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WM 2026: Chaos vor dem Anpfiff – Unwetter, Visa-Ärger und ein gesperrter Schiri

Fritz Pecker
10.06.26, 12:41
Fritz Pecker
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Mexiko drückt gegen Saudi-Arabien bis zum Schluss, verpasst trotzdem das Achtelfinale. Hier sieht man einen Spieler der Mexikaner.
(Photo by PATRICIA DE MELO MOREIRA/AFP via Getty Images)

Die größte Weltmeisterschaft der Geschichte beginnt – und schon vor dem Anpfiff ist das Chaos perfekt. Wetter, Politik und ein Schiedsrichter-Skandal überschatten alles, was auf dem Rasen passieren soll.

Azteka unter Wasser

Seit Tagen prasseln Unwetter auf Mexiko-Stadt nieder. Straßen stehen unter Wasser, Metro-Linien wurden zeitweise gesperrt, die Behörden haben für Teile der Millionenmetropole mehrfach die Warnstufe Orange ausgerufen. Ausgerechnet in diesem Stadion, im legendären Estadio Azteca, soll die WM 2026 am Donnerstag um 21 Uhr MESZ eröffnet werden – mit Mexiko gegen Südafrika, Shakira auf der Bühne und 83.000 Fans auf den Rängen.

Die Hoffnung der Organisatoren ruht auf einem meteorologischen Detail: In Mexiko-Stadt treffen die schweren Gewitter typischerweise erst am Nachmittag ein, das Spiel wird aber schon um 13 Uhr Ortszeit angepfiffen. Wer das beruhigend findet, hat noch nie erlebt, wie verlässlich Wetterprognosen auf 2.240 Metern Höhe sind. Das Aztekenstadion bietet zudem nur den Fans in den obersten Rängen Dachschutz – der Rest sitzt bei Starkregen schlicht im Regen. Ein Gewitter-Protokoll der FIFA sieht im Ernstfall stundenlange Unterbrechungen vor.

Immerhin: Das Stadion selbst ist ein Argument für sich. Es ist das einzige Bauwerk der Welt, in dem zum dritten Mal ein WM-Eröffnungsspiel stattfindet – nach 1970 und 1986, nach Pelé und Maradona.

Ein Schiedsrichter, der nicht pfeifen darf

Noch brisanter als das Wetter ist das, was sich hinter den Kulissen abspielt. Omar Artan, 2025 von der Afrikanischen Fußball-Konföderation zum Schiedsrichter des Jahres gewählt und der erste Somalier überhaupt, der für eine WM nominiert wurde – er darf nicht einreisen. Die US-Grenzbehörde CBP wies ihn in Miami ab. Ein anonymer Regierungsvertreter nannte CNN als Begründung angebliche „Verbindungen zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen“, konkret wurde auf die islamistische Miliz Al-Shabaab verwiesen. Weitere Details? Fehlanzeige.

Artan selbst reagierte fassungslos: Er habe die richtigen Papiere gehabt, das gültige Visum, alles korrekt beantragt. Die FIFA bestätigte knapp, dass er weder trainieren noch Spiele leiten werde – und ließ eine Anfrage zu möglichen Konsequenzen unbeantwortet. Das steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu dem, was FIFA-Präsident Gianni Infantino noch im August 2025 öffentlich versichert hatte: Bei der WM 2026 seien alle willkommen.

Rudi Völler, DFB-Sportdirektor, brachte es im Quartier in Winston-Salem so auf den Punkt, wie man es von einem Funktionär kurz vor Turnierbeginn noch erwarten kann: „Ich hätte es auch gerne anders gehabt. Das ist nicht schön.“ Eine diplomatische Formulierung – aber immerhin eine klare Haltung.

Grenzkontrollen als WM-Begleitung

Der Fall Artan ist kein Einzelfall, sondern Symptom. Somalia gehört zu den 39 Staaten, deren Staatsangehörige unter den verschärften US-Einreiseregelungen der Trump-Administration besonders rigoros überprüft werden. Nationalmannschaften aus dem Senegal und Belgien berichteten von intensiven Kontrollen und Ganzkörperdurchsuchungen bei der Einreise. Iran durfte seine Generalprobe nicht auf US-Territorium austragen.

Und Trump selbst? Er wird dem Eröffnungsspiel fernbleiben – zwischen ihm und der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum herrscht wenig Sympathie. Beim NBA-Finale in New York wurde er von den Fans ausgebuht. Im Aztekenstadion hätte er wohl Ähnliches erwartet.

DFB: Sportlich fokussiert, politisch nervös

Während Mexiko-Stadt das Chaos managt, bereitet sich die deutsche Nationalmannschaft in North Carolina auf ihr Auftaktspiel vor – am 14. Juni in Houston gegen Curaçao. Julian Nagelsmann hat den Fokus auf das Umschaltspiel gelegt, hinter den Kulissen laufen aber bereits Gespräche über die Zukunft von Joshua Kimmich und die langfristige Ausrichtung mit dem Bundestrainer über das Turnier hinaus.

Die WM beginnt also mit allem, was sie sein soll: laut, unberechenbar, politisch aufgeladen. Und das Spiel hat noch nicht einmal angefangen.

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