Nach dem durchwachsenen Start ins neue Jahr steht der FC Bayern plötzlich ungewohnt in der Kritik. Felix Magath hat sich nach dem 2:2 gegen den Hamburger SV deutlich zur aktuellen Situation beim Rekordmeister geäußert.
Auslöser war die wachsende Unzufriedenheit der Bayern-Spieler mit Schiedsrichterentscheidungen. Nach dem HSV-Remis hatten mehrere Profis ihren Frust offen gezeigt. Besonders Harry Kane fiel mit einer wütenden Bemerkung beim Gang in die Kabine auf, auch Josip Stanisic ließ seinem Ärger freien Lauf. Für Magath ist das der falsche Ansatz.
Fehlende Spannung als Kernproblem
Wie die Sport Bild berichtet, nahm der 72-Jährige kein Blatt vor den Mund. Die öffentliche Meckerei empfindet er als überzogen und unnötig. Aus seiner Sicht habe es weder gegen Augsburg noch gegen Hamburg außergewöhnliche Benachteiligungen gegeben. Stattdessen sieht Magath eine gefährliche Entwicklung. „Man sucht überall Fehler, nur nicht bei sich selbst“, so Magath. Gerade für den FC Bayern sei diese Haltung problematisch, da der Klub seiner Meinung nach über Jahre hinweg eher von Schiedsrichterentscheidungen profitiert habe als umgekehrt.
Die sportlichen Schwankungen erklärt Magath nicht alleine mit taktischen Mängeln, sondern eher mit einem strukturellen Problem. Der Vorsprung in der Bundesliga nehme dem Team die letzte Konsequenz. Wer dauerhaft ohne echten Druck an der Spitze stehe, werde leichtfertig, das sei im Fußball nichts Neues.

Vor allem Harry Kane bleibt von Magaths Analyse nicht verschont. Der frühere Bayern-Coach stellt klar, dass er den Engländer weiterhin für einen herausragenden Stürmer hält, allerdings nur in einer klar definierten Rolle. Dass Kane sich häufig tief fallen lässt, Bälle im Mittelfeld abholt oder defensiv arbeitet, sieht Magath kritisch. Sein Argument: Kane werde für Dinge gelobt, die nicht zu seinem Kernprofil gehören. „Harry Kane kann Tore schießen, das ist seine Stärke“, so Magath sinngemäß. Je weiter sich der Stürmer vom Strafraum entferne, desto weniger helfe er der Mannschaft dort, wo es wirklich zähle.
Trotz aller Kritik glaubt Magath aber nicht an echte Gefahr im Titelkampf. Der Vorsprung von aktuell sechs Punkten auf Borussia Dortmund sei komfortabel, vor allem weil die Konkurrenz zu wenig Konstanz zeige.

