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90PLUS » Der ewige Ochoa und der Fluch der Quinto Partido: Besiegt Mexico bei der WM die Geister der Vergangenheit?
WM 2026

Der ewige Ochoa und der Fluch der Quinto Partido: Besiegt Mexico bei der WM die Geister der Vergangenheit?

Cedric Greh
11.06.26, 14:08
Cedric Greh
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Guillermo Ochoa
Foto: Getty Images

Ohrenbetäubender Lärm. Im Estadio Azteca hebt das Dach ab, mehr als 80.000 begeisterte Fans liegen sich in den Armen. Mexiko hat soeben das Auftaktspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gewonnen und ein ganzes Land in Ekstase versetzt. El Tri hat jetzt beste Voraussetzungen für ein souveränes Weiterkommen in der eigenen Gruppe A und ist hochmotiviert, endlich den Fluch der ,,Quinto Partido“ zu brechen.

Dieses Drehbuch ist zwar noch nicht Realität, aber der Traum jedes fußballbegeisterten Mexikaners. Die Co-Gastgebernation hat sich reichlich viel vorgenommen, lastet aber auch unter enormen Druck. Das Team von Trainer Javier Aguirre will erstmals seit 1986 in ein WM-Viertelfinale einziehen, aber reicht die Qualität des Teams dafür aus? Viele bekannte Namen sind aus dem Aufgebot verschwunden, nur einer trotzt weiterhin dem Zahn der Zeit – und hebt sich auf eine Ebene mit Messi und Ronaldo. Die Hoffnungen ruhen indes auf einem 17-Jährigen.

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Mexiko und der Fluch der ,,Quinto Partido“

Ist Deutschland Schuld am Schicksal Mexikos? Zumindest gelang El Tri nach dem verlorenen WM-Viertelfinale von 1986 nach Elfmeterschießen nie wieder der Sprung in die Runde der letzten Acht. Seitdem ging es bis 2018 jedes Mal ins Achtelfinale, jedes Mal gab es das gleiche Ergebnis: Das Turnier-Aus. 2022 folgte dann der jüngste Tiefschlag. Mexiko scheiterte bereits in der Gruppenphase, ein Schlag in die Magengrube der stolzen, sowie fußballverrückten Nation.

Die fünfte Partie, die ,,Quinto Partido“. In der Regel das Viertelfinale, jedes Turnier aufs Neue so nah, und doch so unerreichbar für die Mexikaner. Dieses Jahr ist das fünfte Spiel das Achtelfinale und die Chancen auf das Erreichen der Runde der letzten 16 Teams stehen auf dem Papier nicht schlecht.

In Gruppe A trifft Aguirres Team auf Tschechien, Südafrika und und Südkorea. Eine mehr als machbare Gruppe ohne klaren Favoriten. Darin liegt der Schlüssel für den möglichen Turniererfolg Mexikos. Regelmäßig waren El Tri zweite Kraft in der Gruppenphase, gingen als Vize in die K.O.-Runde und trafen dann direkt auf ein absolutes Schwergewicht. Die Achtelfinalgegner der vergangenen Weltmeisterschaften lesen sich wie folgt: Brasilien, Niederlande, Argentinien, Argentinien, USA, Deutschland, Bulgarien. Viel zu häufig musste Mexiko als klarer Außenseiter antreten. Woran liegt das?

Mexiko hat ein starkes Teamgefüge, fehlt aber die individuelle Klasse

Mexiko ist in der Regel taktisch top organisiert und diszipliniert. Die Spieler wissen, was sie zu tun haben und bringen zudem unglaubliche Leidenschaft auf den Platz. Eine gefährliche Mischung – aber eine mit begrenztem Potential. Sie reicht, um in der Gruppenphase Pflichtaufgaben zu erfüllen und Favoriten zu ärgern. In der K.O.-Runde fehlt dann aber die individuelle Klasse und die die Qualität in der Breite des Kaders, um in einem engen Do-or-Die-Spiel nochmal nachlegen zu können.

Die ausgeloste Konstellation öffnet allerdings die mexikanische Tür mehr als nur einen Spalt breit. Ohne klaren Favoriten ist der Gruppensieg möglich – und dadurch ein Duell mit einem Gruppendritten. Dann wären die Mexikaner vermutlich favorisiert und könnten (zugegebenermaßen begünstigt durch das neue Turnierformat) eine fünfte Partie zumindest bestreiten.

Javier Aguirre
Foto: Getty Images

Auf dem Weg zum Gruppensieg soll natürlich der Heimvorteil das Zünglein an der Waage sein. Neben der Leidenschaft der Fans, die auch in den US-Stadien reichlich vertreten sein werden, spielen auch die lokalen Bedingungen eine entscheidende Rolle. Das Estadio Azteca liegt auf 2.200 Metern über dem Meeresspiegel, in diesen Höhen herrscht dünne Luft und damit weniger Sauerstoff. Die Mexikaner sind daran gewöhnt, andere Teams allerdings nicht. Zwei Vorrundenspiele bestreiten die Gastgeber im geschichtsträchtigen Fußball-Tempel. Nirgendwo auf der Welt fanden mehr WM-Spiele statt, ein junger Diego Maradona erzielte dort ein Tor durch die ,,Hand Gottes“ und später in der selben Partie das ,,Tor des Jahrhunderts“.

Auf Spieler vom Format eines Maradona kann Mexiko (überraschenderweise) nicht bauen. Keine große Schande, allerdings wartet man auch auf einen ,,normalen“ Weltklassefußballer vergeblich. Im Kader befindet sich kein Unterschiedsspieler, der einstige Hoffnungsträger Hirving Lozano (Deutschland-Fans erinnern sich) ist von der Bildfläche verschwunden. Wertvollster Akteur im Aufgebot von Aguirre ist Santiago Gimenez mit einem Marktwert von 37 Millionen Euro. Damit sticht der Stürmer klar heraus und soll neben Sechser Edson Alvarez Verantwortung übernehmen und das Team führen.

Der ewige Ochoa und ein aufstrebendes Talent

So wichtig die beiden Alphatiere auch für das Team sein werden, so verblassen sie im Glanz eines Nationalhelden. Torhüter Guillermo Ochoa ist mittlerweile 40 Jahre alt und verzeichnet 2026 seine sechste WM-Teilnahme – zusammen mit Messi und Ronaldo ist er damit Rekordhalter in dieser Statistik. Vergleichen tut er sich selbst nicht mit den beiden ehemaligen Weltfußballern, in seinem Land hat er allerdings Legendenstatus.

Ochoa spielte nie auf der ganz großen europäischen Bühne, lief aber regelmäßig bei internationalen Turnieren zu Höchstform auf und war stets ein sicherer Rückhalt für die Nationalmannschaft. Mittlerweile existiert der Mythos, dass Mexiko Ochoa versteckt und alle vier Jahre zur Weltmeisterschaft wieder ausgräbt. So ganz stimmt das natürlich nicht, der Keeper spielte vergangene Saison für AEL Limassol in der zyprischen Liga. Im Eröffnungsspiel sitzt er heute Abend nur auf der Bank, der 26-jährige Raul Rangel startet stattdessen. Kein Problem für Ochoa, der in die Rolle des Mentors schlüpft und enorm wichtig für die Kabine ist.

Sein Einfluss ist für junge Spieler unschätzbar wertvoll. Zum Beispiel für den 17-jährigen Gilberto Mora, in dem die Mexikaner einen zukünftigen Star sehen. Genug Selbstbewusstsein hat der offensive Mittelfeldspieler in jedem Fall und bezeichnete El Tri als Titelfavoriten. Realistisch gesehen verschätzt sich der Teenager damit deutlich, bewundernswert ist die breite Brust aber definitiv – zumal Mexiko genau das braucht, um den Erwartungen des Heimpublikums gerecht zu werden und nicht unter dem Performance-Druck zu zerfallen.

Gilberto Mora
Foto: Getty Images

Deutlich wird in jedem Fall: Mexiko ist alles, nur nicht langweilig. Die WM-Reise des Weltranglisten-15. könnte durchaus unterhaltsam werden – von möglichen erneuten Heldentaten Ochoas, dem Aufstieg eines Talents zum Star, und der Mission zur Beendigung des Fluch der Quinto Partido. Die Umsetzung des oben beschriebenen Drehbuchs wäre dafür aus mexikanischer Sicht ein wundervoller Auftakt.

 

 

THEMENGuillermo OchoaMexiko
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