Des einen Freud ist des anderen Leid: Gastarbeiter und ihre grausamen Erinnerungen an Katar

WM in Katar
WM 2022

News | Die WM in Katar ist Geschichte. Während sie für Lionel Messi und Argentinien im großen Triumph endete, verbinden die tausenden Gastarbeiter, die für den Bau der WM-Stadien zuständig waren, sehr unschöne Erinnerungen mit dem Turnier.

„Ich liebe den Fußball, aber ich kann meine dunklen Tage in Katar nicht vergessen“

Rund 400.000 Gastarbeiter aus Nepal leben in Katar. Für viele von ihnen ist der Aufenthalt im Golfstatt ein lohnendes Geschäft, da sie ihren Familien im Heimatland ein besseres Leben ermöglichen. Für ebenso viele ist Katar aber auch mit unschönen Erinnerungen verbunden. Die schlechten Arbeitsbedingungen auf den Baustellen des WM-Gastgeberstaates sind mittlerweile hinlänglich bekannt.

Thagendra Adhikar ist einer der Gastarbeiter. Gegenüber dem Guardian sagte er: „Das [Lusail] Stadion ist sehr schön. Es ist gut gestaltet. Aber ich habe viele schlechte Erinnerungen daran […] Jedes Mal, wenn ich das Stadion auf dem Bildschirm sehe, fühle ich mich schlecht. Ich wurde dort missbraucht und ausgebeutet. Ich und viele andere Arbeiter erhielten unfaire Löhne. Ich liebe den Fußball, aber ich kann meine dunklen Tage in Katar nicht vergessen.“

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Adhikari sagt, er sei gezwungen worden, 115.000 Rupien (715 Pfund) an einen Arbeitsvermittler in Nepal zu zahlen, um seinen Job zu bekommen, was ihn in Schulden stürzte. Der Vermittler habe ihm ein Gehalt von 1.200 Rial (270 Pfund) im Monat versprochen, ihm aber nur 750 Rial (170 Pfund) gezahlt, sodass er gezwungen war, unzählige Überstunden zu machen, um die Differenz auszugleichen.

„Ich mag Fußball, ich bin ein großer Fan von Lionel Messi, aber diese Weltmeisterschaft hat mein Herz nicht berührt, weil Tausende von Arbeitern wie ich in Katar nicht gut behandelt wurden“, sagt Adhikari. „Wir Arbeiter haben Blut, Schweiß und Tränen vergossen, um die Weltmeisterschaft zu ermöglichen, aber wir wurden nicht angemessen dafür bezahlt.“

Ein anderer Gastarbeiter, Bipin Magar, sei in Nepal hochverschuldet gewesen und habe einen Kredit aufnehmen müssen, um an einen Vermittler und so an die Arbeitserlaubnis in Katar zu kommen. Auch er sprach mit dem Guardian. Er habe mit einem zweijährigen Arbeitsaufenthalt im Golfstaat gerechnet, sei aber nach nur acht Monaten wieder nach Nepal zurückgeschickt worden. Auch tausenden anderen Niedriglohnarbeiter ging es wie Magar. Sie wurden gegen ihren Willen und oft noch verschuldet zurückgeschickt, da die Unternehmen angewiesen wurden, die Bauprojekte vor Beginn der WM abzuschließen. Die WM in Katar – ein Großereignis, das ihre große Schattenseite auch nach dem Turnier nicht verlieren wird.

(Photo by Buda Mendes/Getty Images)

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