Europa League | Nächste Hürde West Ham: Frankfurt lebt den großen Traum

West Ham Frankfurt
UEFA CL/EL

Vorschau | Nach dem grandiosen Triumph über den FC Barcelona spielt Eintracht Frankfurt gegen West Ham United um den Einzug in das Europa-League-Finale. Dabei gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen den Kontrahenten. Neben der grundsätzlichen Spielidee ähneln sich auch die Probleme.

Vor der Partie haben wir mit Tom Clark gesprochen. Der Sportjournalist wohnt in London und begleitet seit Jahren die Mannschaft von West Ham United.

West Ham: Vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Aspiranten

Es gab vieles, mit dem die Fans von West Ham United gerechnet haben. Was sie aber definitiv nicht ahnen konnten: dass ihre Mannschaft in naher Zukunft einmal um den Einzug ins Finale der Europa League spielen würde. Keine zwei Jahre ist es her, da spielte der Klub aus dem Osten Londons gegen den Abstieg, konnte sich erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt sichern.

Was danach geschah, gleicht fast schon einem kleinen Märchen. Unter dem neuen Trainer David Moyes (59) entwickelten sich die „Hammers“ innerhalb kürzester Zeit wieder zu einer gestandenen Premier-League-Mannschaft. Und nicht nur das: 2020/2021 spielte West Ham plötzlich um die europäischen Plätze mit, bot sogar den Top-Mannschaften um Chelsea, Liverpool und Co. bis zum letzten Spieltag Paroli. Am Ende fehlten lediglich zwei Zähler zur Champions-League-Qualifikation, man startete diese Saison eine Etage darunter in der Europa League.

Moyes bekam einen großen Vertrauensvorschuss, hatte von vornherein eine hohe Entscheidungskompetenz im Klub. Mit Jarrod Bowen (25), Vladimír Coufal (29), Tomáś Souček (29) oder Saïd Benrahma (26) holte er Spieler in den Osten Londons, deren Stärken er optimal in sein Spielkonzept unterbrachte. Darüber hinaus bastelte sich der langjährige Ex-Trainer von Everton auch neben dem Platz seinen Staff zusammen. „Moyes hat ein exzellentes Trainerteam um sich herum aufgebaut und eine Erfolgsformel entwickelt, mit der er die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal nutzt“, sagt der britische Sportjournalist Tom Clark, der die Mannschaft seit Jahren auf Schritt und Tritt begleitet.

Unter Moyes besticht West Ham durch eine starke Defensivarbeit und brandgefährliche offensive Umschaltmomente. Die Grundidee ist simpel, die Umsetzung perfekt. Das macht West Ham auch für stärkere Mannschaften zu einem extrem schwierigen Gegner.

West Ham Frankfurt

(Photo by JEFF PACHOUD/AFP via Getty Images)

Geringe Kadertiefe und Verletzungssorgen

Doch so schön der schnelle Aufschwung und das Abendteuer Europa League ist, läuft in der aktuellen Spielzeit nicht alles optimal für die „Hammers“. Die Vierfachbelastung aus Liga, zwei Pokalen und dem internationalen Geschäft nagt an der Mannschaft. So musste West Ham gerade gegen kleinere Teams in der Premier League einbüßen, verlor unter anderem gegen Leeds United (2:3), Southampton (2:3) und zweimal gegen Aufsteiger Brentford (1:2, 0:2).

„Moyes hat zwar einen ausgezeichneten Kader zusammengestellt, doch wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es die Kadertiefe. Er hat eine Kerngruppe von Spielern, die immer auf dem Platz stehen müssen, wenn West Ham sein Bestes geben will. Die Rotation im Kader ist sehr gering“, erklärt Clark. Ein weiteres Problem: Es fehlt ein echter Torjäger. Stürmer Michail Antonio (32) hatte einen starken Saisonstart, kämpft seither jedoch mit der Form.

Im Europa-League-Halbfinale gegen die Eintracht kommen Verletzungssorgen in der Hintermannschaft dazu. Mit Kurt Zouma (27), Angelo Ogbonna (33) und Issa Diop (25) fallen drei wichtige Kräfte aus. Damit könnte ausgerechnet West Hams ausgemachte Stärke gegen Frankfurt zur Problemzone werden.

Eintracht Frankfurt: Der berühmte Faktor Europapokal

Wenngleich in Frankfurt vieles vom furiosen Triumph gegen den FC Barcelona kaschiert wird, hat auch die Eintracht ihre Baustellen. Ähnlich, wie das beim kommenden Gegner der Fall ist, sind Punktverluste gegen kleinere Mannschaften in der Liga ein Thema. So gab es gegen Bielefeld (1:1, 0:2) sowie den FC Augsburg (0:0, 1:1) in beiden Ligaauftritten keinen Dreier, auch ein 0:0 gegen Fürth reiht sich in die Liste der Spiele, über die man als Fan ungern noch einmal sprechen würde. Zu oft fehlt die offensive Durchschlagkraft. So auch beim 0:2 bei Union Berlin – drei Tage nachdem man Barça im Camp Nou auf eine eindrucksvolle Art und Weise niederrang.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen hat die Mannschaft hier und da noch Probleme mit der Spielidee von Trainer Oliver Glasner (47). Der Österreicher setzt, genau wie sein Vorgänger Adi Hütter (52), auf Intensität und Laufbereitschaft gegen den Ball. Nach vorne läuft gerade gegen stärkere Mannschaften zwar nach wie vor vieles über Umschaltmomente, Glasner versucht jedoch – ähnlich, wie er es schon in Wolfsburg tat – auch mehr spielerische Elemente in das Repertoire seiner Mannschaft aufzunehmen.



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Darüber hinaus fehlt Glasner – ähnlich wie seinem Gegenüber Moyes – ein echter Torjäger. Bis zum Ende der vergangenen Saison lieferte Andre Silva (26, jetzt RB Leipzig) Tore am Fließband. Diese Aufgabe kommt seit der laufenden Spielzeit auf Rafael Borré (26) zurück, der seinen hohen Erwartungen jedoch noch nicht immer gerecht werden kann, sich in der Bundesliga nach wie vor zurechtfinden muss.

Die durchaus vorhandenen Probleme mal beiseite geschoben, gibt es jedoch einen Punkt, der absolut für die Eintracht spricht: Der Faktor Europapokal. Kaum eine Mannschaft weiß so gut wie die SGE, den Schalter von Liga- auf K.o.-Spiel-Modus umzuschalten. Das jüngste Beispiel ist zugleich das berühmteste: Im von Eintracht-Fans gefluteten Camp Nou lieferten die „Adler“ ein grandioses Spiel ab, wuchsen förmlich über sich hinaus. Am Ende schlugen sie mit Barça eine der formstärksten und prestigeträchtigsten Mannschaften Europas. In der Liga geht es für Frankfurt sportlich um nichts mehr, die Mannschaft kann sich also voll und ganz auf die Europa League konzentrieren. Und das ist eine Stärke, von der sich West Ham am meisten fürchten dürfte.

Prognose: Wer schafft den Finaleinzug?

West Ham ist individuell stärker aufgestellt. Auf dem Platz greifen auch die mannschaftstaktischen Mechanismen besser als bei der Eintracht, die hier und da noch ihre Probleme hat. Folglich gehen die „Hammers“ leicht favorisiert ins Halbfinale. Was für die SGE spricht? Dass dieser Wettbewerb UEFA Europa League heißt. Die Eintracht hat die frenetischen Fans und die Magie von Barcelona im Rücken.

Clark rechnet mit einem knappen Finaleinzug der Londoner. Was den restlichen Turnierverlauf angeht, erwartet der Journalist, „dass RB Leipzig gegen die Rangers weiterkommt und die Hammers nächsten Monat im Finale knapp besiegt“.

Mögliche Aufstellungen

West Ham: Aréola – Johnson, Dawson, Cresswell – Coufal, Souček, Rice, Masuaku – Fornals, Bowen – Antonio

Frankfurt: Trapp – Tuta, Hinteregger, Hasebe – Knauff, Sow, Rode, Kostić – Kamada, Lindstrøm – Borré

Photo by Getty Images

Michael Bojkov

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