Madrid ein Eigentor von Fernando Reges (33) den Unterschied. Ein Phänomen, was man unter den Fans als „City-itis“ kennt. Immer, wenn der ganz große Erfolg winkt, versteht es der Verein wunderbar, sich selbst im Weg zu stehen. Genau in diese Schublade lassen sich auch die Niederlagen gegen Monaco 2017, Tottenham 2019 oder Lyon 2020 packen.

In dieser Saison scheint der Verein die „City-itis“ auskuriert zu haben. Der Saisonstart war reichlich holprig. Unter anderem fing man sich zuhause ein 2:5 gegen Leicester ein. Doch mit fortschreitender Saison wurde City immer dominanter, vor allem Rúben Dias (24) kristallisierte sich als Abwehrchef und legitimer Nachfolger von Vincent Kompany (35) heraus. Im Mittelfeld entdeckte Ilkay Gündogan (30) mit 13 Saisontoren in der Premier League ungeahntes Torjägerpotential und vorne wird langsam ersichtlich, warum Pep Guardiola (50) Phil Foden (21) wiederholt in den allerhöchsten Tönen lobt. Die Lücke, die David Silva (35) hinterließ, hat er problemlos gefüllt. Neun Tore und fünf Assists in 28 Spielen sind für sein Alter mehr als nur solide.

Pep Guardiola mit großem Vertrauen vor Chelsea

Die Form von Manchester City sieht vor dem Duell gegen Chelsea auf den ersten Blick mit drei Siegen und zwei Niederlagen aus den letzten fünf Spielen eher Guardiola-untypisch aus. Doch bedenkt man, dass die Mannschaft nach Uniteds 1:2-Heimniederlage gegen Leicester am 36. Spieltag auf dem Sofa Meister wurde und es anschließend hat etwas lockerer angehen lassen, relativiert sich das Ganze etwas. Das 5:0 gegen Everton zum Saisonausstand dürfte jedenfalls keine Fragen mehr offen gelassen haben. Gerade in einer vollgepackten Saison wie dieser gilt es, den Bizeps nur dann voll anzuspannen, wenn unbedingt nötig.

 

 

 

 

Am Samstagabend dürfte das auf jeden Fall nötig sein. In der Champions League leistete sich Man City lediglich ein 0:0 in Porto und gewann die restlichen elf Spiele. Eine bessere Bilanz kann lediglich der noch amtierende Titelverteidiger FC Bayern vorweisen, der in der vergangenen Saison alle Spiele auf dem Weg zum Titel für sich entschied. Ein direktes Aufeinendertreffen wusste PSG zu verhindern. Zuvor setzte sich City im Achtelfinale gegen Borussia Mönchengladbach (2:0, 2:0) und im Viertelfinale gegen Borussia Dortmund (2:1, 2:1) durch. Das Halbfinale gegen die Pariser war letztlich auch eine ziemlich klare Angelegenheit (2:1, 2:0).

Platte: „Alles kann schiefgehen in einem Spiel“

Jetzt also das Finale, wo man einen wackelnden FC Chelsea empfangen wird. Aber trotz der klaren Formvorteile sieht Jan Platte durchaus noch Gefahren für Man City: „Alles kann schief gehen in einem Spiel. Lass jemanden in der Verteidigung einen schlechten Tag haben und es kann dich das Finale kosten. Du brauchst sicher auch als Manchester City etwas Spielglück und viele Spieler, die sich von der Bedeutung der Partie nicht aus dem Konzept bringen lassen.“

Für Pep Guardiola ist das kein großes Problem. Im Nachklapp des Everton-Spiels sagte er: „Ich habe so ein Vertrauen in meine Spieler, das können Sie sich gar nicht vorstellen, wie groß mein Vertrauen ist.“ Eine Einstellung, die sich vor dem Finale nicht geändert hat. „Das Beste ist, ein gutes Spiel zu machen, uns treu zu bleiben und zu gewinnen. Wir müssen wir selbst sein, dann ist alles okay. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt, hier zu sein. Es ist ein Privileg. Es ist eine Ehre“, so der Katalane auf der Pressekonferenz, der im Übrigen auf sämtliche Spieler im Kader zurückgreifen kann.

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Chelsea FC: Aus dem Nichts gegen Man City zum zweiten Champions-League-Titel?

Anders als Manchester City hat Chelsea diesen Wettbewerb schon gewonnen – und einigen Fans des FC Bayern damit bleibende Narben zugefügt, die vor allem bei der Erwähnung des Namens Didier Drogba (43) wieder anfangen dürften zu schmerzen.

Dass der aktuelle Kader bald mit den Helden von 2012 in einem Atemzug genannt werden könnte, dafür sprach noch vor wenigen Monaten nicht viel. Mitte Januar unterlag Chelsea im King Power Stadium 0:2 – das Ende für Frank Lampard (42) bei seinem Herzensklub. Zu diesem Zeitpunkt stand die Mannschaft auf Platz 9 der Premier League und der allgemeine Konsens war, allein gegen Atlético weiterzukommen wäre schon ein riesiger Erfolg.

Doch mit Lampards Nachfolger gelang Roman Abramovich (54) und Sportdirektorin Marina Granovskaia (46) ein absoluter Goldgriff. Thomas Tuchel (47), der kurz zuvor bei PSG entlassen wurde, fand eine äußerst junge und wissbegierige Mannschaft vor, die für ihn wie auf den Leib geschneidert war. Wettbewerbsübergreifend blieb Tuchel in seinen ersten 15 Spielen mit Chelsea ungeschlagen, bevor es ein 2:5 gegen Absteiger West Brom setzte.

Platte: „Mit der Champions-League-Qualifikation hat Chelsea das Hauptziel erreicht“

Bemerkenswert war , dass Tuchel von Anfang an – also, auch als Chelsea nach einem 0:0 gegen die Wolves bei dessen Einstand auf Platz 10 zurückfiel – von Titeln sprach, dabei explizit die aktuelle Saison miteinbezog. Und die Mannschaft ließ sich davon anstecken. Im FA Cup und Champions League erreichte man das Finale, dazu schien ein Platz unter den ersten vier immer realistischer, je länger die Saison dauerte. Das lädt selbstredend vor allem unter den Fans zum Träumen im großem Stil ein. Double plus abermalige Champions-League-Qualifikation? Damit hätten sie auf dem Papier eine erfolgreichere Saison als 11/12 gespielt. Damals gewannen sie auch das Double, wurden aber in der Liga nur Sechster.

Copyright: Glyn Kirk/imago

Doch wer hoch fliegt, kann auch tief fallen. Im FA-Cup-Finale riss die Blues ein Knaller von Youri Tielemans (24) aus allen Double-Träumen und auch in der Premier League verloren sie sich eher auf Platz 4. Nach einem 1:2 im Villa Park war Chelsea auf Schützenhilfe von Stadtrivale Tottenham angewiesen. Der lieferte, gewann 4:2 in Leicester und schickte die Foxes damit in die Europa League. Gerade nochmal gutgegangen aus Chelsea-Sicht.

Platte: Keine Ergebniskrise bei Chelsea vor dem Duell gegen Man City

Dass die jüngsten Ergebnisse einen negativen Einfluss auf die Mannschaft haben werden, glaubt Jan Platte jedoch nicht: „Von eine Formkrise würde ich gar nicht reden, die Ergebnisse haben nicht gestimmt. Und das lag in erster Linie an der Chancenverwertung. Chelsea hätte keines der Spiele verlieren müssen, denn Möglichkeiten waren ausreichend da, aber Werner und Co. haben zu wenig aus ihnen gemacht. Dazu kommt, das N’Golo Kanté (30) gegen Aston Villa und Arsenal nicht dabei war und seine Kollegen sich die ein oder andere Unkonzentriertheit geleistet haben, die sofort bestraft wurde. Ich glaube aber nicht, dass die jüngsten Ergebnisse großen Einfluss auf das Champions-League-Finale haben werden und Chelsea jetzt verunsichert wäre.“

Der Druck liege eher bei Man City, so Platte Sie „sind seit Monaten die überragende Mannschaft in England, sind klar Meister geworden – und gehen als leichter Favorit ins Endspiel.“ Mit der Qualifikation zur Champions League hätte Chelsea das Hauptziel schon erreicht. Die Pokale wären „ein Bonus“.

Manchester City gegen Chelsea: Erhöhen die Blues auf 3:1?

Noch dazu hat Chelsea diese Saison fast nur gute Erfahrungen mit Manchester City gemacht. Zwar bekam man an der Stamford Bridge – damals unter Frank Lampard – noch den Vollwaschgang verpasst, lag schon nach 34 Minuten 0:3 zurück und verlor letztlich 1:3. Doch die nächsten beiden Spiele mit Tuchel gewann Chelsea 1:0 im FA-Cup-Halbfinale und 2:1 im Etihad. Der Schlüssel: Sie haben dem Gegner das Feld überlassen, standen defensiv sicher und blitzgefährlich gekontert. Als sie jedoch selbst das Spiel machen mussten, wie gegen Arsenal oder im verlorenen FA-Cup-Finale, hatten sie Probleme. Dass City diesen Weg geht, ist für Platte jedoch unwahrscheinlich.

„Das ist für mich nur schwer vorstellbar. Im Halbfinal-Hinspiel bei PSG gab es in Halbzeit 1 eine etwas passivere Phase der Skyblues, die ihnen nicht so gut zu Gesicht gestanden ist. Als sie nach der Pause wieder konsequenter vorne drauf gegangen sind, haben sie die Spielkontrolle übernommen und am Ende gewonnen. Wer mehr Ballbesitz haben und sich häufiger in der gegnerischen Hälfte aufhalten wird, ist kein Geheimnis.“

Wie Pep Guardiola kann auch Thomas Tuchel auf seine gesamte Kapelle zugreifen. Und wie Pep Guardiola gibt sich auch Thomas Tuchel äußerst optimistisch: „Vielleicht sind wir der kleine Außenseiter, aber wir wollen Porto mit der Trophäe verlassen.“ Und auf eine Wiederholung von 2012 ist er auch vorbereitet: „Wir trainieren immer Elfmeter vor Spielen, in denen es welche geben könnte.“ Ein „fantastisches Elfmetertraining“ will Tuchel gesehen haben. „Ich glaube nicht, dass ich so etwas schon mal gesehen habe. 20 Elfmeter in Folge, kein Fehlschuss.“

Prognose von Jan Platte

Ich lege mich nicht fest, denn ich kann mir viele Spielverläufe vorstellen. Ich freue mich auf die beiden Teams und vor allem auch auf das Trainerduell. Hochintensiv wird es auch jetzt sicher werden, gerne aber mit  ein paar Toren und wenn es dann 120 Minuten werden – ich hätte nichts dagegen!  

 

 

Mögliche Aufstellungen:

Manchester City: Ederson – Walker, Stones, Rúben Dias, Zinchenko – B. Silva, Fernandinho, Gündogan (Sterling) – Mahrez, De Bruyne, Foden

Chelsea FC: Mendy – Christensen, Thiago Silva, Rüdiger – Azpilicueta, Jorginho, Chilwell – Kanté, Mount – Havertz – Werner

Copyright: Laurence Griffiths/imago

Victor Catalina

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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