FC Bayern vs. Paris Saint-Germain: Finalneuauflage mit Personalproblemen

Vorschau

Vorschau | Es ist die Neuauflage des letztjährigen Champions-League-Endspiels: FC Bayern gegen Paris Saint-Germain. Doch während im August beide Mannschaften mit mehr oder minder voller Kapelle antreten konnten, wird diese Begegnung auf beiden Seiten von großen Personalproblemen überschattet. 

Anpfiff der Partie ist am Mittwoch, 21:00 Uhr, Live bei Sky.

  • FC Bayern: Ohne Lewandowski und Gnabry wird das Viertelfinale zum Charaktertest – Goretzka als Schlüssel zum Weiterkommen?
  • Paris Saint-Germain: Viele Verletzungen, viele Platzverweise, Tabellenführung eingebüßt – die Pariser Konstanz ist Inkonstanz
  • Johnson: PSG wird in Frankreich noch immer als Außenseiter gesehen

  Vor dem Spiel haben wir uns mit Jonathan Johnson (Frankreich-Korrespondent für CBS) unterhalten.

 

FC Bayern München: Der Erhalt der Siegesserie wird zum Charaktertest

Wirklich „Bayern-like“ war der Auftritt in Leipzig nicht. Zumindest nicht von der spielerischen Note. In Abwesenheit des verletzten Robert Lewandowski (32/Bänderdehnung im Knie), der laut neuesten Berichten der Bild am 19. April sein Comeback geben könnte, entschied sich Hansi Flick (56) für eine konservative Herangehensweise. Der FC Bayern überließ RB das Gros an Ballbesitz, konzentrierte sich darauf, defensiv sicher zu stehen und die Leipziger, die punktetechnisch unter Zugzwang waren, mit schnellen Gegenstößen auszuhebeln. In Minute 38 brachte Leon Goretzka (26) einen solchen im RB-Tor unter, es war der einzige Treffer dieser Partie.    

 

 

 

Dass das abwartende Spiel auch zum Münchener Repertoire gehört, bewiesen sie schon vor der Länderspielpause beim 4:0 gegen Stuttgart. Der VfB verzeichnete – nicht zuletzt qua Überzahl – 58 Prozent Ballbesitz in der Allianz Arena. Es waren die Triumphe sechs und sieben am Stück. Wenn es nach Benjamin Pavard (25) geht, nicht die letzten: „Wir sind ganz ruhig, haben zwei Spiele vor uns und wollen zwei Siege einfahren“, so Bayerns Rechtsverteidiger auf der Pressekonferenz.

Dieses Unterfangen könnte sich allerdings schwieriger gestalten, als ohnehin schon. Denn neben Lewandowski wird nun auch Serge Gnabry (25) auszufallen. Eigentlich war für ihn die Rolle als falsche Neun, analog zur Nationalmannschaft, angedacht. Doch am Vortag des Spiels klagte Gnabry über Halsschmerzen. Ein erster Antigentest fiel positiv aus. Um endgültig Gewissheit zu erlangen, ob es sich um COVID-19 handelt, wurde auch ein PCR-Test ausgeführt. Da auch dieser ein positives Ergebnis beinhaltete, muss der Rekordmeister nicht nur im Hin-, sondern mit Sicherheit auch am 13. April beim Rückspiel im Pariser Prinzenpark auf Gnabry verzichten. Gestern Nachmittag bestätigten die Münchener Gnabrys Ausfall in einer Pressemitteilung. Wenn auch Robert Lewandowski kein verfrühtes Comeback gelingt, so ist diese Neuauflage des Vorjahresendspiels mehr denn je ein Charaktertest. Denn stand jetzt fallen mit Lewandowski und Gnabry 24 der 43 Champions-League-Tore der Vorsaison aus.

Bayerns Schlüssel gegen PSG heißt Leon Goretzka

Damit ist sehr wahrscheinlich, dass am Mittwochabend dieselbe Elf auf dem Platz stehen wird, wie schon beim 1:0-Sieg in Leipzig. Eric Maxim Choupo-Moting (32), der im Sommer ablösefrei aus Paris kam, würde erneut Robert Lewandowski vertreten. Kingsley Coman (24) und Leroy Sané (25) wären auf den Flügeln gesetzt, genauso wie Lucas Hernández (25) auf der linken Außenverteidigerposition. Alphonso Davies (20), der nach seiner roten Karte gegen den VfB auch noch das Spiel gegen Union Berlin verpassen wird, würde in diesem Fall – zusammen mit Jamal Musiala (18) – als offensive Verstärkung gebraucht werden.

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Spielerisch wird der Rekordmeister wohl an die konservativen Auftritte gegen Stuttgart und in Leipzig anknüpfen. Umso mehr wird es deshalb auf das Mittelfeld mit Joshua Kimmich (26), Thomas Müller (31) und Leon Goretzka ankommen. Besonders letzterer hat sich seit dem Amtsantritt von Hansi Flick enorm gesteigert. Physisch, ja, aber vor allem auch am Ball und spielerisch, beziehungsweise spieltaktisch. Er ist nicht nur in der Lage, wie vor dem 2:1 gegen den 1. FC Köln, mit seinem bulligen Körper durch das Mittelfeld zu pflügen und im perfekten Moment für Lewandowski aufzulegen. Goretzka verfügt auch über eine enorme Spielintelligenz, vor allem, was seine Tiefenläufe in den Strafraum angeht. Dadurch ist er für gegnerische Abwehrreihen nur schwer zu lesen. Das Ganze, gepaart mit einer äußerst sauberen Abschlusstechnik und defensiver Stabilität, machen ihn für den FC Bayern mittlerweile unverzichtbar.  

 

 

 

Hainer: Goretzkas Aussage „hat mich sehr gefreut“ – Nächster Schritt zum neuen Vertrag?

Es verwundert daher nicht, dass der Verein gerne langfristig mit Goretzka verlängern möchte. Am Samstagabend signalisierte Goretzka im aktuellen Sportstudio dahingehend Bereitschaft, seine Tendenz gehe klar zu Bayern. Das wurde auch von Präsident Herbert Hainer (66) positiv vernommen: „Diese Aussage hat mich gefreut. Sie belegt, dass es Leon unheimlich gut beim FC Bayern gefällt“. Goretzka sei „ein kluger Kerl, der sieht, dass er beim FC Bayern den nächsten Schritt gemacht hat.“

Am Mittwochabend könnte Leon Goretzka seinem Verein zum nächsten Schritt verhelfen, nämlich in Abwesenheit von Lewandowski, Gnabry, Douglas Costa (30/Haarriss im Mittelfuß), Corentin Tolisso (26/Sehnenriss im Oberschenkel) und Marc Roca (24) der Titelverteidigung in der Champions League ein Stück näher zu kommen.

Paris Saint-Germain: Platzverweise, Niederlagen, COVID-19 – Inkonstanz als einzige Konstanz

Es ist eine Saison mit einigen Höhen, aber vor allem vielen Tiefen für PSG. Gleich zu Beginn der Ligue-1-Saison mussten sie eine ganze Reihe an COVID-19-Fällen wegstecken, was auch dazu führte, dass sie die ersten beiden Spiele verloren und daher das Feld von hinten aufrollen mussten. Das allerdings war nur die Spitze des Eiffelturms. Im weiteren Verlauf der Spielzeit handelte man sich immer wieder leichtfertig Platzverweise ein, was in Tateinheit mit Niederlagen in Lens (0:1), gegen Marseille (0:1), Manchester United (1:2) oder in Monaco (2:3) darin gipfelte, dass Thomas Tuchel (47) seine Entlassungspapiere unter dem Weihnachtsbaum fand.

Seit dem Amtsantritt von Nachfolger Mauricio Pochettino (49) wurde zumindest die latente Lust zur zahlenmäßigen Selbstkasteiung behoben. Allerdings tendiert die Mannschaft noch immer dazu, die Großwetterlage mit fragwürdigen Ergebnissen wie in Lorient (2:3) oder gegen Nantes (1:2) zu verhageln. Auch am vergangenen Wochenende setzte es im Spitzenduell gegen OSC Lille eine 0:1-Heimpleite, wodurch der Serienmeister seinen Platz an der Tabellenspitze eingebüßt hat und nun drei Zähler hinter den Lillois steht.

Johnson: „PSG in Frankreich noch immer der Außenseiter“

So souverän wie ihr kommender Gegner sind sie diesmal in der Liga nicht. Doch was sie mit dem FC Bayern eint, ist der Ausfall von Schlüsselspielern. Juan Bernat (28) zog sich gleich zu Beginn der Saison einen Kreuzbandriss zu, Mauro Icardi (28) laboriert an Oberschenkelproblemen, Alessandro Florenzi (30) wurde positiv auf COVID-19 getestet, genau wie Marco Verratti (28). Leandro Paredes (26) fehlt aufgrund einer Gelbsperre.

Bildquelle: imago

Daher meint auch Jonathan Johnson, dass sich vor allem durch die Diagnose von Mittelfeldstratege Verratti ein möglicher positiver Boost, der sich aufgrund des Fehlens von Robert Lewandowski hätte ergeben können, schnell ausgeglichen ist. „Lewandowski ist natürlich ein großer Verlust für den FC Bayern. Aber sie sind unter Umständen besser aufgestellt, um diesen aufzufangen, als PSG mit Verratti. Der Grundtenor in Frankreich sieht PSG noch immer stark als Außenseiter, vor allem nach den Ergebnissen des vergangenen Wochenendes.“

Paredes, Verratti, Florenzi: Pariser Personalpuzzle für Pochettino

Nebenmann Leandro Paredes sei zwar unter Pochettino gesetzt, so Johnson. „Aber er ist inkonstant und bei weitem nicht so kreativ wie Verratti. Beide nun zu verlieren, ist natürlich ein Problem. Jetzt ist umso mehr die Kreativität von Ángel Di María (33) und Neymar (29) gefragt. Jemand wie Julian Draxler (27) könnte hier sehr nützlich werden. Aber auch er ist unzuverlässig. Also, für wen auch immer sich Pochettino entscheidet, es wird ein Risiko.“ Berichten zufolge werden Idrissa Gueye (31) und Danilo Pereira (29) am Mittwochabend in der Startelf stehen. Beide sind eher Abräumer, denn Feingeister.

Und als ob das nicht schon genug Probleme wären, gilt es auch noch den Ausfall von Rechtsverteidiger Alessandro Florenzi zu kompensieren. Vor allem eingedenk der Tatsache, dass der FC Bayern in Abwesenheit von Robert Lewandowski und Serge Gnabry umso mehr das eigene Flügelspiel forcieren wird.

„Die Defensive ist eine große Sorge für PSG. Abdou Diallo (24) sollte als Linksverteidiger etwas Stabilität bringen, aber der Ausfall von Florenzi auf rechts ist ein großes Problem. Um dem entgegenzuwirken, könnte Pochettino entweder jemand Neues auf der Position ausprobieren oder Colin Dagba (22), beziehungsweise Thilo Kehrer (24) dort aufstellen. Und keiner der beiden war bisher sonderlich überzeugend. Eine weitere Möglichkeit wäre, die defensive Struktur zu verändern und mit Marquinhos (26), Presnel Kimpembe (25) und Diallo in einer Dreierkette und Danilo Pereira davor spielen zu lassen.“

Die Ausfälle hätten für PSG wohl zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Das trifft auf den FC Bayern allerdings genauso zu. So wird eine eigentlich hochansprechende Begegnung aufgrund von Personalproblemen überschattet. Es bleibt zu sehen, wer damit besser umgehen kann.

Prognose von Jonathan Johnson:

Ich glaube, dass PSG ein überraschendes Unentschieden in Deutschland holen und Bayern in Paris schlagen wird, um das Halbfinale zu erreichen. Allerdings bin ich überzeugt, dass es eine sehr enge Angelegenheit werden wird, bei der es sogar bis in die Verlängerung gehen könnte.  

 

 

 

Mögliche Aufstellungen:

FC Bayern München: Neuer – Pavard, Süle, Alaba, Davies – Kimmich, Goretzka – L. Sané, T. Müller, Coman – Choupo-Moting

Paris Saint-Germain: Navas – Kehrer, Marquinhos, Kimpembe, Diallo – Gueye, Danilo Pereira – Kean, Di María, Neymar – Mbappé

Bildquelle: imago

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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