Uli Hoeneß kann sich entspannt zurücklehnen. Nicht nur, dass seine alles zermalmenden Super-Bayern das Achtelfinale in der Champions League klar vor Augen haben – beim womöglich letzten Schritt in die K.o.-Runde gegen den Außenseiter Union Saint-Gilloise drohen auch keine störenden Nebengeräusche. Denn die Ultras in der Südkurve, die „zwei-, dreitausend aktiven Unruhestifter“, die Hoeneß immer wieder „wahnsinnig machen“, sie müssen diesmal: draußen bleiben.
Nach dem Pyro-Spektakel gegen Sporting Lissabon am 9. Dezember (3:1) verhängte die UEFA für das Duell mit dem belgischen Meister am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) eine Sperrung der Blöcke 111 bis 114 im Unterrang der Südkurve – nach Bayern-Angaben rund 4800 Plätze. Aus organisatorischen Gründen musste der Klub am 8. Januar verkünden, dass beim Ringen um den 250. Sieg im größten Europacup sogar die komplette Kurve leer bleiben müsse, alle 9336 Plätze.
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, dem ein guter Draht zum Anhang nachgesagt wird, fand die Pyro-Aktion „naturgemäß nicht gut“ und nannte sie „nicht zu akzeptieren“. Einige Fans, schimpfte der Bayern-Boss, hätten „eine eigene Definition von Recht. Das ist aber nicht das richtige Recht. Es gibt Regeln, die einzuhalten sind. Und deswegen hat das da nichts zu suchen.“ Auch Patron Hoeneß ist das ewige „Theater“, zu dem er unliebsame Spruchbänder und die Kritik an Sponsorenverträgen zählt, leid.
Bayernwill den nächsten Schritt machen
Die Südkurve erklärte in einer Stellungnahme, sie habe sich bewusst für den Verstoß gegen die Bewährungsauflage der UEFA entschieden – aus Protest gegen die unliebsamen Kollektivstrafen des Verbandes. Pyrotechnik, hieß es, sei „ein wichtiges Element von Fankultur, das besondere Momente und Atmosphäre schafft“.
Vincent Kompany bedauert die Situation. „Es ist schade“, sagte der Trainer, die Unterstützung von den Rängen habe traditionell einen großen Anteil am Erfolg. „Aber wir haben noch knapp 70.000 Fans da, die voll motiviert sind.“
Wie die Bayern. Mit 15 Punkten aus sechs Spielen Tabellenzweiter, wollen sie den steinigen Umweg über die Play-offs anders als im Vorjahr unbedingt vermeiden. „Wir wollen die Punkte machen, die dann hoffentlich reichen fürs Achtelfinale. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, das uns vor die Flinte kommt“, sagte Sportvorstand Max Eberl.
Mit dem Gegner, gab er schmunzelnd zu, habe er so seine Mühe. „Ich kann sie so schwer aussprechen, deswegen sage ich: gegen die Belgier – und das mit allem Respekt.“ Aus Gründen: Saint-Gilloise, ein Stadtteilklub aus Brüssel, hat sich seit dem Aufstieg 2021 einen hervorragenden Ruf erarbeitet. „Sie machen sehr, sehr gute Arbeit und lieben es, der Außenseiter zu sein“, lobte Kompany seine Landsleute.
Der britische Unternehmer Tony Bloom, der auch an Brighton & Hove Albion oder Heart of Midlothian beteiligt ist, hob Union mit einem datengetriebenen Ansatz in die Königsklasse. Spieler wie Deniz Undav, Victor Boniface oder Mohamed Amoura und Trainer Alexander Blessin (jetzt FC St. Pauli) halfen beim Aufschwung.
In dieser Spielzeit gelang ein 3:1 beim nächsten Bayern-Gegner PSV Eindhoven und ein 1:0 in Istanbul bei Galatasaray. Achtung, Bayern? Die Münchner haben weiter große Sorgen auf der rechten Abwehrseite, sind nach dem Knallstart mit drei Siegen und 16:3 Toren aber „im Flow“, wie Kapitän Manuel Neuer betonte: „Es ist wichtig für uns, unter die ersten Acht zu kommen. Das wollen wir manifestieren.“

