Champions League: Vier Erkenntnisse nach dem ersten Spieltag

Der FC Bayern gewann 3:0 beim FC Barcelona
UEFA CL/EL

Die Champions League ist zurück, und mit ihr packende Duelle, Gänsehaut und viele Aha-Momente. Natürlich ist der Zeitpunkt noch zu früh, um rigoros Schlüsse in Betracht auf den weiteren Saisonverlauf zu ziehen. Dennoch liefert uns der Auftakt bereits erste Erkenntnisse darüber, woran es bei der ein oder anderen Mannschaft noch hakt und was wir uns von kommenden Spieltagen erhoffen dürfen.

1. Das Spektakel geht in die nächste Runde

Erinnern wir uns an die vergangene Saison: Das Gruppenfinale der Leipziger, als man Manchester United herspielte und in die Europa League schickte, das dramatische Achtelfinal-Rückspiel zwischen Juventus und Porto, das Beinahe-Comeback des FC Sevilla in Dortmund oder Paris Saint Germain, das sich im Camp Nou in einen Rausch spielte. Die darauffolgende Europameisterschaft setzte mit spektakulären Wendungen und Überraschungen sogar noch einen obendrauf. 

Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die neue Champions-League-Runde – und die Mannschaften lieferten. Bereits der erste Spieltag hielt jede Menge drehbuchreifes Material bereit. Den Auftakt machten Sevilla und der FC Salzburg, die dafür sorgten, dass Schiedsrichter Alexei Kulbakov in der ersten Halbzeit vier Mal auf den Punkt zeigen musste. Das Strafstoß-Quatruple und die Tatsache, dass drei davon einer Mannschaft – in dem Fall den Gästen aus Salzburg – zugesprochen wurden, waren gleichbedeutend mit zwei neuen Wettbewerbsrekorden.

Sebastien Haller erzielt bei seinem Champions-League-Debüt einen Viererpack für Ajax gegen Sporting CP

Photo by Imago

Doch damit noch lange nicht genug. Im Parallelspiel schlugen die Young Boys aus Bern Manchester United in letzter Minute. Tags darauf erzielte Sebastien Haller (27) in seinem Champions-League-Debüt einen Viererpack, während Manchester City und RB Leipzig im Etihad Stadium um ein Haar die Zehn-Tore-Marke knackten. Die Champions League macht also im Grunde genau da weiter, wo sie aufgehört hat, und setzt sich selbst sogar neue Maßstäbe. Wir dürfen uns berechtigte Hoffnungen machen, Zeugen vieler weiterer Spektakel in dieser Saison zu werden. 

2. Barça gegen Bayern – ein Klassenunterschied

Dass in Barcelona heute andere Glocken läuten als das bis vor wenigen Jahren der Fall war, ist allseits bekannt. Die Goldene Generation um Xavi, Iniesta und Co. ist Geschichte, die Mannschaft befindet sich sich seit nunmehr einigen Jahren im Umbruch. Zudem trägt die katastrophale Transfer- und Gehaltspolitik mittlerweile nicht mehr kleine, sondern fette faule Früchte. Bemerkbar hat sich das natürlich auch längst auf dem Platz gemacht. Die Klatschen in der Champions League gegen Paris (1:4) und vergangenes Jahr gegen Bayern (2:8) sind die prominentesten Beispiele.

Nun hat man mit Lionel Messi (34) auch noch das Herz und Hirn der Mannschaft verloren. Mit den Diensten des Weltstars  machten sich die Katalanen zumindest noch Hoffnungen, mit der europäischen Elite mithalten zu können. Diese sind spätestens mit dem Dienstagabend pulverisiert. Gegen den FC Bayern setzte es eine 0:3-Niederlage, die in ihrer Art und Weise fast noch einschneidender und ernüchternder war als die letztjährige 2:8-Klatsche.

Barça hatte praktisch zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle über das Spiel. Die Katalanen agierten enorm defensiv, zogen sich weit in die eigene Hälfte zurück. Doch nicht einmal vor dem eigenen Strafraum bekamen sie Zugriff auf den Gegner. Im eigenen Ballbesitz schafften sie es kaum, sich aus dem Angriffspressing der Münchner zu befreien, und wenn doch, fehlten vorne die Anspielstationen. Über die 90 Minuten gab man keinen einzigen Schuss auf den Kasten von Manuel Neuer (35) ab, erzielte einen Expected-Goals-Wert von sage und schreibe 0,2 (fbref.com). Die Partie war im Grunde von vorne bis hinten ein Armutszeugnis und zeigte schonungslos den Status quo der Katalanen auf. Und dieser besagt, dass der FC Barcelona allerspätestens seit Beginn dieser Saison nicht mehr zur sportlichen Elite Europas gehört. 

3. Marsch muss den Fuß vom Gaspedal nehmen

Es gibt leichtere Aufgaben als innerhalb von fünf Tagen gegen zwei der besten Mannschaften der Welt antreten zu müssen. Dennoch waren die hohen Niederlagen gegen den FC Bayern (1:4) und Manchester City (3:6) in der Summe zu viel. Vor allem zehn Gegentore in zwei Spielen sind einigermaßen besorgniserregend. Stellten die Bullen vergangene Saison unter Julian Nagelsmann (34) mit nur 32 Gegentoren die sicherste Defensive der Bundesliga, entpuppte sich die Arbeit gegen den Ball zuletzt als ein Schwachpunkt im Spiel der Leipziger.

Jack Grealish mit dem Tor für Manchester City gegen RB Leipzig

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Ursache dafür sind zum einen die schmerzhaften Abgänge von Dayot Upamecano (22) und Ibrahima Konaté (22). Die Defensive braucht Zeit, um sich neu zu finden. Gleichzeitig bringt die mannschaftstaktische Herangehensweise gegen den Ball ein Problem mit sich. Unter Neutrainer Jesse Marsch (47) spielt Leipzig wieder ein höheres und aggressiveres Pressing als das unter Nagelsmannn der Fall war. So war gegen Bayern und Manchester City in vielen Szenen zu beobachten, dass die Mannschaft sehr hoch anläuft und durchdeckt.

Vergleichen kann man das mit der Herangehensweise, die Hansi Flick (56) in München praktizierte. Bereits beim Rekordmeister führte das aggressive Spiel gegen den Ball häufig dazu, dass die Absicherung fehlte und große Räume für den Gegner entstanden. Das war für die Leipziger zuletzt ein umso größeres Problem. Gerade die Außenverteidigung um Angeliño (24) und Nordi Mukiele (23) war viel zu anfällig und bot immer wieder Rasenfläche, die der Gegner auszunutzen wusste. Unter einem neuen Trainer bedarf es immer einer gewissen Zeit, bis die wichtigsten Automatismen greifen. Gerade in Anbetracht dieser Tatsache sollte Marsch sich überlegen, für die nächsten Aufgaben in der Champions League Kompromisse einzugehen und einen etwas defensiveren Ansatz zu wählen. Andernfalls läuft man Gefahr, erneut ins offene Messer zu rennen.

4. Obacht vor den Underdogs

Wer aus Lostopf vier kommt, wird bei den anderen Mannschaften in den meisten Fällen als Pflichtaufgabe deklariert. So sind die drei Punkte schon im Voraus fest eingeplant, wenn es gegen die schwächeren Teams geht. Doch genau darin liegt auch die Gefahr: Der Gegner wird unterschätzt und während der 90 Minuten der ein oder andere Gang heruntergeschaltet.

Die Young Boys gewannen in letzter Minute gegen Manchester United

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Manchester United und Paris Saint Germain können ein Lied davon singen, denn beide ließen zum Auftakt Punkte gegen einen Underdog liegen. Während die Young Boys die deutlich zielstrebigere Mannschaft gegen United waren und am Ende verdient gewannen (2:1), sah sich das Starensemble aus der französischen Hauptstadt gegen einen spielfreudigen Club Brügge gefordert (1:1), der am Ende ebenfalls am Siegtreffer schnupperte. Und auch Champions-League-Neuling Sheriff Tiraspol – auf dem Papier der wohl größte Außenseiter in dieser Saison – konnte überraschen, fuhr sogar einen ungefährdeten 2:0-Heimsieg über Shakhtar Donetsk ein. Es sind erst 16 Spiele absolviert, aber es  liegen bereits mindestens drei eindrückliche Beispiele vor, die zeigen, dass Mannschaften aus kleinen Ligen keinesfalls Kanonenfutter sind – so konsonantenwüstig die Vereinsnamen auch teils klingen mögen.

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