Als die Jubelgesänge zu kölschen Klängen auf der Südkurve allmählich verstummt waren, wollte Lukas Kwasniok von der brenzligen Situation der vergangenen Tage nichts mehr wissen. „Wenn der vermeintliche Druck von außen größer wird, umso ruhiger und entspannter werde ich“, sagte der Trainer des 1. FC Köln – und gab sich nach dem bedeutenden 2:1 (0:1) gegen den FSV Mainz 05 gelassen.
Dass es „von außen wohl emotionaler“ war, sei bei ihm in der Trainerkabine nicht tagtäglich angekommen. Bemerkenswert, immerhin war Kwasniok nur einen Misserfolg von einer handfesten Trainerdiskussion entfernt gewesen. Und so atmete der bislang wahrlich nicht als Stoiker in Erscheinung getretene Coach doch ein wenig auf: „Heute sind es drei Punkte mit einer gewissen Erleichterung.“
Köln hält an Kwasniok fest
Mit dem ersten Erfolg nach zuletzt acht Spielen ohne Sieg hat der Aufsteiger nun acht Punkte Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze. Sportdirektor Thomas Kessler erneuerte sein „vollstes Vertrauen“ in den Trainer, die Krise ist vorerst abgehakt.
„Wenn du länger nicht gewinnst, fühlt sich ein Sieg dann etwas größer an“, sagte Kwasniok und mahnte gleichzeitig zur Vernunft: „Aber nüchtern betrachtet gibt es genau drei Punkte für ihn. Wir sollten nüchtern bleiben.“
Für die Wende nach einer dürftigen ersten Halbzeit hatte der eingewechselte Stürmer Ragnar Ache gesorgt. In der 57. Minute köpfte der Stürmer zum Ausgleich ein, in der 86. Minute machte er den Befreiungsschlag perfekt. Zuvor war Mainz durch Stefan Bell in Führung gegangen (29.). Der Sieg sei „sehr erlösend“, sagte der Matchwinner, der von Kwasniok ein Sonderlob erhielt: „Für Raggy freut es mich, und zwar extrem, weil er hier sehr, sehr viel arbeitet“.
Vor allem dankte Kwasniok aber den Fans, sie seien „der spielentscheidende Faktor“ gewesen. Ebenjene Fans, die die jüngsten Unruhen um Kwasniok mit einem kritischen Banner vor einer Woche erst so richtig ausgelöst hatten. Die Pfiffe, die es zur Halbzeit gegeben hatte, hakte er als „menschliche Reaktion“ ab.
Viel mehr richtete er „ein Dankeschön an das Stadion, an die Südkurve und an die Mannschaft, weil sie das, was wir ihnen in der zweiten Halbzeit auf den Weg gegeben haben, nämlich mutig zu sein, beherzigt haben“, sagte Kwasniok: „Den Mutigen gehört die Welt und heute der Sieg.“
Doch, das wusste Kwasniok schon vor dem Befreiungsschlag, „Ruhe ist in Köln eher ein Fremdwort“.

