Champions League | Druckabfall per Doppelschlag: Wie der FC Bayern den FC Barcelona bezwang

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Spotlight | 2:0 bezwang der FC Bayern den FC Barcelona am 2. Spieltag dieser Champions-League-Saison. Dabei wurde vor allem deutlich, dass der FC Bayern auch effizient sein und großem Gegnerdruck standhalten kann, dafür aber noch einige Unzulänglichkeiten abstellen muss.

Bayern gegen Barcelona unter Druck – und nur selten mit Lösungen

„Am Ende ist es ein Ergebnis, das zählt“, so Lucas Hernández nach der Partie im Interview mit Cadena COPE. „Verdient es ein Team zu gewinnen, wenn sie auswärts kein Tor erzielen? Barça hat auf einem hohen Level gespielt, aber nicht getroffen – und das ist das Allerwichtigste.“

Tatsächlich war es am Dienstagabend ein Sieg der Effizienz. Effizienz, die dem FC Bayern in den vergangenen Bundesligaspielen abzugehen schien. Das Gladbach-Spiel wurde bislang hinlänglich thematisiert. An der alten Försterei stand Leroy Sané frei vor Frederik Rønnow – und vergab. Genauso wie es Serge Gnabry gegen seinen Ex-Verein VfB Stuttgart verpasste, kurz nach dem 2:1 mit dem 3:1 alles klar zu machen. So gab es jeweils nur einen Punkt.

Nun stand das Duell mit dem FC Barcelona an, der bis auf das Auftaktspiel in La Liga gegen Rayo Vallecano (0:0) alle Partien gewinnen konnte. Nicht zuletzt dank Robert Lewandowski und seinen bereits neun Toren in den ersten sechs Pflichtspielen. Wie gerne er zudem gegen Ex-Vereine trifft, kann Borussia Dortmund bezeugen.

 



 

Julian Nagelsmann war gefordert. Vor der Partie gab es im Grunde genommen zwei Kernfragen: Wer spielt neben Lucas Hernández? Und: Mit wem wird Joshua Kimmich zusammenspielen? Trotz einer sehr guten Leistung in San Siro und einem ordentlichen Auftritt gegen den VfB Stuttgart entschied er sich gegen Matthijs de Ligt und für Dayot Upamecano. Der Hintergedanke hierbei dürfte nicht nur gewesen sein, dass Upamecano schon einige Male Lewandowski verteidigen musste, sowohl in den Partien mit RB Leipzig als auch im Training. Im Vergleich zu de Ligt hat er das bessere Aufbauspiel, was elementar ist, um Barcelonas aggressives Pressing ins Leere laufen zu lassen. Besonders, da sie es darauf abgesehen hatten, Joshua Kimmich aus dem Spiel zu nehmen. Damit zur zweiten Kernfrage: Neben Kimmich agierte wieder Marcel Sabitzer, qua Fitness und Formkurve.

Der FC Bayern erwischte einen ordentlichen Start in die Partie, erarbeitete sich einige gute Umschaltsituationen. Danach aber machte Barcelona es sich in fremdem Wohnzimmer bequem und zog sein gewohntes Pressing auf. Bereits auf der Pressekonferenz betonte Xavi, man sei gekommen, um in Ballbesitz zu dominieren. Das versuchten die Katalanen schon bei der 0:3-Niederlage im Vorjahr. Damals fehlte ihnen mit einer Offensive aus Ousmane Dembélé, Memphis Depay und Sergiño Dest entscheidend der Punch, sodass die Münchener einen letztlich ungefährdeten Sieg einfahren konnten. Die bisweilen überforderte Defensive aus Jordi Alba, Clément Lenglet sowie Gerard Piqué trug ebenfalls ihren Teil dazu bei.

Mazraoui bringt die Wende – Bayern befreit sich stückweise aus der Umklammerung

Diesmal sollte sich die Angelegenheit anders gestalten. Barcelona übernahm mit Pedri, Gavi und Sergio Busquets nach gut sieben, acht Minuten komplett die Kontrolle im Mittelfeld. Die enge Ballführung, die schnellen, kurzen Pässe, die Dribblings. Auf all das bekamen Kimmich und Sabitzer in dieser Phase überhaupt keinen Zugriff. Dadurch konnte sich Barcelona immer wieder bis an den gegnerischen Strafraum vorarbeiten und dort gefährliche Situationen heraufbeschwören. Die Folge: Manuel Neuer musste nach nicht einmal neun Minuten erstmals gegen Pedri retten.

Der Rekordmeister versuchte zwar weiter, in die Umschaltsituationen zu finden. Ein ums andere Mal liefen sie ins gegnerische Pressing, weil sie sich zumeist nur mit langen Bällen zu helfen wussten, oder, wenn sich Kontersituationen ergaben, sie sie entweder, wie in den vergangenen Partien, zu unpräzise ausspielten oder zu überhastet. Barcelona presste, aber der FC Bayern bot, durch eigene Unzulänglichkeiten, (zu) viel an. Dadurch kam auch Robert Lewandowski zu drei sehr guten Möglichkeiten (14′, 18′, 21′).

Im Anschluss an Lewandowskis jüngste Gelegenheit gab es den ersten Wendepunkt der Partie für die Münchener. Noussair Mazraoui kam für den angeschlagenen Benjamin Pavard. Mit diesem Wechsel wurde Nagelsmann ein Stück weit zu seinem Glück gezwungen. Der technisch starke Marokkaner, der auch gerne mal ins Mittelfeld zieht, bot in Ballbesitz viel mehr Lösungen an und fand bessere Antworten auf Barcelonas Pressing, als noch der reine Defensivdenker Pavard. Es gelang nun, die erste Pressinglinie zu überspielen und mit wenigen Kontakten in die Zwischenräume zu kommen. Nach einer halben Stunde hatte Sabitzer aus rund 20 Metern Bayerns bis dahin vielversprechendsten Abschluss. Fünf Minuten vor der Pause nahmen sich Thomas Müller und Sadio Mané gegenseitig das 1:0 weg. Dennoch ging es für die Münchener in die richtige Richtung. Was sie nun taten, war nicht mehr nur Entlastung, sondern aktives Kreieren. Tore gab es zur Pause allerdings keine.

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Mehr Geradlinigkeit und Effizienz nach der Pause: FC Bayern bezwingt Barcelona

Dennoch musste Julian Nagelsmann etwas tun, um die noch immer vorhandene Dominanz in Barcelonas Mittelfeld endgültig zu brechen. Die Antwort ist 1,89 Meter groß, 82 Kilogramm schwer und trägt die Nummer 8 auf dem Rücken: Leon Goretzka. Mehr Physis, mehr direktes Spiel, mehr Abschlussstärke. Zwar lässt er in der Vorwärtsbewegung gerne mal Räume im defensiven Mittelfeld offen. Da der FC Bayern auf Umschaltmomente lauerte, wurde diese Schwäche nicht wirklich zum Thema. Goretzka ersetzte mit Wiederbeginn den bereits gelb vorverwarnten Marcel Sabitzer.

Eine Großchance der Katalanen mussten die Münchener noch überstehen. Raphinhas Distanzschuss ging allerdings knapp vorbei. Ohnehin war der Neuzugang von Leeds United bei Alphonso Davies bestens aufgehoben. Ab hier begann die Partie stückweise zu kippen. 50. Minute, Müller legte für Goretzka ab – Marc-André ter Stegen war erstmals an diesem Abend auch als Torhüter gefordert. Eckball. Seit jeher sind die Katalanen für genau zwei Arten von Gegentreffern anfällig: Standards und Umschaltmomente. Egal, ob Johan Cruyff, Louis van Gaal, Frank Rijkaard, Pep Guardiola, Luis Enrique oder Xavi an der Seitenlinie steht. Also, ab an den Fünfmeterraum mit dem Eckball. Marcos Alonso schlief den Schlaf des Gerechten und ließ Lucas Hernández ziehen – zack, stand es 1:0 und Barcelonas Überlegenheit vor der Pause, ihr Chancenplus war reine Makulatur. „Ich schieße normalerweise nicht viele Tore, also versuche ich die wenigen, die ich mache, so sehr wie möglich zu feiern.“ Der Torschütze drehte vor der Südkurve jubelnd ab und zeigte auf das Bayern-Wappen. Wenn es ein Bild gibt, das die bisherige Partie treffend beschreibt, dann dieses. Der Beißer Lucas Hernández belohnt die bayrische Resilienz in diesem Spiel.

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Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images

Es erinnerte ein Stück weit an Bayerns Partie gegen Borussia Mönchengladbach. Damals traf Marcus Thuram komplett entgegen des Spielverlaufs. Diesmal waren die Münchener selbst der Partycrasher. Was in letzter Konsequenz auch zeigt: Ein Angstgegner ist ein Angstgegner und bleibt ein Angstgegner.

Mit diesem Treffer kehrte all das, was Bayerns Spiel vor der Pause noch abging, wieder zurück: Selbstvertrauen, Kreativität, Physis – und vor allem: Präzision. In Minute 54 versuchte Barcelona Mazraoui mit drei Mann zu pressen. Bayerns Rechtsverteidiger steckte die Kugel einfach zwischen Pedri und Ousmane Dembélé hindurch. So hatte Jamal Musiala Raum zwischen den Ketten und konnte perfekt für Leroy Sané auflegen, der mit viel Ruhe und Übersicht an ter Stegen vorbeizog und genau im richtigen Moment den Abschluss ins lange Eck wählte. Jules Koundé rannte vergeblich hinterher. „Die Bayern brauchen nicht mal vier Minuten, um aus einem windigen 0:0 ein 2:0 zu machen“, so Kommentator Jonas Friedrich bei Amazon Prime Video Sport.

Mit diesen beiden Treffern gleich zu Beginn der zweiten Hälfte nahm Barcelonas Druck deutlich ab. Die Münchener bekamen es, platt ausgedrückt, wegverteidigt und waren selbst im Umschaltmoment gefährlich. Nach einer Stunde flog ein Distanzschuss von Jamal Musiala nur knapp am rechten Pfosten vorbei.

Zwar bot sich Pedri in Minute 63 die Großchance aufs 1:2, die am linken Pfosten landete. Dennoch zeigte gerade diese Szene, dass Barcelona nach der Pause selbst kreieren musste und sich nicht mehr auf Ungenauigkeiten des Gegners verlassen konnte.

Knackpunkt Mittelfeldpressing – Bayern am nächsten Spieltag mit goldener Chance

Die Partie plätscherte letztlich mit diesem 2:0 ins Ziel. Für den FC Bayern ist es in allen Belangen ein eminent wichtiger Sieg. Fürs eigene Gemüt nach der Remis-Serie in der Bundesliga. Sie haben bewiesen, dass sie – mit etwas Glück, Geschick und Effizienz – auch einen großen, formstarken wie druckvollen Gegner bezwingen können. Nichtsdestotrotz gilt es für Julian Nagelsmann und die Seinen aus der ersten Hälfte die richtigen Schlüsse zu ziehen und im Training vor allem aggressives Mittelfeldpressing, das in der Bundesliga nicht viele Mannschaften aufziehen, zu thematisieren und wie man es neutralisiert. Die Räume waren die ganze Zeit vorhanden, auch in der ersten Halbzeit. Durch eigene Unzulänglichkeiten kam man allerdings kaum dazu, sie zu bespielen und unnötig unter Gegnerdruck. Dass man sich aus diesem zu lösen weiß, bewies man vor allem nach der Pause.

Ein eminent wichtiger Sieg ist es auch in der Tabelle. Mit diesem 2:0 übernimmt der FC Bayern die Pole Position und hat für den kommenden Spieltag eine Ausgangssituation, wie man sie sich nicht schöner malen kann. Einerseits hat man die Tordifferenz Barcelonas von +4 auf +2 reduziert und die eigene von +2 auf +4 erhöht. Nach der Länderspielpause geht es zuhause gegen Viktoria Plzeň – und zwar schon im frühen Slot, um 18:45 Uhr. Heißt im Klartext: Der Rekordmeister kann ohne gegnerisches Zutun auf sechs Punkte davonziehen und setzt damit sowohl Inter, als auch Barcelona unter Druck. Beide spielen um 21:00 Uhr in San Siro gegeneinander und müssen sich stets der Tatsache bewusst sein, dass der Verlierer auch weiterhin sechs Punkte Rückstand hat. Im Optimalfall gibt es ein Remis und die Münchener gehen fünf Zähler vor in das Rückspiel nach Plzeň. Sollten die Münchener auch dieses gewinnen und auch das Rückspiel zwischen Barcelona und Inter remis enden, wären sie vor dem 5. Spieltag als Gruppensieger fürs Achtelfinale qualifiziert. In diesem Fall könnten sie – ganz ohne Tabellendruck – zeigen, was sie aus der Partie in München gelernt haben.

Photo by KERSTIN JOENSSON/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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