Champions League | Bellingham macht den Unterschied, nur ein Lichtblick bei Sevilla – Die Einzelkritik zu Dortmunds Sieg im Ramón Sánchez Pizjuán!

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Am Mittwochabend musste Borussia Dortmund auswärts beim FC Sevilla, der in einer handfesten Krise steckt, antreten. Die Schwarzgelben kamen allerdings auch aus einer Niederlage, verloren am Wochenende mit 2:3 beim 1. FC Köln. 

Dortmund feiert Sieg in Sevilla

Ein krisengeschüttelter FC Sevilla zeigte direkt zu Beginn der Partie, wie verunsichert man ist. Der BVB wurde mitunter eingeladen, das 0:1 wurde kaum verteidigt. Gleiches galt für das 0:2, als Jude Bellingham lockerleicht an Nemanja Gudelj vorbeispazieren konnte. Die Aktion war zweifelsohne sehr gut, aber eben auch passiv verteidigt. Nach dem 0:3 sah der Gast aus Dortmund schon wie der sichere Sieger aus, aber Sevilla arbeitete sich noch einmal in das Spiel und gestaltete die zweite Halbzeit, auch dank des 1:3 von Youssef En-Nesyri, ausgeglichener. Das 1:4 von Julian Brandt machte dann den Deckel drauf.

BVB Dortmund

(Photo by CRISTINA QUICLER/AFP via Getty Images)

Benotet wird in der Einzelkritik nach dem Schulnotensystem von 1-6. Auch „,5“-Noten sind vorstellbar. Spieler, die eingewechselt wurden, aber keinen signifikanten Einfluss mehr auf die Partie hatten, werden nicht benotet. 90PLUS-Redakteur Manuel Behlert kümmert sich um den FC Sevilla, Victor Catalina um den BVB.

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Der FC Sevilla in der Einzelkritik: Viele Ausfälle, ein Lichtblick im Angriff

Bono: Beim 0:1 machtlos, passte danach einmal bei einem langen Ball gut auf, wirkte aber nicht immer sicher im Spielaufbau. Auch bei den weiteren Gegentoren nicht in die Pflicht zu nehmen. Verhinderte sogar Gegentreffer durch gute Paraden, wurde zeitweise von seinen Vorderleuten alleine gelassen. Note: 3

Jesus Navas (bis 46.): Sah beim 0:1 absolut nicht gut aus. Den Seitenwechsel unterschätzte er komplett, hatte dann keinen Zugriff auf Guerreiro. Stand auch beim Konter des BVB nach einer guten halben Stunde orientierungslos in einem Raum herum, den er nicht hätte abdecken müssen. Bekam die Grenzen aufgezeigt und machte zu viele individuelle Fehler. Note: 5,5

José Angel Carmona: Stand in der Fünferkette sehr tief von Beginn an, musste sich mit den sprintstarken Spielern in der BVB-Offensive herumärgern. Ließ die Abstände zu seinen Mitspielern gegen den Ball zuweilen zu groß werden. Hätte nach gut 35 Minuten eigentlich das 1:1 machen können, wirkte aber zu überrascht. Nahm sich im Spielaufbau nicht zu viel vor, ging wenig Risiko. Note: 4,5

Nemanja Gudelj: Fügte sich alles andere als gut ein, denn er holte sich schon nach 2 1/2 Minuten eine gelbe Karte ab. Beim 0:2 gegen Bellingham absolut passiv, versuchte kaum, den Gegentreffer zu verhindern, das war schon fast Arbeitsverweigerung. Kleine, wache Momente, aber insgesamt viel zu häufig zu weit vom Gegenspieler entfernt. Note: 5,5

Kike Salas: Auch er stand gegen die sprintstarken Gäste oft im Mittelpunkt, musste viele Sprints absolvieren. Teilweise mit sehr interessanten Ideen im Aufbau, das ist aber nicht positiv gemeint. Beim 1:4 dann komplett desorientiert und ohne Zugriff im Strafraum unterwegs. Hielt die eigentlich erwünschten kurzen Abstände zu seinen Teamkollegen nur selten ein. Note: 5,5

Alex Telles: Auf der linken Seite traute er sich zunächst nicht so viel nach vorne zu, sollte wohl auch viel gegen den Ball arbeiten. Wenn Dortmund das Tempo erhöhte, wurde er in zwei, drei Situationen überrannt. Kam in der zweiten Halbzeit relativ frei zum Abschluss, bedient von Lamela, verzog aber knapp. War offensiv dann durchaus aktiver als in der Abwehr. Insgesamt aber keine wirklich ansprechende Leistung. Note: 4

Joan Jordan (bis 77.): Im Mittelfeldzentrum mangelte es zuweilen an Anspielstationen, weil Sevilla ungewohnt mit der Fünferkette spielte. Dadurch wurden die Pässe zuweilen ungenau. Phasenweise aber sehr aktiv im Pressing. Verlor aber zu viele Bälle und konnte die Kontrolle im Mittelfeld nicht herstellen, was auch am System lag. Note: 4,5

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Photo by Fran Santiago/Getty Images

Ivan Rakitic (bis 62.): Versuchte zu dirigieren, das funktionierte aber nicht immer gut, weil die Partie extrem hektisch war. Gewann immerhin vereinzelt Zweikämpfe, zeigte aber nicht die Präsenz und diktierte nicht so, wie er es in Topform kann. Gegen den Ball aber zumindest diszipliniert, sah auch von unnötigen Fouls ab, wie sie viele seiner Mitspieler produzierten. Note: 4

Suso (bis 46.): Unauffällige Partie des spanischen Offensivspielers. Er versuchte sich mitunter an Flanken in den Strafraum, aber die Besetzung dort war nicht immer gut. Begann nicht gut und tauchte dann immer weiter ab. Note: 5

Isco (bis 62.): War um Ballkontrolle und Präzision bemüht, spielte deswegen mitunter einen Sicherheitspass zu viel. Keine gute Partie, nicht viel mehr eingebunden als Suso, aber immerhin mitunter etwas ausweichend, um mehr Ballaktionen zu sammeln. Technisch sauber, aber oft brotlos. Note: 4,5

Youssef En-Nesyri: Hatte nach knapp zehn Minuten die erste große Chance für Sevilla, vergab diese aber. Das ist das Grundproblem in dieser Saison offensiv. Er war zumindest ein Spieler, der Borussia Dortmund mal vor ein paar Probleme stellen konnte, indem er auch den ein oder anderen unangenehmen Weg ging. Erzielte in der zweiten Halbzeit dann per Kopf den Treffer zum 1:3 und war in der zweiten Halbzeit ein permanenter Störfaktor. Deswegen auch einer der besten Spieler seines Teams. Note: 3

Gonzalo Montiel (ab 46.): Spielte nach seiner Einwechslung nicht die Stern vom Himmel, aber lud den BVB wenigstens nicht in aller Regelmäßigkeit ein. Dazu mit ordentlichen Flanken, vor allem aus dem Halbfeld. Defensiv hatte er phasenweise Probleme, wenn Dortmund schnell umschaltete. Note: 4

Erik Lamela (ab 46.): Sorgte nach seiner Einwechslung für Ideen, bereitete nach 56 Minuten eine gute Chance vor und wirkte spritzig. Hatte es natürlich auch nicht leicht, in ein solches Spiel zu finden, das schon zur Halbzeit eine klare Tendenz aufweisen konnte. Es gab aber schlechtere Spieler in seiner Mannschaft. Note: 3,5

Papu Gomez (ab 62.): Keine Bewertung mehr.

Thomas Delaney (ab 62.): Keine Bewertung mehr.

Kasper Dolberg (ab 77.):  Keine Bewertung mehr.

 

Borussia Dortmund in der Einzelkritik: Bellingham geht als Kapitän voran, Moukoko überzeugt

Alexander Meyer: Durfte sich gleich in zwei Szenen gegen Youssef En-Nesyri auszeichnen (10′, 37′) und verhinderte so den Ausgleich. Kurz darauf machten Jude Bellingham sowie Karim Adeyemi per Doppelschlag alles klar. Gregor Kobel saß schon wieder auf der Bank. In einem seiner vorerst letzten Einsätze als Nummer 1 präsentierte sich Meyer einmal mehr sicher. Beim Gegentreffer machtlos. Note: 2,0.

Thomas Meunier: Defensiv solide, wenngleich von komplett verunsicherten Sevillistas nur bedingt bis an seine Grenzen gefordert. Dafür immer wieder mit guten offensiven Aktionen, wie beispielsweise nach einer Stunde, als Youssoufa Moukoko einen seiner langen Bälle knapp über das Tor hob. Note: 2,5.

Niklas Süle: Hatte den ersten Abschluss des Abends, als er einen Freistoß von Guerreiro relativ klar am Tor vorbeiköpfte. Ansonsten mit einigen guten Blocks, vor allem während Sevillas zwischenzeitlichen Drangphasen. Note: 2,5.

Nico Schlotterbeck: Machte beim 1:3 im Duell mit Youssef En-Nesyri überhaupt keinen guten Eindruck, als er sich vom Marokkaner ohne Gegenwehr überspringen ließ. Im restlichen Verlauf des Spiels solide. Note: 3,0.

Raphaël Guerreiro: Eröffnete den Abend mit seinem klasse Abschluss zum 0:1. Auch an der Entstehung des 0:2 beteiligt. Dazu defensiv mit ordentlichem Positionsspiel. Fraglos eine der Hauptcharaktere des Abends. Note: 2,0.

Salih Özcan: Holte in Minute 21 den vermeintlichen Platzverweis gegen Youssef En-Nesyri heraus. Ansonsten zweikampfstark im Mittelfeld und mit guten Aktionen nach vorne, wie der Vorlage für Jude Bellingham zum 0:2. Note: 2,5.

Emre Can: Tat seiner Mannschaft keinen wirklichen Gefallen, als er beispielsweise in Minute 37 die Kugel hergab, wodurch die Großchance von En-Nesyri entstand, die Meyer herausragend entschärfte. Fiel im Vergleich zu Mittelfeldpartner Özcan eher ab. Note: 3,5.

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Photo by Fran Santiago/Getty Images

Jude Bellingham: Unterschiedsspieler an diesem Abend, einmal mehr. Ging voran, mit gewonnenen Zweikämpfen, Ideen, Abschlüssen – und vor allem dem individuell brillanten 0:2 in eine Phase hinein, da der BVB defensiv Schlagseite entwickelte und Sevilla dem Ausgleich immer näher zu kommen schien. Dieser Treffer machte ihn zum ersten Mittelfeldspieler der Champions-League-Geschichte, der als Teenager in drei aufeinanderfolgenden Spielen traf. Dazu Vorlagengeber zum 0:1. Trug in Abwesenheit von Marco Reus und Mats Hummels die Kapitänsbinde und wurde dieser jederzeit gerecht. Note: 2,0.

Julian Brandt: Bereits kurz vor der Pause hatte er zwei ordentliche Gelegenheiten. Seinen Treffer machte Brandt aber erst eine Viertelstunde vor Schluss, als ihn Sevillas Defensive durch Passivität regelrecht dazu einlud. Dennoch war die Kopfball-Bogenlampe ins lange Eck stark gesetzt. Ansonsten immer wieder gut ins Kombinationsspiel eingebunden. Note: 2,5.

Karim Adeyemi: Sein Tempo ausnutzen, um Sevillas Defensive in Schwierigkeiten zu bringen. So lautete der ursprüngliche Plan Edin Terzics. Wohl wissend, dass er bereits in der Vorsaison, damals noch im Trikot von RB Salzburg, an Ort und Stelle gleich drei Elfmeter herausholte. Diesmal sorgte er dafür, dass Nemanja Gudelj ab der 3. Minute gelbvorbelastet durchs Spiel ging. War an der Szene um die rote Karte für En-Nesyri beteiligt, wenngleich sein Ballgewinn gegen Jesús Navas irregulär war. Stand zwei Minuten vor der Pause genau richtig, um den Rebound von Youssoufa Moukokos Abschluss zum 0:3 zu verwerten. Note: 2,5.

Youssoufa Moukoko: Diesmal ließ Edin Terzic den U21-Nationalspieler anstelle von Anthony Modeste in der Spitze starten. Eine Maßnahme, die sich bezahlt machte. Dortmunds Kombinationsspiel in der Offensive lief wesentlich flüssiger, als mit dem reinen Zielspieler, der auf die Flanken wartet. Sorgte mit seinem Tempo immer wieder für Unordnung in Sevillas Defensive und hatte in Minute 33 die Großchance zum 0:2, timte seinen Lauf allerdings nicht ganz optimal, sodass er noch einen Haken schlagen und der Abschluss letztlich geblockt wurde. Präziser war dafür seine Flanke auf den Kopf von Julian Brandt zum 1:4. Mit diesem Auftritt definitiv auch ein Startelfkandidat für die Partie gegen den FC Bayern am Samstagabend. Note: 2,0.

Einwechslungen von Borussia Dortmund

Donyell Malen (ab 64′): Ersetzte Karim Adeyemi und hatte fünf Minuten vor Schluss seine beste Szene, als sein Abschluss aufs lange Eck nur knapp am rechten Pfosten vorbeistrich. Wirkte ansonsten, als bräuchte er noch Zeit, um seinen Platz in der Dortmunder Offensive final zu finden. Zumal das Abspiel auf den besser postierten Anthony Modeste im Zentrum die vielleicht bessere Option gewesen wäre. Note: 3,5.

Tom Rothe (ab 80′): Kam zehn Minuten vor Schluss als defensivere Variante zu Torschütze Raphaël Guerreiro. Nennenswerte Szenen konnte er so kaum noch generieren. Kam immerhin auf 13 Ballkontakte. Note: ohne Bewertung

Anthony Modeste (ab 80′): Bot fünf Minuten vor Schluss einen sehr guten Laufweg an, um zum 1:5 einzuschieben, Malen verweigerte jedoch das Zuspiel. Viel mehr war schon rein zeitlich nicht möglich. Note: 3,0.

Thorgan Hazard (ab 85′): Ersetzte Julian Brandt fünf Minuten vor Schluss. Neun Ballkontakte und fünf angebrachte Pässe sind als Bewertungsgrundlage äußerst überschaubar. Note: ohne Bewertung.

Antonios Papadopoulos (ab 85′): Steht regelmäßig im Spieltagskader. Am Mittwochabend durfte er auch für zehn Minuten, inklusive Nachspielzeit, anstelle von Salih Özcan ran. Ließ sich nichts zu Schulden kommen, wenngleich auch dafür die Zeit denkbar knapp war. Note: ohne Bewertung. 

Photo by Fran Santiago/Getty Images

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