Katar-Offizieller gibt an: „Zwischen 400 und 500“ Gastarbeiter für die WM gestorben

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News | Der für die Durchführung der Fußballweltmeisterschaft 2022 zuständige katarische Beamte hat erklärt, dass die Zahl der Gastarbeiter:innen, die bei Projekten im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft ums Leben gekommen sind, „zwischen 400 und 500“ liegt.

Kritik an neuen Zahlen aus Katar: „Beispiel für unentschuldbaren Mangel an Transparenz“

Hassan al-Thawadi (44), der Generalsekretär des Obersten Komitees für die WM-Durchführung und das Erbe, hat in einem Interview mit der Fernsehsendung Piers Morgan Uncensored über Todeszahl der Gastarbeiter:innen in Katar im Rahmen der Weltmeisterschaft gesprochen. „Die Schätzung liegt bei 400“, so Thawadi. „Zwischen 400 und 500. Ich habe keine genaue Zahl, das ist etwas, das diskutiert wird.“

„Ein Todesfall ist zu viel, so einfach ist das“, stellte Thawadi klar. „Aber jedes Jahr werden die Gesundheits- und Sicherheitsstandards auf den Baustellen besser, zumindest auf unseren Baustellen, den WM-Baustellen, für die wir verantwortlich sind. Das geht so weit, dass die Gewerkschaften die Arbeit, die auf den WM-Baustellen geleistet wurde, und die Verbesserungen loben.“

Nach dem Interview zeigte sich Nicholas McGeehan von der Interessengruppe Fair Square verärgert über Thawadis Äußerungen. „Dies ist nur das jüngste Beispiel für Katars unentschuldbaren Mangel an Transparenz in der Frage der Todesfälle unter den Arbeitern. Wir brauchen korrekte Daten und gründliche Untersuchungen, keine vagen Zahlen, die in Medieninterviews verkündet werden“, zitiert ihn The Guardian. „Die Fifa und Katar haben noch viele Fragen zu beantworten, nicht zuletzt wo, wann und wie diese Männer gestorben sind und ob ihre Familien eine Entschädigung erhalten haben.“

WM 2022: Wie und warum wir berichten 

Debatte im möglichst genaue Schätzung der Todeszahl hält seit Jahren an

Im Jahr 2021 veröffentlichte der Guardian Recherchen, die zeigten, dass mehr als 6.500 Wanderarbeiter aus fünf Ländern – Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka – in Katar zwischen Anfang 2011, dem Jahr, nachdem das Land den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft erhalten hatte, und 2020 gestorben waren. Während die Zahlen des Guardian die Gesamtzahl der Todesfälle aus allen Gründen und an allen Orten aufzeigten, haben Aktivisten immer argumentiert, dass die Fußballweltmeisterschaft einen Anstieg der Zahl der Gastarbeiter:innen, die in das Land reisen, verursacht hat. Damals sagte McGeehan: „Ein sehr großer Teil der Wanderarbeiter:innen, die seit 2011 gestorben sind, war nur im Land, weil Katar den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft erhalten hat.“

Die katarische Regierung hat die Zahlen des Guardian nicht bestritten, sagte aber, dass „die Sterblichkeitsrate in diesen Gemeinschaften innerhalb der erwarteten Bandbreite für die Größe und Demografie der Bevölkerung liegt“. Die offizielle Zahl von drei Todesfällen im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft wurde von der Fifa wiederholt und von ihrem Präsidenten Gianni Infantino in einer Rede vor dem Europäischen Rat in diesem Jahr verwendet.

Steve Cockburn, Leiter der Abteilung für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit bei Amnesty International – die Menschenrechtsorganisation rechnet sogar mit 15.000 WM-Opfern – sagte dazu: „Die anhaltende Debatte über die Zahl der Arbeiter, die bei der Vorbereitung der Fußballweltmeisterschaft ums Leben gekommen sind, macht deutlich, dass so viele Hinterbliebene immer noch auf Wahrheit und Gerechtigkeit warten. In den letzten zehn Jahren sind Tausende von Arbeitern in Särgen nach Hause zurückgekehrt, ohne dass ihren Angehörigen eine Erklärung gegeben wurde.“

(Photo by GIUSEPPE CACACE/AFP via Getty Images)

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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