Mit dem Wort „Aufstieg“ tun sie sich auf Schalke noch immer schwer. Kapitän Kenan Karaman will „irgendwann“ darüber reden, „erstmal ist wichtig, dass du in der Rückrunde punktest“. Die Rückkehr von Schalke 04 in die Fußball-Bundesliga sei „noch sehr weit weg“, betonte der Angreifer und verwies auf die „letzten Jahre“, als Königsblau der Sturz in die Drittklassigkeit gedroht hatte.
Auch Abwehrchef Nikola Katic hält sich vor dem Rückrundenstart des Tabellenführers am Samstag (20.30 Uhr/RTL und Sky) bei Hertha BSC zurück. „Ich weiß, es ist langweilig für euch, aber wir denken wirklich nur von Spiel zu Spiel“, sagte der bosnische Nationalspieler. Denn auch er weiß: Der Vorsprung von vier Punkten auf die Ränge drei und vier ist alles andere als komfortabel – und die Gegner lassen sich inzwischen von Schalke nicht mehr überraschen.
„Jetzt nimmt uns jeder noch ernster“, meinte Katic, der in der Rückrunde eine „richtig harte Herausforderung“ erwartet. Die 1:2-Pleite zum Jahresabschluss bei Eintracht Braunschweig war ein erster Fingerzeig: Der Fußball von Trainer Miron Muslic – mit starker Defensive, wenig Ballbesitz, hohem Pressing und überfallartigem Umschaltspiel – ist entschlüsselt und funktionierte zuletzt schon nicht mehr so effektiv wie in früheren Phasen der Saison.
Schalke will sich nicht zu viel mit Aufstieg beschäftigen
Hat Muslic auch einen Plan B? Zwischenzeitlich schien es, als habe Schalke auch kreativeren Fußball mit mehr Dominanz im Angebot. In einigen Heimspielen waren Fortschritte erkennbar, doch die Offensive blieb die Schwachstelle. So überragend zehn Gegentore in 17 Spielen sind, so ernüchternd sind 22 eigene Treffer – weniger als die beiden Klubs auf den Abstiegsplätzen.
„Wir wollen den nächsten Gang finden, was offensive Abläufe angeht“, sagte Muslic, das sei in der Winterpause ein „Schwerpunkt im Training“ gewesen. Ob Schalke tatsächlich nach drei Jahren in die Bundesliga zurückkehren kann, könnte sich schon in den nächsten Wochen zeigen. Denn nach Hertha heißen die Gegner 1. FC Kaiserslautern und VfL Bochum.
RTL-Experte Felix Kroos prophezeite dem Spitzenreiter bereits, dass er in der Rückrunde „einbrechen“ werde. „Schalke wird nicht aufsteigen“, sagte der ehemalige Mittelfeldspieler dem Portal t-online.de, ihm fehle die Fantasie, „was sie rein fußballerisch über ihre Abwehrstärke hinaus entwickeln können“.
Das sei sein gutes Recht, entgegnete Muslic am Donnerstag und fügte an: „Es gab sehr viele Experten, die uns in den letzten sieben Monaten gar nichts zugetraut haben, und dann haben wir uns 37 Punkte erarbeitet. So werden wir auch die nächsten vier, fünf Monate angehen – absoluter Fokus auf uns, nicht so viel von Expertenmeinungen ablenken lassen.“
Die Euphorie der Fans bremsen solche Einschätzungen ohnehin nicht. Mehr als 20.000 wollen die Königsblauen in Berlin zum Sieg schreien, alle verfügbaren Tickets für die neun Heimspiele der Rückrunde waren bereits im November innerhalb weniger Stunden vergriffen. Dass sie alle vom Aufstieg träumen, ist für Muslic „niemals eine Belastung, sondern immer Ansporn“. Man stelle sich den hohen Ambitionen, sagte der Coach RTL: „Also weg vom Bremsen, weg vom Erschrecken, sondern den nächsten Gang finden und volle Attacke.“ Auch wenn das Wort „Aufstieg“ noch schwerfällt.

