Champions League | Leidenschaftlich und abgezockt: Wie Eintracht Frankfurt ins Achtelfinale stürmte

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Spotlight | 2:1 setzte sich Eintracht Frankfurt am Dienstagabend des 6. Champions-League-Spieltags bei Sporting CP durch und buchte das Achtelfinalticket. Nach der Partie standen bei der Eintracht besonders ein Wechsel und die Weiterentwicklung des Teams im Vordergrund.

Der „fatale Schlag“ bringt Sporting vom Kurs ab

„Golpe fatal„, „ein fataler Schlag“, titelte die portugiesische Sportzeitung A Bola am gestrigen Mittwochmorgen. Gerade war Sporting CP, vergangene Saison noch Achtelfinalteilnehmer, nach einer 1:2-Heimniederlage aus der Champions League ausgeschieden.

Gemeint war die Elfmeterentscheidung Slavko Vinčićs, die Daichi Kamada und der Eintracht zum zwischenzeitlichen 1:1 verhalf. Kapitän Sebastián Coates bekam den Ball im Zweikampf mit Frankfurts Spielmacher im Bewegungsablauf an den ausgefahrenen Arm. Absicht kann man dem Uruguayer nicht wirklich unterstellen. Hundertprozentig falsch ist die Entscheidung allerdings auch nicht. Ein klassischer Kann-Elfmeter. Bis dahin führten Os leões, die Löwen und standen, dank Schützenhilfe aus Marseille, dort, wo sie auch über die ersten drei Spieltage waren: An der Tabellenspitze.

 



 

Natürlich ist der Abstieg in die Europa League aus Sporting-Sicht maximal bitter. In den ersten beiden Partien bezwang man Eintracht Frankfurt auswärts 3:0 und Tottenham zuhause durch einen späten Doppelschlag 2:0. Auswärts rang man den Engländern am 5. Spieltag ein 1:1 ab und holte sich so den direkten Vergleich. Was letztlich das Weiterkommen kostete, waren die beiden Niederlagen gegen Marseille (1:4, 0:2). Auch vor der Pause gegen Eintracht Frankfurt ließ Sporting wenig zu, verteidigte im 3-4-3 resolut. In Minute 12 flipperte die Kugel durch ihren Strafraum, aber eben nicht hinter die Linie.

Dafür überzeugte die Mannschaft von Rúben Amorim vor allem mit Marcus Edwards, Paulinho sowie Arthur Gomes durch technische Stärke, Ballsicherheit und gelungenes Pressing. So gesehen in Minute 39, als sie auf der rechten Seite einen Angriff scharf hielten, Djibril Sow eine Flanke von Manuel Ugarte noch leicht abfälschte und Arthur Gomes mit dem ersten Kontakt durch Kevin Trapp hindurch zum 1:0-Pausenstand vollendete.

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Rode und Knauff: Frankfurts Schlüssel zum Achtelfinale

Da Olympique Marseille zeitgleich 1:0 gegen Tottenham führte, war die Eintracht zu diesem Zeitpunkt komplett aus Europa eliminiert. „Die erste Halbzeit war nicht gut“, resümierte Oliver Glasner nach der Partie bei DAZN. „Ich habe den Jungs in der Halbzeit gesagt, wir müssen mit Überzeugung spielen“. Um das auch auf dem Platz deutlich zu machen, kam Sebastian Rode zur Pause für einen der formstärksten Frankfurter der letzten Wochen: Jesper Lindstrøm.

Es war die Einwechslung, die letztlich das Spiel entschied. Rode brachte genau jene Aggressivität ins Frankfurter Spiel, die ihm in der ersten Hälfte noch abging. Die Eintracht agierte nun noch direkter, noch druckvoller – und belohnten sich durch den Elfmeter von Daichi Kamada. Mit Ansgar Knauff für den eher blassen Junior Dina Ebimbe bekamen die Frankfurter auch die nötige Durchschlagskraft. Gut zehn Minuten nach dem Ausgleich leitete die BVB-Leihgabe sehenswert wie gekonnt mit dem ersten Kontakt aus der Luft perfekt in den Lauf von Randal Kolo Muani, der sich gegen Gonçalo Inácio durchsetzte und aus spitzem Winkel zum 2:1 traf. Seine ersten beiden Champions-League-Tore waren somit jeweils Siegtreffer.

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Photo by Gualter Fatia/Getty Images

Nachdem sich die erste Euphoriewelle über den Achtelfinaleinzug gelegt hatte, stand bei der Eintracht ein anderes Thema im Vordergrund: Die Entwicklung des Teams. „Wir sind als Mannschaft gewachsen und gefestigter geworden. Wenn man sieht, wie wir heute mit dem Rückstand umgegangen sind und wie wir im Hinspiel mit dem Rückstand umgegangen sind (0:3, Anm. d. Red.), dann ist das schon ein großer Unterschied. Wir waren viel erwachsener, viel ruhiger“, so Kevin Trapp im Kicker.

Besonders zeigte sich das in den beiden engen Partien gegen Olympique Marseille. Nach den Niederlagen gegen Sporting und bei Tottenham (2:3) waren es genau jene Siege, die die Eintracht maßgeblich auf Achtelfinalkurs brachten. Besonders in einer dermaßen ausgeglichenen Gruppe, ohne klare Außenseiter wie Viktoria Plzeň, den FC Kopenhagen oder Maccabi Haifa ist es umso wichtiger, jene Abgezocktheit in den entscheidenden Momenten an den Tag zu legen und druckvoll agieren zu können, ohne dabei die Grenze zum Leichtsinn zu überschreiten – wie beispielsweise Marseille, die gegen Tottenham auf das 2:1 drückten, sich in Minute 95 stattdessen den endgültigen Knockout einfingen und dadurch Gruppenletzter wurden.

Gleichzeitig wurde Frankfurt schrittweise an das Niveau herangeführt, das sie ab dem Achtelfinale erwarten wird. SSC Napoli, FC Porto, Chelsea FC, Real Madrid, Manchester City oder SL Benfica heißen die möglichen Gegner. Behalten sie genau die Attribute bei, die sie am Dienstagabend zum Sieg geführt haben, ist der Eintracht auch in der K.O.-Runde noch viel zuzutrauen.

Photo by CARLOS COSTA/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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