PSG nach dem Aus in der Königsklasse: Anderes Personal, gleiche Muster

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Mit einem 1:0-Vorsprung nach einem guten Auftritt im Hinspiel ging Paris Saint-Germain in das Achtelfinalrückspiel in der Champions League gegen Real Madrid. Dass PSG am Ende ausschied, hatte zur Halbzeit bei erneuter 1:0-Führung kaum jemand für möglich gehalten. Doch die Franzosen zeigten einmal mehr Muster, wie sie sie in den letzten Jahren häufig in ihrem Spiel hatten. 

Natürlich, Karim Benzema mit seinem Dreierpack, Luka Modric mit einem überragenden Spiel, das seinesgleichen sucht und ein Real Madrid, das in der zweiten Halbzeit endlich mit der nötigen Überzeugung und Wucht nach vorne spielte, hatten einen großen Anteil am 3:1-Erfolg am Mittwochabend gegen PSG. Doch um ein solches Resultat nach einem 0:1 zur Halbzeit auch möglich zu machen, gehören zwei Mannschaften dazu.

PSG: Nach dem Gegentor folgt die Implosion

Das Hinspiel im Parc des Princes dominierte PSG. Die Franzosen pressten Real Madrid früh und aggressiv, spielten sich einige Chancen heraus. Es benötigte aber einen Geniestreich von Kylian Mbappe kurz vor dem Ende, um das wichtige 1:0 zu erzielen. Mit diesem Vorsprung in das Rückspiel gehend war es zunächst PSG, das unter Druck stand. Real Madrid begann druckvoll, aber die Pochettino-Elf fand schnell in die Partie und konnte diese nach einer Anfangsphase, die kritisch war, schnell ausgeglichen gestalten. Mbappe traf zunächst aus Abseitsposition, dann kurz vor der Halbzeit zum regulären 0:1, ließ diesem Treffer noch einen weiteren folgen, bei dem er ebenfalls im Abseits stand. Immer, wenn PSG das Tempo erhöhte oder Räume erhielt, wurden die Gäste gefährlich.



Ungefährlich war Real Madrid nicht, aber nicht derart besser, dass die komplette Kehrtwende in der Luft lag. Nach einem individuellen Fehler von Gianluigi Donnarumma, der Karim Benzema in der Folge das 1:1 ermöglichte, drehten sich die Dinge aber komplett. PSG war nicht geschockt, die Mannschaft war mit einem Schlag implodiert. Das war nicht zum ersten Mal zu beobachten. In der Vorsaison brannten dem Team nach dem Treffer von Riyad Mahrez zum 2:0 im Halbfinalrückspiel gegen Manchester City komplett die Sicherungen durch und es konnten Wetten abgeschlossen werden, wann es zum Platzverweis kommt.

2018/19 holte PSG Manchester United nach einer quasi sicheren Führung wieder komplett in das Spiel, reagierte gar nicht mehr und flog im Achtelfinale raus. Unmittelbar nach dem ersten Treffer von Benzema am gestrigen Abend folgte eine ähnliche Szene. Es waren nur noch Bruchteile von dem übrig, was den Branchenprimus aus Frankreich in den insgesamt 150 Minuten zuvor auszeichnete. Und natürlich kam, was kommen musste. Mit zwei weiteren Toren innerhalb von zwei Minuten besiegelte der angesprochene Benzema das Aus von PSG. Wieder wird es nichts mit dem Titel, wieder waren die gleichen Muster für das Ausscheiden verantwortlich.

Das neue Personal verdeckt nicht die alten Muster

Ein schwacher Trost: Einen Platzverweis gab es diesmal nicht, die Spieler hatten sich dahingehend zumindest im Griff. Was man nach dem Spiel nicht von den Verantwortlichen behaupten konnte, die im Kabinengang noch Tumulte anzettelten. Abgesehen von 2019/20, als der Klub im Endspiel stand und sich nicht viel vorwerfen konnte, war PSG häufig vor allem selbst am Ausscheiden Schuld. Nasser Al-Khelaifi, der Präsident von PSG, sieht seine Träume den Henkelpott betreffend aktuell Jahr für Jahr zerplatzen. Dabei ließ er nichts unversucht, holte im Sommer 2021 mit Sergio Ramos, Gianluigi Donnarumma, Georginio Wijnaldum, Lionel Messi, Nuno Mendes und Achraf Hakimi Spieler, die den Titel mit PSG gewinnen sollten.

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(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Doch erstens gibt es dabei keine Garantie, zweitens ist Ramos andauernd verletzt, Donnarumma leitete die Niederlage ein, Wijnaldum ist ein Ergänzungsspieler, Messi wirkt oft lust- und antriebslos und zeigt seine zweifelsohne vorhandene Extraklasse nicht regelmäßig genug. Lediglich dem Außenverteidigerduo ist nicht viel vorzuwerfen. An diesen beiden Spielern lag es genauso wenig wie an Mbappe, der alles daran setzte, gegen seinen wohl künftigen Arbeitgeber für ein versöhnliches Ergebnis aus Sicht von PSG zu sorgen. Doch trotz neuem Personal und einem Trainer, der für frischen Wind und mehr Abgeklärtheit sorgen sollte, traten wieder und wieder die gleichen Muster auf.

Probleme und Konsequenzen: PSG vor unklarer Zukunft

Pochettino ist ein weiterer, wichtiger Punkt. Er feierte seltener große Siege als Trainer von PSG als er mit einem Wechsel zu Manchester United in Verbindung gebracht wurde. Mit Tottenham erreichte er zwar einmal das Endspiel in der Königsklasse und entwickelte den Klub auch solide weiter, für die großen Ziele bei PSG und für die Moderation dieses, man muss es schon so deutlich sagen, Sauhaufens, der dieser Kader manchmal sein kann, war er aber offenbar auch nicht der richtige Mann. Nun fällt es schwer, dieser Saison noch etwas Positives abzugewinnen. In der Liga ist der Vorsprung deutlich, aber glänzen kann Paris dort auch nicht. Viele Spiele gewinnt das Team dank der individuellen Klasse, in Nizza (0:1) und Nantes (1:3) gab es zuletzt verdiente Niederlagen.

Die Ligue 1 wird PSG dennoch gewinnen, daran besteht kein Zweifel. Aber selbst den heimischen Pokal gewinnt dieses Team nicht, weil im Viertelfinale gegen Nizza, das im Übrigen in drei Pflichtspielen gegen den Branchenprimus dreimal zu null spielte, Schluss war. Die Saison kann nicht mehr positiv beendet werden, alleine das sagt Mitte März schon einiges aus. Die Frage, die sich aufdrängt, ist: „Wie geht es nun weiter?“ Den Kader noch einmal deutlich zu verbessern, wird kaum möglich sein. Mbappe verlässt den Klub wahrscheinlich im Sommer, Spieler wie Wijnaldum sind unzufrieden, zudem gibt es viele Spieler, die ein hohes Gehalt einstreichen, aber nicht zu den Leistungsträgern zählen.

Den schnellen Erfolg zu erzwingen hat im Hinblick auf die Champions League nicht funktioniert. Messi wirkt dem Projekt nicht zu 100 % verschrieben, Neymar hat häufig mit Blessuren zu kämpfen. Die Abwehr steht mitunter gut, ihr fehlt es aber an Konstanz. Und der Trainer könnte im Sommer ebenfalls wechseln, wenn nicht gar vorher reagiert wird. Es könnte also sogar ein größerer Einschnitt folgen. Bleibt die Aufgabe, nicht wieder einen Kader aufzubauen, der in vielen Facetten nicht passt. Zweifel sind dabei definitiv erlaubt.

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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