Vier gewinnt! Deutschland baut in Island Tabellenfürung aus

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2:0 Liechtenstein, 6:0 Armenien. So liest sich die bisherige Länderspielbilanz von Hansi Flick. Am Mittwochabend war Deutschland zu Gast im Laugardarsvöllur, bei Island. Das Ziel war klar: Die Länderspielpause mit 9 von 9 Punkten abrunden. Wirkliche Probleme hatten sie dabei nicht. Deutschland gewann 4:0 und hat nunmehr vier Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Armenien.

Gnabry und Rüdiger runden den souveränen Auftritt ab

Eine Veränderung nahm Hansi Flick an der Startelf vom Sonntag vor: Ilkay Gündoğan spielte für den angeschlagenen Marco Reus, der mit leichten Knieproblemen abreiste. Bei den Isländern stand unter anderem der Schalker Victor Pálsson in der Startelf. Während sich Deutschland in dieser WM-Qualifikation lediglich das 1:2 gegen Nordmazedonien zu Schulden kommen ließ, sieht es für Island wesentlich ungemütlicher aus: Nur ein Sieg (4:1 in Vaduz) und ein Unentschieden (2:2 gegen Nordmazedonien) stehen für die Überraschungsmannschaft der EM 2016 zu Buche. Mit sieben Punkten Rückstand auf die zweitplatzierten Armenier – die um 18:00 Uhr nicht über ein 1:1 gegen Liechtenstein hinauskamen – ist die Qualifikation für Island so gut wie gelaufen.

 



 

Das bedeutet aber auch, dass Deutschland die Tabellenführung mit einem Erfolg auf vier Punkte ausbauen kann. Und genau darauf deuteten die ersten Minuten auch hin. Deren vier waren gerade einmal auf der Uhr, als sich Deutschland nach vorne kombinierte. Timo Werner legte einen langen Ball von Niklas Süle an der Strafraumkante links raus zu Leroy Sané, der direkt in die Mitte gab. Dort musste Serge Gnabry nur noch einschieben. Zunächst ging die Fahne hoch. Aber nach Rücksprache mit dem VAR gab Schiedsrichter Andreas Ekberg den Treffer.

Deutschland glanzlos, aber souverän – Rüdiger legt nach

In den Folgeminuten ließ Deutschland die Isländer etwas mehr gewähren. Dadurch gingen auch mehr Zweikämpfe an die Mannschaft in blau. 17. Minute, Island konnte das deutsche Pressing einmal aushebeln. Þórir Jóhann Helgason steckte für Ísak Bergmann Jóhannesson durch. Manuel Neuer parierte, ließ die Kugel nach vorne abprallen, hatte aber Glück, dass dort niemand zum Abstauben stand.

Anders als in den vergangenen Wochen und Monaten holte sich Deutschland diesmal die Spielkontrolle zurück – und zwar in Form eines Freistoßes aus halbrechter Position. Leroy Sané und Joshua Kimmich standen bereit. Letzterer chippte die Kugel an den zweiten Pfosten, wo Antonio Rüdiger zum 0:2 einköpfte. Sein zweites Länderspieltor, zum zweiten Mal auf Vorlage von Kimmich. Und damit hat es sich erstmals bezahlt gemacht, dass Hansi Flick Mads Buttgereit als Standardtrainer ins Team holte.

Mit der klareren Führung für Deutschland verflachte die Partie etwas, wenngleich sich Island nicht aufgab. 43. Minute, die Gastgeber kombinierten sich sehenswert nach vorne. Albert Gudmundsson kam mit Tempo über links und setzte in der Mitte Johannesson in Szene. Der 18-Jährige nahm die Kugel klasse an und legte nach rechts zu Jóhann Berg Gudmundsson. Doch der brachte nur einen harmlosen Außenristschuss zustande. Kein Problem für Neuer.

Und Pause. Deutschland lieferte in Island zwar nicht ein Spektakel wie gegen Armenien. Aber sie machten ihre Sache trotzdem höchstsouverän. Zwar ist bekannt, dass Island über den Kampf das Defizit an individueller Qualität teilweise wettmachen kann. Allerdings zeigte sich Deutschland – anders, als teilweise in der Vergangenheit – konsequent in der Chancenverwertung: Aus drei Großchancen machte die Mannschaft von Hansi Flick zwei Tore. Und hat damit beste Aussichten die Länderspielpause mit der vollen Punktausbeute abzuschließen.

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Sané, Werner – und viel Chancenwucher

Zweimal wechselte Hansi Flick zur Pause: Kai Havertz und Lukas Klostermann kamen für Serge Gnabry sowie Jonas Hofmann. Die erste Chance ging gleich an Deutschland: 48. Minute, Ilkay Gündoğan spielte einen perfekt temperierten Steilpass auf Timo Werner. Der brachte vor Hannes Halldórsson jedoch nur die kleine Schwester eines Abschlusses zustande. Das wäre postwendend beinahe zur Wiedervorlage gekommen: Jóhann Gudmundsson durfte von rechts nach innen ziehen, wartete ab – und schlenzte an den linken Pfosten. Albert Gudmundsson versenkte zwar den Rebound ins leere Tor, doch stand dabei abseits. Weiter 0:2.

Copyright: Matthias Koch/imago

Und dabei blieb es auch in der 55. Minute. Den Isländern flog ein eigener Standard um die Ohren, Deutschland bekam eine Drei-auf-Eins-Situation, Timo Werner legte nach rechts zu Kai Havertz, der die Kugel einen Meter am Tor vorbeischob. Keine 60 Sekunden war es dann soweit: Diesmal steckte Havertz für Werner durch, Halldórsson spielte aufmerksam mit. So kam die Kugel zu Sané. Der überlegte kurz, zum Chip anzusetzen, nahm jedoch Goretzka mit. Sané konnte in der Zwischenzeit an die Grundlinie sprinten und den Ball hoch ins kurze Eck jagen. 0:3.

Werner im dritten Versuch erfolgreich

Das war auch Sanés letzte Aktion. Jamal Musiala kam für ihn und Robin Gosens für Niklas Süle. Thilo Kehrer ging von links nach innen – und der Ball weiter nicht ins Tor. 62. Minute. Gündoğan spielte einen perfekten Steilpass nach rechts auf Lukas Klostermann. Leipzigs Rechtsverteidiger gab den Ball ideal in die Mitte, wo es Werner tatsächlich vollbrachte, die Kugel über das leere Tor zu befördern.

Nur eine Minute später fiel das 4:0 – vermeintlich. Eine abgewehrte Hereingabe versenkte Leon Goretzka per wuchtigem Dropkick im langen Eck. Da Jamal Musiala abseits stand und Halldórsson damit die Sicht nahm, zählte der Treffer nicht.

Zehn Minuten vor Schluss brachte Hansi Flick Florian Wirtz für Leon Goretzka. Und bei den Isländern kam Andri Gudjohnsen, Sohn von Islands Fußballlegende Eidur Gudjohnsen, derzeit Co-Trainer von Arnar Vidarsson. Wie sein Vater ist Andri Stürmer und steht bei Real Madrid Castilla, der zweiten Mannschaft der Königlichen unter Vertrag, wo er von Ex-Schalker Raúl trainiert wird.

In der 89. Minute fiel dann doch noch das 0:4. Musiala steckte per Hacke zu Havertz durch. Chelseas Angreifer legte zu seinem Teamkollegen Werner rüber. Der versuchte es mit der Pike, schoss abermals Halldórsson an. Die Kugel trudelte an den Innenpfosten – und über die Linie. Ekberg sicherte sich mit Videoschiedsricher Chris Kavanagh ab, ob nicht erneut eine Abseitsposition vorlag. Der Treffer zählte. 0:4.

Deutschland auf WM-Kurs, Island so gut wie ausgeschieden

Und Ende. Es ist – wieder – ein auch in der Höhe verdienter Erfolg des DFB-Teams. In der ersten Halbzeit zeigte man sich noch abgezockt. Die Isländer blieben ihrem Stil jedoch treu, was in der eigenen Defensive viele Räume offenbarte. Die nutzte Deutschland jedoch unzulänglich. Nach der Pause hätten eigentlich mehr als zwei Tore fallen müssen. Letztendlich stehen jedoch neun Punkte aus drei Spielen und deren vier an Vorsprung auf Armenien. Deutschland ist damit klar auf WM-Kurs. In der nächsten Länderspielpause geht es gegen Rumänien (H) und Nordmazedonien (A). Besonders hier hat Deutschland noch eine offene Rechnung aus dem Hinspiel zu begleichen. Für Island hingegen ist die WM-Qualifikation mit sieben Punkten Rückstand auf Armenien so gut wie gelaufen.

Der Endstand aus Laugardalsvöllur: Island 0, Deutschland 4.

Copyright: Matthias Koch/imago

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Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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