Champions League | SL Benfica: Wie Roger Schmidt einen Geheimfavoriten aufbaut

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Spotlight | 4:3 gewann SL Benfica am Dienstagabend gegen Juventus. Damit buchte die Mannschaft von Roger Schmidt gleich in seiner ersten Amtszeit das Achtelfinale – und gehört mit der aktuellen Spielweise zu den Geheimfavoriten dieser Saison.

Benfica lässt Juventus abermals auflaufen

Es war die 35. Minute, die den Abend im Estádio da Luz gut zusammenfasste: João Mário servierte von rechts einen Ball an den kurzen Pfosten, der einerseits extrem viel Schnitt hatte, aber trotzdem perfekt auf den Punkt bei Rafa Silva ankam. Der portugiesische Nationalspieler versenkte mit der Hacke zum zwischenzeitlichen 3:1.

Spätestens mit dieser Aktion war die Partie endgültig entschieden. Benfica hätte bereits ein Punkt gereicht. Nun stand fest, dass es – wie im Hinspiel – deren drei werden. Weil sie gedankenschneller waren, technischer, mit 54 Prozent Zweikampfquote auch giftiger und einem trägen Juventus abermals den Schneid abkauften.

 



 

Es war das 20. Pflichtspiel für Benfica seit der Amtsübernahme von Roger Schmidt im Sommer – und der 16. Sieg. Damit qualifizierte sich der portugiesische Rekordmeister – erstmals seit 2015/16 und 2016/17 – in zwei aufeinanderfolgenden Saisons für das Achtelfinale der Champions League. Ganze acht Zähler Vorsprung haben sie vor dem letzten Spieltag auf Juventus. In der Liga vergrößerte man den Abstand auf Porto im direkten Duell vergangenen Freitag auf sechs Punkte. Das, obwohl Benfica im Sommer Darwin Núñez abgab, vergangene Saison mit 26 Treffern Toptorjäger, vor Mehdi Taremi (20) und Ricardo Horta (19). Auch Julian Weigl verließ den Klub und zog gen Mönchengladbach weiter.

Während man den Abgang von Núñez mit Gonçalo Ramos intern auffing, sollte Weigls Nachfolger mit Enzo Fernández ein absoluter Volltreffer werden: Wie Weigl verfügt auch er über ein äußerst sauberes Passspiel, spielt mit 93,7 Pässen im Schnitt die meisten in den sechs europäischen Topligen, vor Marco Verratti (89,6) und Manchester Citys Rodri (82). Aber nicht nur kurz, sondern auch tief – oder, wie vor dem 1:0, als Flanke. Antonio Silva musste nur noch einköpfen.

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Benfica: Spektakulär, aber wenn es sein muss auch abgezockt

Zwar bewies Benfica über weite Strecken der Partie, dass sie mit dem für Roger Schmidt typischen laufintensiven Spiel die Heimstimmung, das Inferno da Luz, weiter befeuern können, wodurch die zwischenzeitliche 4:1-Führung entstand. Was allerdings genauso wichtig ist, ist die Ruhe in den Situationen, die gegen das eigene Team laufen. So brauchte Benfica lediglich sieben Minuten, bis sie auf den Ausgleich Moise Keans antworteten. Auch nach dem vierten Treffer ließ man eigentlich kaum etwas zu. Dass es letztlich nochmal spannend wurde, war nicht etwa einer Druckphase Juventus‘ geschuldet, sondern vielmehr zwei genialen individuellen Momenten des eingewechselten Samuel Iling-Junior, der sich links durchsetzte und einmal für Arkadiusz Milik servierte und mit seiner zweiten Hereingabe genug Chaos erzeugte, sodass Weston McKennie abstauben konnte.

Auch bei den beiden 1:1-Remis gegen Paris Saint-Germain ließ Benfica die Offensive um Lionel Messi, Neymar sowie Kylian Mbappé kaum ins Rollen kommen. Beide Male antwortete man auf den Rückstand noch mit dem Ausgleich. Genau diese Ruhe und Abgezocktheit ist der große Unterschied zur vergangenen Königsklassensaison, als man zwar ins Viertelfinale einzog, allerdings gegen den FC Bayern (0:4) mit vier Gegentoren binnen 14 Minuten spät auseinanderfiel oder auch dem Liverpool FC (1:3, 3:3) ein ums andere Mal ins offene Messer lief.

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Photo by Octavio Passos/Getty Images

Roger Schmidt hat eine talentierte Mannschaft vor sich, aus der er, im 4-2-3-1, momentan das Optimum herausholt. Gleichzeitig ist es, mit lediglich einem Wechsel in der Startelf nach fünf Partien, auch eine extrem eingespielte Mannschaft. Das Gerüst aus den Erfahrenen Nicolás Otamendi, Alejandro Grimaldo, João Mário und Rafa Silva trägt die Mannschaft, hilft aber gleichzeitig auch, Neuzugänge wie Alexander Bah oder Fredrik Aursnes zu integrieren.

Ein Spiel steht für Benfica in dieser Gruppenphase noch an, auswärts in Haifa. Sollte PSG parallel in Turin patzen, wäre sogar der Gruppensieg möglich. Aber schon allein die Tatsache, dass Benfica nicht etwa abgeschlagen Gruppenzweiter geworden ist, sondern mit PSG mithält, sollte zeigen, dass man sie für die K.O.-Runde definitiv auf dem Zettel haben muss. Roger Schmidts Start in Lissabon ist mehr als geglückt. Jetzt gilt es, darauf weiter aufzubauen.

Photo by PATRICIA DE MELO MOREIRA/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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