90 Minuten mit Kylian Mbappé: An ihm lag es nicht

Kylian Mbappé jubelt mit ausgestrecktem Zeigefinger
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Spotlight | Wie kein anderer stand er bei der Partie zwischen Real Madrid und PSG im Scheinwerferlicht. Wir haben uns die Leistung von Kylian Mbappé über 90 Minuten mal genauer angeschaut.

Dass viel über Kylian Mbappé gesprochen wird, ist keine Besonderheit. Immerhin zählt der junge Franzose schon jetzt zu den größten Fußballstars des Planeten und sticht selbst im Starensemble von PSG in dieser Spielzeit mit starken Leistungen noch einmal besonders heraus. Doch als klar war, dass sein verein im Achtelfinale der Champions League auf Real Madrid treffen würde, dürften die Suchanfragen noch einmal nach oben geschossen sein. Denn der Vertrag des Stürmers läuft in Paris im Sommer aus und seit Monaten wird darüber spekuliert, dass ein Wechsle zu den Königlichen nach Madrid folgen könnte.

Schon im Hinspiel wurde also zumindest hinter vorgehaltener Hand spekuliert, wie sich der Franzose gegen seinen potentiellen, neuen Arbeitgeber schlagen würde. Die Antwort war eindrücklich. Mbappé spielte stark auf, beschäftigte die gesamte Defensive von Real konstant und erzielte dann spät den verdienten Siegtreffer. Rücksicht auf seine kommenden Mitspieler konnte man in keiner Minute des Spiels beobachten.

Trotz des Hinspielsieges schied Paris am Ende in Madrid aus, verlor 1:3. Doch wie schlug sich der Goalgetter denn nun beim schmachvollen Aus im Bernabeu? Nach einer sehr ausführlichen Einzelanalyse des Auftritts von Mbappé, so viel kann man verraten, steht fest: An ihm lag es nicht. Die komplette Werkschau des Superstars gibt es hier.

Kylian Mbappé in der ersten Halbzeit: Die große Gefahrenquelle

Vor Anpfiff dehnte sich der Shootingstar auf den Treppen des Bernabeu noch einmal ausführlich. Und sorgte direkt für die erste, wichtige Nachricht was seine Person angeht: Er lief auf. Zuvor war spekuliert wurden, ob er nach einer Trainingsverletzung am Montag das Spiel verpassen könnte. Zum Glück für Paris und den Autoren, der diesen Text schon länger geplant hatte, war dies aber nicht der Fall.

1. Minute. Etwas überraschend sortierte sich der Angreifer direkt bei Anpfiff erst einmal auf der linken Seite des Trio Infernale, bestehend aus seiner eigenen Person, Messi und Neymar, ein. Die klassische Mittelstürmerposition übernahm augenscheinlich erst einmal der Brasilianer. Beschwerden waren allerdings von niemandem zu vernehmen.

3. Minute. Ein erster langer Ball schickte den sprintstarken Youngster in die Tiefe, doch die erste Tempoverschärfung blieb ergebnislos, der Ball landete bei Courtois, bevor Mbappé ihn erreichen konnte.

4. Minute. Nach dem zweiten, gescheiterten Versuch die Abwehrkette der Königlichen zu überspielen, um unseren Hauptprotagonisten in Szene zu setzen, ist eine erste Geste des Frustes zu sehen. Verärgert schlägt Mbappé die Hände zusammen, das ging schnell.

5. Minute. Der Franzose zeigt sein erstes Tempodribbling und geht in hoher Geschwindigkeit auf Carvajal los, dem kurzzeitig die pure Angst in den Augen anzusehen ist. Dennoch bleibt der Spanier am Ende Sieger dieses Duelles, welches wir in den folgenden Minuten sicherlich noch ein paar Mal beobachten werden dürfen.

8. Minute. Erster Abschluss für Mbappé. Messi schaltet nach einem Ballgewinn am eigenen Sechzehner schnell um, spielt Neymar an, der schickt den Franzosen auf der linken Seite. Manchmal scheint diese Aneinanderreihung von Superstar-Namen immer noch absurd. Nach ein paar schneidigen Übersteigern zieht die Nummer 7 außen an ihm vorbei in den Strafraum und schließt aus spitzem Winkel ab. Zu mittig, Courtois hält den Ball. Mbappé atmet tief durch.

10. Minute. Das Bernabeu pfeift den Superstar aus, als dieser den Ball auf seiner linken Seite führt. Vorfreude auf den Transfer kann man da noch nicht wirklich raushören, aber es sind ja noch ein paar Monate.

13. Minute. Das hätte es sein können, wird der geneigte Fußballexperte bei Mbappés nächster Szene festgestellt haben. Plötzlich öffnet sich der Raum für den Stürmer, wieder kann er halblinks in den 16er stoßen, hat aber mehr Platz als bei seinem ersten Abschlussversuch. Dennoch wiederholt er den Fehler aus der 8. Minute und zielt wieder auf den Torwart, nicht ins Tor.

17. Minute. Pass von Nuno Mendes, Ballannahme, ein schneller Blick, Ballverlust. Noch wollen die ganz großen Kunststücke nicht gelingen. Dennoch kann man nach rund einer Viertelstunde festhalten: Mbappé, mit zwei Torabschlüssen, strahlt konstant Gefahr aus. Es gibt sicherlich angenehmeres an einem Mittwochabend als diesen jungen Herren zu verteidigen.

22. Minute. Neymar schießt auf das Tor von Real Madrid, Courtois hält. Warum diese Szene trotzdem in diesem Leistungsnachweis Erwähnung findet? Weil Mbappé mit einem schnellen Doppelpass seinen brasilianischen Kollegen in Szene setzte.

25. Minute. Real Madrid macht Druck. Erst verzieht Benzema aus rund sechzehn Metern nur knapp, dann kann Carvajal in den Strafraum eindringen. Mbappé ist bei dieser Szene am eigenen 16er zu finden, schaut angestrengt zu und hat vielleicht wirklich einige Kräfte, von denen wir noch nichts wissen. Denn der Angriff bleibt ohne ertrag für die Königlichen.

27. Minute. David Alaba liegt verletzt am Boden, Mbappé spielt den Ball vorbildlich ins Aus. Eventuell ein Versuch, die Pfiffe des Madrider Publikums verstummen zu lassen, aber ein hehrer.

29. Minute. Mittlerweile hat sich der Offensivmann dann doch auf der erwarteten Mittelstürmerposition eingefunden, Neymar die linke Seite übernommen.

34. Minute. Und da ist es passiert. Oder nicht? Mbappé wird vom durchgestarteten Nuno Mendes am Fünfer in Szene gesetzt und fackelt nicht lange. Mit ordentlich Gewalt im Schuss wird der Ball an den Innenpfosten der kurzen Ecke gesetzt, von dort geht der Ball ins Tor, es folgt der bekannte Jubel mit den verschränkten Armen. Doch diese werden schnell zu hängenden Schultern, als der Abseitspfiff erklingt. Mendes war zuvor tatsächlich einige Zentimeter zu dicht am gegnerischen Torwart, das Tor wird zurecht nicht gegeben.

Kylian Mbappé jubelt mit ausgebreiteten Armen

Photo by JAVIER SORIANO/AFP via Getty Images

39. Minute. Jetzt aber. Mbappé erzielt das erste Tor des Abends und dieses Mal gibt es nichts zu beanstanden. Ein Ballgewinn, ein schneller Ball von Neymar über die herausrückende Abwehr von Real und der Franzose kann mit Tempo auf den 16er und David Alaba zu gehen. Dieser entscheidet sich, den Weg in die lange Ecke zu blockieren, hat wohl auch mal etwas von Torwartecke gehört. Unseren Main Character interessiert das herzlich wenig. Humorlos wird der Ball im kurzen Eck und zeitgleich im Herzen der spanischen Hauptstadt zum 0:1 versenkt. Gejubelt wird ausführlich, die Beziehung zu den Fans vor Ort wird wohl tatsächlich an diesem Abend nicht mehr zu kitten sein.

45. Minute. Mbappé deutet ein Dribbling gegen Carvajal an, dreht den ab und spielt einen No-Look-Pass zurück. Dani Carvajal dürfte mittlerweile sicher einer der wenigen Menschen auf der Welt sein, die sich nicht freuen würden, wenn er bei FIFA Ultimate Team eine Karte des französischen Stürmers ziehen würde, der sich zur Aufgabe gemacht haben scheint, den Rechtsverteidiger seelisch zu brechen.

45+2. Minute. Kurz vor Halbzeitpfiff kommt der Stürmer noch einmal zu einem Kopfball aus kurzer Distanz, wird dabei aber arg bedrängt. Der Abschluss gerät ungefährlich, dann ist die erste Hälfte der Partie vorbei. Eine besondere Halbzeit eines besonderen Spielers, der dann etwas ganz Normales tut. Er geht in die Kabine.

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2. Halbzeit: An Mbappé liegts nicht

46. Minute. Die nächste, leichte Aufgabe ist absolviert. Mbappé hat den Platz pünktlich zur zweiten Halbzeit wieder betreten.

51. Minute. Neymar wird von Eder Militao gefoult, Mbappé hat das Ganze gut beobachten können und fordert eine gelbe Karte für den Verteidiger. Nicht so wirklich die feine Art, der Schiedsrichter ignoriert es einfach. „Fordern ist gelb“ wurde dem Autoren früher in der Kreisliga des Öfteren vermittelt, in der Königsklasse gilt dies bisweilen nicht.

54. Minute. Das dritte Mal bugsiert der Franzose den Ball an Courtois vorbei ins Tor, wieder ist es allerdings Abseits. Dennoch sei einmal erwähnt, dass der Angreifer nach einem Pass von Neymar den Schlussmann von Real Madrid mit beeindruckender Leichtigkeit ins Leere laufen ließ. Gebracht hat es nichts, aber schön sah es aus.

56. Minute. Mbappé liegt am Boden. Nach einem Zweikampf mit David Alaba fällt der Superstar enorm unglücklich, verletzt sich augenscheinlich beim Aufprall am Kopf. Gepfiffen wird im Bernabeu trotzdem. Entweder die Tinte auf dem Vorvertrag ist schon trocken oder man baut in Madrid darauf, dass selbst wütende Fans und ein Last-Minute-Angebot von PSG mit einem Jahresgehalt. von zwölf Milliarden Euro den Wechsel des Stürmers in die spanische Hauptstadt nicht mehr verhindern können. Zwei Minuten später steht Mbappé dann wieder.

60. Minute. Carvajal holt sich zusätzlich zum nachhaltigen Trauma noch eine gelbe Karte ab. Mit einem rabiaten Body-Check stoppt der Madrilene den Sprint des Goalgetters, der ihm sonst wohl schon wieder entwischt wäre.

61. Minute. Karim Benzema erzielt das 1:1, Mbappé ist leider weder beim Treffer noch beim vorausgehenden Torwartfehler von Gianluigi Donnarumma im Bild zu sehen. Vermutet werden kann, dass er sich geärgert hat.

67. Minute. Real Madrid hat nach dem Ausgleichstor das Heft des Handelns in die Hand genommen, was bedeutet, dass man Mbappé meist nur noch kurz am rechten Bildrand auftauchen sieht. Der Stürmer ist nicht für die Defensivarbeit zuständig, sondern wartet in vorderster Front auf den einen Umschaltmoment, der das Spiel erneut in Richtung der Pariser kippen lassen könnte. Clever.

Mbappé im Zweikampf mit Militao

Photo by David Ramos/Getty Images

71. Minute. Vielleicht steckt auch ein wenig Selbstschutz dahinter, dass der Franzose sich nicht sonderlich an der Defensivschlacht seiner Mannschaft beteiligt. Etwas tiefer in der eigenen Hälfte kommt es prompt zum Ballverlust des Superstars, der final zu einer sehr guten Torchance für Vinicius Junior führt. Der schießt den Ball aber dankenswerterweise in Richtung des Stadiondaches.

76. Minute. Karim Benzema trifft erneut und damit einmal mehr als sein Nationalmannschaftskollege am heutigen Abend. Dieses Mal ist uns im Anschluss sogar ein Close-Up auf den, sehr sparsam schauenden Kylian Mbappé vergönnt. Seine zwei Treffer haben zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gereicht.

78. Minute. Karim Benzema trifft erneut. Ja. Das ist kein Wiederholungsfehler, sondern ein sehr starker Auftritt des Real-Stürmers. Ansatzlos nutzt dieser einen Fehlpass von Marquinhos. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie Mbappé jetzt schaut. noch kann ein Treffer der Franzosen das Spiel in die Verlängerung bringen. Aber an seiner Stelle wäre ich ja schon gerade sauer.

82. Minute. Eine kleine Randnotiz: Carlo Ancelotti hat noch nicht einmal seinen Gesichtsausdruck verändert.

87. Minute. Mbappé wartet und wartet auf den einen langen Ball, auf die eine Gelegenheit. Blöderweise deutet sich ein solcher Moment gerade nicht unbedingt an, Real Madrid hat das geschehen fest im Griff. Doch dann ein Sprint, Vazquez greift zu und kassiert die gelbe Karte. Vor der Ausführung des Freistoßes wird Julian Draxler eingewechselt. Der Freistoß endet im Nichts, der Wechsel kann noch nicht abschließend bewertet werden.

90+3. Minute. Der Stürmerstar schnibbelt einen Ball mit dem Außenrist in den Lauf von Di Maria, der vertendelt den Ball kläglich. Dreißig Sekunden später geht Mbappé ins Laufduell gegen Militao, wird abgedrängt und der Ball landet im Toraus. Die Uhr läuft erbarmungslos nach unten.

90+4. Minute. Das Spiel ist aus, die Karriere von Mauricio Pochettino bei PSG mutmaßlich ebenso. Die Pariser scheiden im Bernabeu völlig ohne Not aus und verständlicherweise zeigt sich auch Kylian Mbappé nach Abpfiff reichlich bedient. Im Sommer läuft sein Vertrag bei Paris aus, mit dem gewünschten Titel kann er sich nun nicht mehr verabschieden. Die große Frage, die jetzt nicht nur über ihm sondern auch über vielen anderen Spielern der Hauptstädter schwebt: Kann man sich in der Liga noch aufraffen überhaupt anzutreten oder werden jetzt reihenweise gelbe Scheine eingereicht?

Fazit nach 90 Minuten mit Mbappé

Am Ende lässt sich aus Sicht unseres Hauptprotagonisten sicherlich kein positives Fazit ziehen. Zu schwer wiegt die Niederlage und das damit verbundene Ausscheiden aus dem europäischen Wettbewerb. Doch wenn man Mbappé über 90 Minuten beobachtet hat, muss man auch festhalten, dass er wahrscheinlich die geringste Schuld an diesem Ausgang trägt. Seine Dribblings und sein Tempo waren atemberaubend und schüchterten den Gegner lange Zeit ein. Erst als die Defensive von PSG die eigenen Tore weit aufriss, trauten sich die Königlichen mehr.

Wie auch im Hinspiel steuerte er zudem einen Treffer bei und brachte seine Mannschaft damit vor der zweiten Halbzeit in eine tolle Ausgangslage. Sicherlich wird darüber zu diskutieren sein, ob er in der Schlussphase nicht aktiver hätte mit verteidigen können, doch seine Abstellung als Konterspieler Nummer Eins ist nicht komplett unverständlich. Es war eine wilde Nacht im Bernabeu, die sicherlich nicht zu Mbappés liebsten Erinnerungen zählen wird. Doch wenn sich der spekulierte Wechsel in die spanische Hauptstadt am Ende der Saison bestätigen wird, dann kann er schon in der nächsten Spielzeit bessere Erinnerungen schaffen. Dass der französische Superstar dazu die Klasse hat, hat er auch an diesem, am Ende enttäuschenden, Abend unterstrichen.

Photo by David Ramos/Getty Images

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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