WM 2018: Player to Watch – Teil 1: Von Dolberg bis Miranchuk

Im Vorfeld...

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Bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland werden wieder zahlreiche junge Spieler im Fokus stehen und ihre ersten Erfahrungen auf der ganz großen Bühne sammeln können. Das Turnier kann einerseits ein Sprungbrett für bisher unbekannte Spieler sein, andererseits besteht für die Toptalente die Chance ihren Status zu bestätigen. 

Für unsere Rubrik „Player to Watch“ haben wir uns 16 interessanten Spielern ausführlich gewidmet. Diese Spieler stellen wir in zwei verschiedenen Artikeln vor, Teil 1 dreht sich um die ersten acht Talente, angefangen bei Kasper Dolberg, über Karol Linetty bis hin zu Alexei Miranchuk. 

 

Kasper Dolberg (20, Dänemark, Stürmer)

Er ist jung, er ist zielstrebig, er ist abschlussstark und wird nicht von wenigen Experten als einer der besten jungen Angreifer im Weltfußball angesehen – Kasper Dolberg. Nach einer schwierigen Saison bei Ajax Amsterdam (9 Pflichtspieltore bei 30 Einsätzen) steht der Stürmer bei der dänischen Nationalmannschaft, insbesondere nach dem WM-Aus von Nicklas Bendtner, im Fokus und spielt seine erste Weltmeisterschaft. Die Erwartungen sind groß, dafür sorgte Dolberg mit seinen Leistungen in den vergangenen Spielzeiten selbst. In dieser Saison stoppte ihn eine langwierige Fußverletzung von Mitte Januar bis Anfang April, mittlerweile ist der 20-jährige aber wieder in Topform.

(Photo by LISELOTTE SABROE/AFP/Getty Images)

Nun ist es so, dass es Dolberg vor allem aufgrund der Bendtner-Verletzung in diese Liste geschafft hat, denn zuvor spielte er keine allzu große Rolle in der Nationalmannschaft, schaffte es zu fünf Länderspieleinsätzen. Einerseits weil das Angebot der Dänen recht groß ist (Cornelius, Jörgensen, Bendtner, Poulsen), andererseits, weil man ihn auch im Nationalteam langsam aufbauen will. Da Dolberg, ähnlich wie Bendtner, über eine gute Physis verfügt, aber nicht nur dieses Element zu seinen Stärken zählt und Bendtner eben fehlt, könnte sich Dolberg von einem Streichkandidaten zu einem wertvollen Startspieler oder Joker entwickeln, je nachdem wie Trainer Age Hareide seine Mannschaft ausrichten möchte.

Denn das Potenzial des Ajax-Stürmers ist unbestritten enorm hoch. Trotz seiner 1,87m bringt er ein sehr gutes Tempo mit, Dolberg kann die Bälle in der Offensive festmachen, sich im kombinativen Bereich beteiligen. Seine Technik ist gut, die Ausbildung bei Ajax und der offensive, direkte Spielstil, bei dem eine saubere Ballbehandlung unabdingbar ist, macht sich bemerkbar. Ihn als klassischen Abschlussstürmer zu bezeichnen wäre dementsprechend falsch, Dolberg schafft Räume, er findet Räume und er kann seine Mitspieler in Szene setzen. Gerade in der dänischen Offensive tauchen neben den genannten Stürmerkandidaten auch noch Spieler wie Pione Sisto, Superstar Eriksen oder ein aufrückender Delaney auf.

(Photo by Jonathan NACKSTRAND / AFP)

Und das ist noch nicht alles: Er kann mit beiden Beinen abschließen, sein offensives Kopfballspiel ist gut, zudem beherrscht der das Dribbling, kann einen Gegenspieler ausspielen. Überdies zieht er viele Fouls, schafft so Möglichkeiten durch Standardsituationen – und das kann bei einem Schützen wie Eriksen und Kopfballspielern wie Christensen oder Vestergaard ein wichtiges Element sein. Natürlich muss Dolberg noch viel lernen, Erfahrungen im Europapokal und mit der Nationalmannschaft sammeln, aber nicht nur die Anlagen, sondern auch die derzeitige Gesamtsituation mit einem sicheren Platz in einer hungrigen Ajax-Elf und einer verhältnismäßig jungen dänischen Mannschaft mit viel Potenzial sind vielversprechend.

 

Ellyes Skhiri (23, Tunesien, Mittelfeldspieler)

Müsste man den 23-jährigen Ellyes Skhiri in nur einem Wort beschreiben, dann wäre dieses Wort wohl: „Dauerbrenner.“ Er spielt in der französischen Ligue 1 beim HSC Montpellier und gehört dort seit Sommer 2015 zum Aufgebot der Profimannschaft. In der Nationalmannschaft debütierte er zwar erst im März diesen Jahres, aber trotzdem gehört er bei der Weltmeisterschaft zu den interessantesten Spielern der tunesischen Nationalmannschaft. Und nicht nur das: Er ist auch einer der wichtigsten Spieler, dürfte auf der zentralen Position vor der Abwehrreihe unangefochten sein.

(Photo by Fabrice COFFRINI / AFP)

Die ganz großen Stars fehlen im Team der Tunesier, Skhiri ist aber ein Spieler, der diesen Weg – zumindest für tunesische Verhältnisse – gehen könnte. In einem System, das sich extrem über ein gefestigtes Zentrum definiert, agiert der 23-jährige einerseits als cleverer Ballverteiler, andererseits ist er in der Lage gegnerische Angriffe zu zerstören. Und das nicht etwa durch viele Foulspiele, sondern primär durch ein gutes Stellungsspiel, eine gelungene Antizipation und seine enorme Laufstärke. Seine Rolle im Spielaufbau ist enorm wichtig, von den Innenverteidigern wird Skhiri oft als erste Option gesehen, ist dann in der Lage mit der notwendigen Ruhe am Ball den potenziell vielversprechendsten Angriff einzuleiten.

Im Defensivverhalten verfügt er über einen guten Zugriff, kann so – auch im Kollektiv – individuelle Unterlegenheit kaschieren. Gerade in Montpellier schaltet sich Skhiri gerne in die Offensive ein, versucht sein Glück mit Schüssen aus der Distanz, erzielte 4 Saisontore. In der Nationalmannschaft spielt er etwas defensiver, kann sich als Schlüsselspieler wenige Ausflüge nach vorne erlauben. Seine Rolle bei dieser Weltmeisterschaft ist gerade deswegen so interessant, weil die Tunesier (außer gegen Panama) sehr viel Wert auf die Verteidigung legen muss. Gegen Belgien und England ist man individuell unterlegen und es wird auch von Skhiri abhängen, ob hier vielleicht eine Überraschung gelingt. Sein erster Auftritt auf der ganz großen Bühne könnte auch dafür sorgen, dass er sich ins Schaufenster für einen etwaigen Transfer im Sommer stellt. Die Anlagen dazu hat er auf jeden Fall.

Davinson Sanchez (21, Kolumbien, Verteidiger)

Schon vor seinem Wechsel von Ajax Amsterdam zu den Tottenham Hotspurs galt Davinson Sanchez als eines der größten Defensivtalente in Europa. Und daran hat sich seitdem nichts geändert. Die 40 Millionen Euro Ablöse, die die Spurs im Sommer 2017 investierten, schienen Sanchez nicht zu interessieren. Von Beginn an zeigte er im Verein, dass er über eine herausragende Qualität verfügt. Ob er in der Dreier- oder in der Viererkette eingesetzt wurde, war im egal. Sanchez schlug sofort ein, spielte eine sehr gute Saison mit 43 Pflichtspieleinsätzen und steht dabei erst am Anfang seiner Karriere. Und: Er ist Teil einer ungemein spannenden Mannschaft Kolumbiens, die in allen Mannschaftsteilen über individuell sehr gute Spieler verfügt.

(Photo by Aurelien Meunier/Getty Images)

Davinson Sanchez gehört zu einer sehr modernen Kategorie der Innenverteidiger. Genau wie sein Nationalmannschaftskollege Mina, der beim FC Barcelona spielt, ist er nicht nur gegen den Ball, sondern vor allem auch mit dem Ball, also im Spielaufbau, sehr wichtig. Seine Pässe sind sauber und präzise, sowohl kurze und lange Flachpässe als auch vereinzelte Diagonalbälle kann er punktgenau verteilen. In ein technisch insgesamt sehr hochwertig aufgestelltes kolumbianisches Team fügt er sich also ideal ein. Große Schwächen fallen in seinem Spiel nicht auf, der Defensivfokus Pochettinos im Verein half Sanchez in dieser Saison auch bei der Stabilisierung seines Spiels, Konzentrationsschwächen traten fast überhaupt nicht mehr auf, Stellungsfehler waren eine Seltenheit.

Der 1,87m große Sanchez ist stark im Antritt, hat ein gutes Timing in seinen Tacklings und begeht verhältnismäßig wenig Fouls. In der ganzen Saison 2017/18 kassierte er in über 3600 Pflichtspielminuten nur drei gelbe Karten, flog allerdings gegen Watford auch einmal vom Platz. Trotzdem ist Sanchez insgesamt ein sehr fairer Spieler, der seinen Körper sehr klug einzusetzen weiß, viele Bälle abläuft und gefährliche Situationen klärt indem er sich gerade unter Druck sehr handlungsschnell präsentiert. In der Nationalmannschaft muss er mehr Verantwortung übernehmen als bei den Spurs, aber auch dieser Aufgabe sollte er bereits gewachsen sein.

 

Hirving Lozano (22, Mexiko, Flügelspieler)

Etwas überraschend bekam die PSV aus Eindhoven im Sommer 2017 den Zuschlag im Rennen um den mexikanischen Offensivspieler Hirving Lozano. Noch überraschender war die Ablösesumme, die im Endeffekt rund 8 Millionen Euro betrug. Natürlich ist die Eredivisie eine hervorragende Anlaufstation für Talente, aber es waren dem Vernehmen auch größere Klubs an Lozano interessiert. Was damals nicht zustande kam, wird mit großer Sicherheit in der Zukunft passieren, denn der Eredivisie ist der Mexikaner bereits jetzt größtenteils entwachsen. Und das will er auch bei der Weltmeisterschaft in Russland zeigen, im Idealfall bereits zum Auftakt gegen Deutschland.

(Photo by Hector Vivas/Getty Images)

Lozano kann man durchaus als einen recht typischen mexikanischen Offensivspieler bezeichnen. Er ist schnell, dribbelstark, manchmal zu verspielt und könnte eine große Karriere hinlegen. Gleiches sagte man beispielsweise auch von Carlos Vela, dem im Endeffekt aber die letzten Prozentpunkte fehlten. Einer der Vorteile Lozanos ist die Tatsache, dass er auf beiden Flügeln eingesetzt werden kann, beidfüßig gefährlich ist. Außerdem kommt ihm die Tatsache, dass die mexikanische Mannschaft grundsätzlich sehr offensivstark ist und er mit dos Santos, Vela, Chicharito oder Jimenez technisch versierte Mitspieler hat, entgegen. Lozano passt hervorragend in das Konzept von Trainer Osorio, der ihm gewisse Freiheiten einräumt, gerade im Dribbling.

Denn das ist eine der wesentlichen Stärken Lozanos. Er gilt als Tempodribbler, der unglaublich schnell Fahrt aufnehmen und seine Gegner nahezu überrennen kann. Die Statistiken in den Niederlanden sprechen für sich: 29 Ligaspiele, 17 Tore, 11 Torvorlagen. Hinzu kommen 7 Tore in 26 Länderspielen. Man merkt ihm die Spielfreude auf dem Platz in fast jeder Situation an, er liebt es zu dribbeln, den Gegner mit seinen schnellen Haken vor Probleme zu stellen und in die Mitte zu ziehen um entweder einen Schuss abzugeben oder einen tödlichen Pass zu spielen.

Dennoch muss Lozano noch weiter reifen. Sein Passspiel ist manchmal unsauber, nach verlorenen Laufduellen oder Ballverlusten bleibt er mitunter stehen, wirkt etwas lustlos im Umschaltverhalten auf die Defensive. Gerade aufgrund des letzten Punktes ist es gut möglich, dass Lozano eher eine Option von der Bank ist. Aber selbst wenn er nur 15 oder 25 Minuten spielt – einen spielentscheidenden Moment kann er selbst dann haben. Mindestens.

 

Hier geht es weiter mit Linetty, Alexander-Arnold, Lo Celso, Miranchuk

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Karol Linetty (23, Polen, Mittelfeldspieler)

Denkt man an den Kader der polnischen Mannschaft, dann kommen einem abgesehen von einigen, schwer zu buchstabierenden Spielern, vor allem Stars wie Piotr Zielinski, Robert Lewandowski oder weiter bundesligabekannte Spieler wie Piszczek oder Blaszczykowski in den Sinn. Doch ein anderer Spieler aus dem zentralen Mittelfeld könnte bei dieser Weltmeisterschaft eine gute Rolle spielen: Karol Linetty. 2016 sicherte sich SerieA-Klub Sampdoria die Dienste des Mittelfeldspielers, bezahlte damals 3,2 Millionen an Lech Posen. Und diese Investition zahlte sich aus.

(Photo by Paolo Rattini/Getty Images)

In 29 Spielen in der Serie A erzielte Linetty 3 Tore und bereitete 3 weitere vor, dabei ist die Offensive nicht seine Kernkompetenz. Der 23-jährige ist ein hervorragender Verbindungsspieler, der die Rolle als höherer 6er neben Krychowiak sehr gut ausfüllen kann. Der 1,76m große Linetty wirkt etwas schmächtig, kann sich aber durchaus gut durchsetzen. Er ist kein überaus dominanter Spieler, erfüllt seine Aufgaben aber gewissenhaft, mach wenige Fehler und spielt auf einem konstant hohen Niveau. Seine größte Schwäche liegt auf der Hand – in Luftzweikämpfen zieht er regelmäßig den Kürzeren, weswegen er im Zentrum des Spielfeldes sehr gut aufgehoben ist.

Linetty kann man durchaus als Spielgestalter bezeichnen, der gerade bei der polnischen Mannschaft, sollte er mit Zielinski zusammenspielen, entlastet wird. Wie erwähnt, es fehlt ihm an der Dominanz, aber das ist auch nicht seine Aufgabe. Vielmehr soll er für Ideen sorgen, taktische Disziplin an den Tag legen und sich immer wieder mit klugen Bewegungen Räume verschaffen. Trotz seiner schmächtigen Erscheinung ist er im Tackling sehr stark, vor allem, weil Linetty über ein sehr gutes Timing verfügt. Zudem kann er sich hervorragend aus Drucksituationen befreien, seine Gegenspieler ausspielen und dann in die gefährlichen Räume vorstoßen. Insbesondere im offensiven Umschaltsspiel kann er seine Stärken sehr gut ausspielen, dementsprechend dürfte Linetty im Mittelfeld der Polen eine gute Rolle spielen.

 

Trent Alexander-Arnold (19, Verteidiger, England)

Unbekümmert, engagiert und mit viel Potenzial zu einer beeindruckenden Karriere. So kann man den 19-jährigen Trent Alexander-Arnold kurz beschreiben. Der aus der Jugend des FC Liverpool stammende Außenverteidiger war einer der Shootingstars der Premier League und ist aus dem Kader von Jürgen Klopp nicht mehr wegzudenken. Der Rechtsfuß beeindruckte durch seine Laufstärke, seine Fähigkeit schnell aus seinen Fehlern zu lernen und vor allem auch durch seine beeindruckende Mentalität. Alexander-Arnold hat das Potenzial ein toller Außenverteidiger zu werden und über kurz oder lang eine ernsthafte Alternative zu Kyle Walker zu werden.

(Photo by Alex Livesey/Getty Images)

Wirklich hervorstechende, signifikante Schwächen findet man bei Alexander-Arnold nicht. Natürlich fehlt es ihm nach seiner ersten kompletten Saison auf Profiniveau an Erfahrung, außerdem ist sein defensives Stellungsspiel punktuell ausbaufähig, seine Bilanz bei Kopfballduellen nicht überragend. Der 19-jährige, der von Jürgen Klopp viel lernen konnte, steht aber noch am Anfang seiner Karriere und wird in den kommenden Spielzeiten noch enorm viel dazulernen können. Überdies gibt es wenige Spieler, die in diesem jungen Alter bereits bei einem großen Turnier dabei sind und selbst wenn er nicht an Kyle Walker vorbeikommt und nur wenige, vielleicht gar keine Minute spielt, ist es wichtig, diese Erfahrung mitzunehmen und alles aufzusaugen, was er erlebt. Denn aufgrund des guten englischen Nachwuchses ist es definitiv realistisch, dass die „Three Lions“ – mit Alexander-Arnold – in den nächsten Turnieren eine gute Rolle spielen.

33 Pflichtspieleinsätze, über 2600 Einsatzminuten – von solchen Zahlen hätte Alexander-Arnold vor der Saison wohl nur geträumt. Er wirkt vereinzelt noch jugendlich ungestüm, doch das gehört einfach zu seiner typischen Art. Seine Laufstärke, seine Geschwindigkeit, seine Dynamik im Offensivspiel – all das zeichnet ihn aus. Sein Passspiel ist sehr sauber, gerade auf eine längere Distanz sind seine Zuspiele präzise, punktgenau und damit ist der 19-jährige in der Lage auch aus der Defensive heraus Angriffe einzuleiten. Auch flankt er gerne – und zwar aus allen Lagen. Aus vollem Lauf, von der Grundlinie, aus dem Halbfeld (!). Alexander-Arnold ist für den englischen Kader also eine ideale Ergänzung und wird dafür sorgen, dass sich Kyle Walker keinesfalls ausruhen kann.

 

Giovani Lo Celso (22, Argentinien, Mittelfeldspieler)

Thomas Tuchel darf sich auf seine Zeit als Trainer von Paris Saint-Germain freuen, denn ihm stehen nicht nur herausragende Einzelkönner zur Verfügung, sondern auch enorm spannende, talentierte Spieler, die noch einen elementaren Schritt in ihrer Karriere gehen müssen und für die der deutsche Trainer enorm wertvoll sein könnte. Zu diesen Spielern gehört auch Giovani Lo Celso, der 2016 für 10 Millionen Euro vom argentinischen Klub Rosario nach Paris wechselte, dort langsam aufgebaut wurde und mittlerweile eine sehr gute Rolle spielt. Er ist ein variabel einsetzbarer Mittelfeldallrounder mit Qualitäten, die für die Defensive und die Offensive wichtig sind. Das weiß auch Jorge Sampaoli, Nationaltrainer der argentinischen Nationalmannschaft. Und deswegen könnte Lo Celso eine der Überraschungen werden.

(Photo by Gabriel Rossi/Getty Images)

Schwächen hat Lo Celso noch im Abschluss, zudem fehlte ihm aufgrund mangelnder Körpergröße an einem guten Kopfballspiel. Der Rest seiner Fähigkeiten ist allerdings ausgeprägt – und teilweise schon jetzt überragend. Lo Celso versucht sich immer in eine Position auf dem Platz zu manövrieren, in der er anspielbar ist. Seine Ballbehandlung ist sauber, er sucht stets Lücken auf dem Platz und findet diese auch in aller Regelmäßigkeit. Im durchaus interessanten, weil vor allem ungewohnten System der Argentinier kann Lo Celso seine Stärken gut ausspielen. Er spielt zumeist eher auf der halblinken Position, kommt also schon von Natur aus in Räume, die für ihn maßgeschneidert sind. Im Gegensatz zu den Offensivstars der argentinischen Nationalmannschaft steht Lo Celso nicht so sehr im medialen Fokus – und genau das könnte ein Vorteil sein.

Interessant wird seine Rolle aber auch dann sein, wenn Sampaoli Anpassungen vornimmt, im Mittelfeld auf eine andere Ausrichtung umstellt. Lo Celso ist in der Lage taktische Anpassungen sehr schnell zu verstehen und umzusetzen. Im Defensivverhalten läuft er Lücken zu, übt Druck auf den Gegner aus, gewinnt viele wichtige Zweikämpfe, im offensiven Bereich besticht der 22-jährige durch sein starkes Passspiel, seine teilweise tödlichen Pässe und durch seine Qualitäten im Dribbling. Ende 2017 debütierte Lo Celso für die Nationalmannschaft, besitzt mit derzeit 5 Einsätzen keine allzu große Erfahrung. Aber das spielt weder für den Spieler selbst noch für Trainer Sampaoli eine große Rolle. Lo Celso wird seinen Weg gehen – vielleicht schon bei diesem Turnier.

 

Alexei Miranchuk (22, Russland, Mittelfeldspieler)

Im Vergleich mit seinem Bruder Anton ist Alexei Miranchuk, der ebenfalls bei Lokomotive Moskau unter Vertrag steht, der spannendere Spieler, der in seiner Entwicklung auch bereits etwas weiter zu sein scheint. Bisher erzielte er vier Treffer in 18 Länderspielen, spielte auch bei seinem Verein eine sehr gute Rolle. 41 Pflichtspiele, 8 Tore und 11 Vorlagen steuerte er in der abgelaufenen Spielzeit bei, doch seine Qualitäten sind weitaus vielseitiger als man es an der Anzahl der Scorerpunkte ablesen könnte. Miranchuk gehört mit seinem Bruder und Spielern wie Aleksandr Golovin zu einer jungen, überaus talentierten Generation an russischen Offensivspielern. Und die Hoffnungen der russischen Fans ruhen auch auf seinen Schultern.

(Photo by JAVIER SORIANO/AFP/Getty Images)

Alexei Miranchuk ist en Teil des Prunkstücks der russischen Mannschaft – nämlich des Offensivzentrums. Zusammen mit strategischen Spielern wie Golovin und Dzagoev und dem Anführer im Sturm, Fedor Smolov, ist Miranchuk einer der wichtigsten Spieler der „Sbornaja“. Mit seinen 22 Jahren fehlt es ihm noch an Konstanz, gerade weil er in der russischen Liga nicht permanent auf höchstem Niveau gefordert wird, aber bereits in Ansätzen erkennt man, dass Miranchuk ein begnadeter Fußballer ist, der bei entsprechender Entwicklung und einer guten, weiteren Karriereplanung noch viel von sich hören lassen wird.

Ob Miranchuk sich bei diesem Turnier, gerade aufgrund des hohen Erwartungsdrucks, als Spaß- und Instinktfußballer in den Vordergrund spielen kann, bleibt abzuwarten. Auf ihn wird jedenfalls eine wichtige Aufgabe zukommen. Er gilt als Bindeglied zwischen Golovin/Dzagoev und Angreifer Smolov, er soll den Ball halten, Chancen kreieren, selbst den Abschluss suchen und für Entlastung sorgen. Viele Aufgaben für einen 22-jährigen ohne nennenswerte internationale Erfahrung.

Trainer Cherchesov hat es geschafft Miranchuk in eine für ihn ideale Position zu manövrieren. Da er als eine Art hängende Spitze agiert fallen seine defensiven Probleme nicht besonders ins Gewicht, eine tragende Rolle in der Rückwärtsbewegung nimmt der 1,82m große Linksfuß ebenfalls nicht ein. Er ist für das Pressing mitverantwortlich, zieht Fouls, dribbelt wenn möglich gerne und viel und versucht immer wieder Smolov oder einen der nachrückenden Akteure in Szene zu setzen.

 

 

 

Am Dienstag geht es weiter – Teil 2 mit den nächsten 8 Spielern!

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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