Der frühere Bayern-Profi Lucas Hernández sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Gegen den heutigen Verteidiger von Paris Saint-Germain ermittelt die französische Justiz wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Schwarzarbeit. Ausgangspunkt ist eine Anzeige einer kolumbianischen Familie, die dem Weltmeister von 2018 und seiner Ehefrau massive Ausbeutung vorwirft.
Wie die Anwältin der Familie, Lola Dubois, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte, sollen Vater, Mutter und ihre drei Kinder über einen Zeitraum von rund einem Jahr für Hernández und dessen Familie gearbeitet haben – ohne jegliche rechtliche Absicherung. „Vater, Mutter und ihre drei Kinder arbeiteten ein Jahr lang ohne jegliche Rechte in dieser Familie“, so Dubois. Nach Angaben der Anwältin hätten die Betroffenen zwischen 70 und 80 Stunden pro Woche gearbeitet und dafür lediglich rund 2.000 Euro bar erhalten.
Demnach habe es weder bezahlten Urlaub noch Arbeitsverträge oder andere Dokumente gegeben, die grundlegende Arbeitnehmerrechte belegen würden. Dubois sprach in diesem Zusammenhang von „einer Form moderner Sklaverei“ – ein Vorwurf, der dem Fall eine besonders brisante Dimension verleiht.
Hernández weist Anschuldigungen entschieden zurück

Lucas Hernández und seine Ehefrau Victoria Triay bestreiten die Vorwürfe vehement. In einer Stellungnahme gegenüber AFP erklärten beide, sie seien „manipuliert“ worden und hätten „niemals in böser Absicht oder gegen das Gesetz verstoßen“. Vielmehr sei man davon ausgegangen, der Familie zu helfen. Man habe den Betroffenen geglaubt, als diese versicherten, ihre Aufenthaltssituation befinde sich in der rechtlichen Klärung.
Hernández und Triay sprechen von einem „Vertrauensbruch“ und betonen, sie hätten die Familie unterstützt und nicht ausgebeutet. Die nun eingeleiteten Ermittlungen sollen klären, ob diese Darstellung haltbar ist.
Ermittlungen laufen – PSG schweigt
Die Anzeige wurde Mitte Januar eingereicht und später von der Illustrierten Paris Match öffentlich gemacht. Die zuständigen Ermittlungen wurden der Brigade in Saint-Germain-en-Laye übertragen. Paris Saint-Germain hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Für Hernández ist der Fall besonders heikel, da er in der Vergangenheit bereits mehrfach juristisch in Erscheinung getreten ist. Der Verteidiger war unter anderem wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden, was seine öffentliche Wahrnehmung zusätzlich belastet.
Vom Bayern-Rekordeinkauf zum Justizfall
Der FC Bayern hatte Lucas Hernández im Sommer 2019 für die damalige Bundesliga-Rekordablöse von 80 Millionen Euro von Atlético Madrid verpflichtet. In München gewann der flexibel einsetzbare Defensivspieler zahlreiche Titel, darunter 2020 die Champions League. 2023 kehrte der 40-malige französische Nationalspieler ein Jahr vor Vertragsende nach Frankreich zurück und schloss sich PSG an.
Jetzt droht dem 29-Jährigen nicht nur ein erheblicher Imageschaden, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen. Der Ausgang der Ermittlungen bleibt offen – für Hernández steht jedoch bereits jetzt weit mehr als sein sportlicher Ruf auf dem Spiel.

