Bier, Schokolade, Waffeln – was „Faktenchecker“ Julian Nagelsmann als Mitbringsel aus Brüssel im Gepäck hatte, blieb sein Geheimnis. Sicher war dagegen, dass sich der Bundestrainer mit seinen klaren Personal-Ansagen vier Monate vor der Fußball-WM einige Wochen Ruhe erkauft hat. Vor allem das leidige Torwart-Thema sollte bis zur nächsten Kadernominierung am 19. März abgeräumt sein. Doch Nagelsmann weiß, dass jede Planung ihre Tücken hat: „Die Key-Player müssen am Ende auch beim Turnier dabei sein, dass alles gut funktioniert.“
Zu diesen Schlüsselspielern wird bei der Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) definitiv nicht Bayern-Keeper Manuel Neuer gehören. Das wurde nach der Auslosung zur Nations League, die der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Niederlande, Serbien und Griechenland als Gegner beschert hat, zur Gewissheit.
„Es gibt, was die Torhüter-Thematik angeht, drei Fakten“, erklärte Nagelsmann. Zunächst sei da die „tragische Verletzung“ von Marc-André ter Stegen, „was mir unfassbar leid tut“. Aus Respekt vor dem Neuer-Erben werde er die Tür für den Schlussmann „nie ganz zu“ machen, „weil er dran wäre. Aber es muss sinnhaft sein für ihn, für uns. Aktuell sieht es nicht rosig aus“, erläuterte Nagelsmann.
WM-Ansagen: Es geht ab sofort um alles
Fakt zwei sei, „dass Manu zurückgetreten ist und noch einmal gesagt hat, dass sich an der Entscheidung nichts ändern wird“. Fakt drei? Dass Baumann „eine gute Saison spielt und es bei uns auch in der WM-Quali herausragend gut gemacht hat – und auch im März herausragend gut machen wird“. All das sage „relativ viel aus“.
Wie auf der Torhüterposition sei seine WM-Planung insgesamt „weit vorangeschritten“, ergänzte Nagelsmann. Das wird sich beim Kader für die Testspiele am 27. März in der Schweiz und drei Tage später gegen Ghana sicher widerspiegeln. Die Fälle ter Stegen oder Kai Havertz, mit dem er für März plane, zeigten aber, dass es immer „ein paar Unwägbarkeiten“ geben könne.
Wie beim Blick auf Jamal Musiala, „der langsam zu Kräften kommt“, wie der Bundestrainer erfreut beobachtet hat, im Pokal gegen Leipzig habe er „besser ausgesehen als die letzten Wochen“. Der Bayern-Star brauche Zeit, „die muss er sich geben, die gebe ich ihm sowieso“.
Gilt das auch für Niclas Füllkrug, der seine WM-Ambitionen nach seinem Wechsel zur AC Mailand wortreich unterstrichen hat? „Das ist ein Spielerprofil, das wir nicht so viel haben“, sagte Nagelsmann und verwies auf den ähnlichen Typen Tim Kleindienst. „Wir werden, das kann ich verraten, einen Kopfballspieler vorne mitnehmen.“ Füllkrug sei „herzlich eingeladen, Tore zu schießen“, und sich „nicht nur in Interviews“ zu empfehlen.
Die Nations League war bei all den WM-Themen weit weg – gespielt wird die fünfte Auflage erst von Ende September bis Mitte November. Nagelsmann zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der Auslosung.
„Das ist eine schöne Mannschaft mit vielen Topstars“, sagte er über das „geschichtsträchtige“ Duell mit Oranje. Serben und Griechen hätten nicht diese „Breite im Kader, aber trotzdem den ein oder anderen Topstar, auch bekannt aus der Bundesliga“, ergänzte er. Aber jetzt ist ja erst einmal: WM.

