Real Madrid vs. Chelsea: Königlicher Härtetest für Tuchels junge Wilde

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Vorschau | Am Dienstagabend steht das erste Champions-League-Halbfinale an, Real Madrid empfängt Thomas Tuchel und den FC Chelsea. Während die Königlichen nach einer Saison voller Verletzungen auf dem Zahnfleisch gehen, treffen sie am Dienstag auf einen Gegner, der sie besonders mit einer Eigenschaft zu ärgern wissen könnte.

Anpfiff der Partie ist am Dienstag, 21 Uhr, Live bei Sky und auf DAZN (Registriere dich jetzt auf DAZN und erhalte einen Gratismonat).

  • Real Madrid C.F.: Zidanes Motivation als Schlüssel in Reals Saison voller Hürden
  • Chelsea FC: Tuchels gelungener Turnaround: Real Madrid läutet einen Saisonendspurt voller Härtetests an
  • Pakulat: Deutlich ausgeglicheneres Spiel als gegen Liverpool, knapper Sieg für Real gut möglich

Vor der Partie haben wir uns mit Fabian Pakulat (Deutscher Sportjournalist in Spanien) unterhalten

Real Madrid C.F.: Eine Saison voller Verletzungen und Hürden – Zidane als großer Motivator

Es ist keine einfache Saison für die Königlichen. Lange Zeit liefen sie in La Liga der Musik hinterher. Die Copa war schon im Januar weg, als man bei Drittligist Alcoyano trotz eigener Führung nach Verlängerung 1:2 unterlag. Zudem qualifizierte man sich in der Champions League erst am 6. Spieltag für das Achtelfinale. Vor dem 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach hätte Real Madrid auf jedem der vier Gruppenplätze landen können. Einzig gegen den Gruppenletzten, Inter Mailand, konnte man beide Spiele gewinnen.

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In der K.O.-Runde war es letztlich die eigene Erfahrung und Abgezocktheit, die Real ins Halbfinale brachte. Atalanta besiegte man nach Hin- und Rückspiel 4:1. Auch Jürgen Klopp (53) und der FC Liverpool vermochten den 1:3-Hinspielrückstand nicht mehr zu drehen. In Anfield gab es ein 0:0.

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Was Real Madrid im Moment spielt, ist selten atemberaubend, aber dafür effizient. Man sieht der Mannschaft deutlich an, dass sie nach einer Saison, die maßgeblich durch Verletzungen geprägt war, auf dem Zahnfleisch geht. Trotzdem gelingt es Zinedine Zidane (47), sein Team immer wieder neu zu motivieren: „Zidane und Real, das ist schon eine besondere Geschichte. In Spanien sagt man: „Tiene flor“ – er hat also wörtlich übersetzt eine Blume bzw. Blüte und damit möchte man ausdrücken, dass ihm einfach alles gelingt, was er anpackt. Dazu hat er natürlich auch das nötige Glück. Für den Franzosen spricht, dass er immer ruhig geblieben ist. Er zieht sein Ding durch und lässt sich nicht beirren. Bei den Spielern genießt er großes Ansehen“, so Fabian Pakulat.

Besonders Spitzenspiele können sie in dieser Saison. In La Liga holte man gegen die beiden großen Rivalen Atlético (2:0, 1:1) sowie Barcelona (3:1, 2:1) zehn von zwölf möglichen Punkten. Der gewonnene direkte Vergleich könnte hinsichtlich der Entscheidung im Meisterkampf noch nützlich werden. Es sind die kleinen Gegner, mit denen sich die Königlichen immer wieder schwertun. Diese Saison verlor man zuhause gegen Alavés und Levante je 1:2, kam auswärts bei Elche (1:1) und Osasuna (0:0) nicht über Unentschieden hinaus. Dasselbe Ergebnis gab es auch in Getafe und am vergangenen Wochenende gegen Betis. Somit endeten drei der letzten vier Real-Spiele torlos, mit dem 3:0 in Cádiz als einzige Ausnahme.

„Real Madrid zu wichtig für die UEFA“ – Pakulat rechnet nicht mit Strafe wegen Super League

Die Frage ist nun, in welche Kategorie der FC Chelsea fällt. Einerseits ist es ein Champions-League-Halbfinale gegen den Tabellenvierten der Premier League. Andererseits verrät ein Blick auf die Gegner, gegen die Real Madrid Punkte gelassen hat, dass sie mit tiefstehenden Defensiven ihre Probleme haben. Und das Prunkstück unter Thomas Tuchel (47) ist? Richtig. Für Fabian Pakulat wird es daher besonders auf einen Spieler ankommen: „Karim Benzema (33) ist für mich der überragende Stürmer in der Primera División. Wenn er gut ins Spiel eingebunden wird, dann wird es auch gefährlich. Marco Asensio (25) kommt gerade wieder langsam aber sicher in Form. Wichtig für Real wird sein, ob der junge Vinicius (20) einen guten Tag erwischt, wie gegen Liverpool.“  

 

 

 

Neben der Champions League und La Liga beschäftigte Real Madrid in der vergangenen Woche aber auch die Super League. Vergangenen Montag wagten die Top Six aus der Premier League, sowie die großen Drei aus Spanien und Italien, angeführt von Real-Präsident Florentino Pérez (74), einen Alleingang. Gute 48 Stunden später lag die Idee nach massiver Kritik aus dem Fanlager aber schon wieder auf Eis. Dass das Brimborium Einfluss auf die Leistungen der Mannschaft am Dienstagabend haben könnte, glaubt Pakulat nicht.

„In Spanien war der Gegenwind der Fans – besonders im Vergleich zu England oder Deutschland – relativ schwach. Die Mannschaft selbst hat sich zum Thema ziemlich zurückgehalten, auch wenn man zwischen den Zeilen herauslesen konnte, dass eher eine Erleichterung eingetreten ist, dass die Super League erstmal nicht stattfinden wird. Von daher denke ich allgemein, dass dieses Thema keinen Einfluss auf die aktuelle Form haben wird.“ An etwaige Strafen, wie von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (53) angedroht, glaubt er ebenfalls nicht: „Dafür ist Real Madrid zu wichtig für die UEFA.“

Ein wenig Entspannung, in einer ansonsten äußerst aufreibenden Saison für die Königlichen. Verzichten müssen sie am Dienstagabend auf Kapitän Sergio Ramos (35/Muskelverletzung), Lucas Vázquez (29/Kreuzbandanriss) sowie Ferland Mendy (25/Wadenprobleme). Fede Valverde (22) wird für Real gegen Chelsea wieder dabei sein, genau wie Toni Kroos (31).

Chelsea FC: Thomas Tuchels Turnaround – Mammutprogramm im Saisonendspurt

Es ist eine der großen Erfolgsgeschichten dieser Saison, Thomas Tuchel (47) und der FC Chelsea. Als er im Januar für den entlassenen Frank Lampard (42) übernahm, stand die Mannschaft auf Platz 10. Nur zwei Monate später finden sich die Blues auf einem Champions-League-Platz wieder. Noch dazu gelang ihnen gegen Manchester City der Einzug ins FA-Cup-Finale. Ein Double ist weiterhin mehr als möglich.

Mandatory Credit: Photo by Javier Garcia/BPI/Shutterstock/imago

Unter Tuchel hat Chelsea wieder zur eigenen DNA zurückgefunden, also, allen voran einer stabilen Defensive – solange der Gegner nicht West Brom heißt. DAZN-Experte Sebastian Kneißl erklärte im 90PLUS-Interview, wo der große Unterschied zwischen Lampard und Tuchel liegt: „In erster Linie Kommunikation. Das war tatsächlich ein Thema, das die Spieler gestört hat. Denn sie hatten gefühlt nicht genug Information erhalten, was sie machen sollen. Und Thomas Tuchel hat das richtig geändert. Er hat eine Mannschaft vorgefunden, die sehr wissbegierig ist. Details, wie: Auf welchem Fuß spiele ich denn an? Das war – glaube ich im Hinspiel gegen Porto – Mason Mount (22), das war ja perfekt. Wir haben die Szene analysiert, nochmal dann auch im Rückspiel. Das Ganze so vorzubereiten, das war perfekt.“

Chelsea: Defensiv top, offensiv Steigerungsbedarf

Jedoch fehle es der Mannschaft noch am offensiven Punch. Klare Siege, wie das 4:1 im Selhurst Park sind eher die Ausnahme, als die Regel. Die meisten seiner Spiele gewann Chelsea 1:0 oder 2:0. So auch in der Champions League. Nachdem Lampard die Blues ordnungsgemäß als Gruppensieger vor dem FC Sevilla übergab, besiegte man unter Tuchel Atlético 3:0 nach Hin- und Rückspiel. Das Viertelfinale gegen Porto liest sich mit einem Gesamtergebnis von 2:1 zwar relativ eng, aber mit dem 2:0 aus dem Hinspiel wusste man fachgerecht umzugehen. Portos Siegtreffer im Rückspiel kam viel zu spät, um noch einen Unterschied auszumachen.

Beirren ließ sich die Mannschaft davon nicht. Nach einem 0:0 gegen Brighton gab es am vergangenen Wochenende drei Big Points im Kampf um die Champions League. Timo Werner (25) erzielte den einzigen Treffer beim Auswärtssieg gegen Überraschungsmannschaft West Ham. Damit übernahm Chelsea fünf Spieltage vor Saisonende wieder Platz 4. Der ist angesichts von einem Restprogramm, das unter anderem noch Manchester City (A), Arsenal (H) oder Leicester City (H) bereithält, alles andere als in Stein gemeißelt.

Die wichtigen Wochen haben gerade erst begonnen. Die gute Nachricht: Angehen kann Chelsea diese mit voller Kapelle, Ausfälle muss Tuchel gegen Real keine verzeichnen.

Prognose von Fabian Pakulat

Ich kann mir einen knappen Sieg für Real gut vorstellen. Für die Königlichen wäre das die perfekte Ausgangslage. Es wird auf jeden Fall deutlich ausgeglichener, als gegen Liverpool. Auch ein 0:0 kann gut möglich sein.  

 

 

 

Mögliche Aufstellungen:

Real Madrid C.F.: Courtois – Carvajal, Militao, Varane, F. Mendy – Casemiro – Modric, Kroos – Asensio, Benzema, Vinicius Junior

Chelsea FC: Mendy – Azpilicueta, Silva, Rüdiger – Kanté, Jorginho – James, Chilwell – Havertz, Mount – Werner

Copyright: Andy Rain/imago

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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