Die Bundesliga-Saison 2025/26 ist Geschichte – und hinterlässt neben einem dominanten FC Bayern, Überraschungsmannschaften im Europapokal und bitteren Abstiegsdramen auch zahlreiche Aufreger und Eklats. Wir liefern einen Überblick!
Dubiose Pressekonferenzen von Frankfurts Albert Riera, ein aufgebrachter Stadionsprecher des 1. FC Köln, der per Mikrofon lautstark über die Handspielregel klagt, ein stinkefingerzeigender Steffen Baumgart und der illegale Waffenbesitzer Karim Adeyemi. Es ist an der Zeit, über die großen Aufreger der abgelaufenen Bundesliga-Spielzeit zu sprechen. Also holt eure Promillerechner und Mystery-Boxen raus und lauschet den Worten von SGE-Coach Riera.
Rieras „Bullshit“-Wutrede und Burkardt-Zoff
„Totaler Bullshit. Totaler Bullshit! Glauben Sie, ich habe ein Kommunikationsproblem mit meinen Spielern? Glauben Sie das?“, fragte Albert Riera aufgebracht die anwesenden Journalisten am 1. Mai vor dem Bundesliga-Spiel gegen den HSV im Presseraum, ehe er zum Rundumschlag ausholte und die Medienberichterstattung scharf kritisierte. „Wir sind hier nicht in der Kneipe oder im Zirkus. Das ist ein seriöser Fußballklub. Vielleicht denken Sie, dass das hier eine Kneipe ist und sprechen mit Agenten und Journalisten“, polterte Riera. „Es gibt Gift um dieses Gebäude herum, aber nicht in diesem Gebäude. Wir haben eine fantastische Beziehung zu den Spielern.“ Zuvor hatte es Berichte über mögliche Spannungen zwischen dem Spanier und seinem Stürmer Jonathan Burkardt gegeben – der Streit gipfelte in einer „Puta Madre“-Beleidigung des ehemaligen Mainzers in Richtung Riera am vorletzten Spieltag.
Schlussendlich traten auch die Ultras der SGE am letzten Spieltag, an dem nebenbei auch die Nichtqualifikation für einen europäischen Wettbewerb zumindest vorerst besiegelt wurde, mit einem Banner in Richtung Cheftrainer nach. Neben einem gellenden Pfeifkonzert gab es auch ein „Danke für nichts, Alberto“-Plakat. Was bleibt, ist eine von Aufregern geprägte Amtszeit des spanischen Fußballlehrers, der sich mit seiner aufbrausenden Art in Frankfurt wohl nicht allzu viele Freunde gemacht hat.

Die Handspielregel bringt sogar Kölns Stadionsprecher auf die Palme
Die Handspielregel bleibt auch in der Saison 2025/26 das wohl größte Mysterium im deutschen Fußball. Was der eine Schiedsrichter laufen lässt, wird beim nächsten zur spielentscheidenden Szene – sehr zum Ärger des Kölner Stadionsprechers. Dem brannten am 7. März beim Heimspiel seines Effzeh gegen Borussia Dortmund die Sicherungen durch, als er über die Lautsprecher des Rhein-Energie-Stadions dem Schiedsrichter öffentlich seine Meinung geigte – und damit seine Neutralitätspflicht vernachlässigte.
„Ich werde Ärger kriegen, aber ich sage es: In der Nachspielzeit gab es ein klares Handspiel eines Dortmunders, und das guckt sich noch nicht mal einer an“, fluchte der 71-Jährige, der im Anschluss an das Spiel eine deftige Geldstrafe zahlen musste. In der Schlussphase hatte BVB-Verteidiger Yan Couto den Ball mit dem Arm berührt. Ein VAR-Eingriff blieb trotz heftiger Proteste der Kölner Spieler aus. Der Eklat in Müngersdorf steht sinnbildlich für eine Saison, in der Diskussionen um Handspielentscheidungen und VAR-Eingriffe abermals zum Wochenprogramm gehörten.
HSV: Schwere Vorwürfe gegen Kuntz, Dompes 1,4 Promille-Fahrt
Auch der Hamburger Sport-Verein blieb in seiner Bundesliga-Premieren-Saison nach acht Jahren Zweitklassigkeit nicht von einem Skandal verschont. Was war passiert? Zunächst hatte sich der Klub Anfang Januar völlig überraschend von Sportvorstand Stefan Kuntz getrennt, „persönliche familiäre Gründe“ wurden angeführt. Doch wenige Wochen später dann die Gewissheit: Schwere Vorwürfe gegenüber dem 63-Jährigen waren der eigentliche Grund für dessen Rausschmiss in der Hansestadt. Demnach berichteten Medien von verbaler sexueller Belästigung und weiteren Anschuldigungen verschiedener Frauen im Verein gegenüber Kuntz.

Der HSV-Aufsichtsrat stufte die Vorwürfe als glaubhaft ein, Kuntz hingegen wetterte eine „Verleumdungskampagne“ und schaltete eigene Anwälte ein. Es folgte eine mediale Schlammschlacht und ein Hamburger Sportklub der immerhin klare Kante zeigte und den Darstellungen von Kuntz scharf widersprach. Der Eklat um den ehemaligen Sportvorstand trübt eine ansonsten makellose Saison. Naja fast makellos, denn Ende Januar entschied sich Hamburgs Flügelflitzer Jean-Luc Dompe dazu, betrunken in sein Auto zu steigen – mit rund 1,4 Promille.
An einem Sonntagmorgen wurde der Franzose dann um 7 Uhr morgens von der Polizei kontrolliert. Nachdem er seinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer auf der Wache abgeben musste, ließ er sich kurz darauf erneut erwischen, als er mit einem E-Roller nach Hause fahren wollte. Der HSV schloss den 30-Jährigen vorübergehend vom Mannschaftstraining und Spielbetrieb aus, zudem musste er eine Geldstrafe zahlen. Für den Wiederholungstäter keine neue Situation. War er doch schon zu Zweitligazeiten im Jahr 2023 in einen schweren Unfall inklusive Fahrerflucht verwickelt.
Mittelfingermann Baumgart und Waffenbesitzer Adeyemi
So sehr, dass er erst eine auf den Rasen geflogene Papierkugel auf das Spielfeld kickte und dafür die Rote Karte von Schiedsrichter Sven Jablonski gezeigt bekam. Mehr aber noch: Auf TV-Bildern war anschließend zu sehen, dass der Union-Coach kurz vor dem Platzverweis seinen Mittelfinger in Richtung Jablonski streckte. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel verteidigte Baumgart die Geste mit einer durchaus kuriosen Begründung, habe er doch nur „ins Leere geguckt“ und niemanden mit seinem Mittelfinger anvisieren wollen.

Niemanden anvisieren wollte der Dortmunder Karim Adeyemi mit seinem Schlagring und Taser ebenfalls nicht. Hatte er die beiden in Deutschland unter das Waffengesetz fallenden Gegenstände in einer sogenannten Mystery Box aus dem Internet erworben. Als das Paket Monate später nach der Bestellung im Jahr 2024 ankommen sollte, wurde es zuvor vom Zoll abgefangen. Die Behörden entdeckten die Gegenstände und erließen einen Strafbefehl gegen den deutschen Nationalspieler. Die Strafe summierte sich entsprechend Adeyemis Gehalt auf stolze 450.000 Euro, außerdem verdonnerte der BVB den 24-Jährigen zu Sozialstunden.

