Vor dem Turnier haben prominente Stimmen aus dem Fußball zum Boykott aufgerufen, eine Menschenrechtsorganisation hat eine Ethikbeschwerde gegen Infantino eingereicht, und der FIFA-Präsident hat einen Friedenspreis an Donald Trump vergeben. Ein nüchterner Blick auf ein politisches Umfeld, das sich nicht vom Turnier trennen lässt — und auf die Frage, was davon Folgen hat.
Die Gemengelage ist dicht, und sie gehört zur WM, ob man will oder nicht. Klaus schreibt über Fußball, nicht über Politik — aber wo das Umfeld auf den Wettbewerb wirkt, ist die Einordnung Pflicht.
Was belegt ist
Belegt sind die Vorgänge selbst, nicht ihre Bewertung. Infantino überreichte Trump beim WM-Auslosungsabend im Dezember einen erstmals vergebenen FIFA-Friedenspreis; die Organisation FairSquare reichte daraufhin laut The Athletic eine achtseitige Ethikbeschwerde ein und verwies auf die selbst erklärte politische Neutralität der FIFA. Boykottaufrufe kamen unter anderem vom früheren FIFA-Reformbeauftragten Mark Pieth und wurden von Ex-Präsident Blatter öffentlich gestützt; Kritiker nennen die Einwanderungspolitik, außenpolitische Spannungen und Einreisebeschränkungen. Infantino wies die Aufrufe zurück mit dem Argument, niemand fordere einen wirtschaftlichen Boykott eines Landes, „warum also Fußball“.
Warum ein Boykott unwahrscheinlich bleibt
Aus der Logik der Anreize heraus ist die Frage schnell beantwortet. Ein einzelner Verband, der die WM boykottierte, riskierte FIFA-Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus weiteren Wettbewerben — der Fall Russlands, seit dem Einmarsch in die Ukraine ohne Pflichtspiel, zeigt die Dimension. Der Preis für einen Alleingang ist so hoch, dass die Wahrscheinlichkeit, wie ein Organisator des Turniers von 1994 sagte, „gegen null“ geht. Empörung ist billig, ein Boykott ist teuer — und genau diese Asymmetrie hält die Teilnehmerfelder zusammen.
Was sich nicht ausblenden lässt
An dem politischen Umfeld ist die Faktenlage klar, die Wirkung auf den Rasen begrenzt. Die Boykottaufrufe sind real, ihre Umsetzung ist unwahrscheinlich; die Ethikbeschwerde ist eingereicht, ihr Ausgang offen. Für die nüchterne Betrachtung gilt: Das Turnier findet statt, mit allen 48 Mannschaften, und die Debatten darüber begleiten es, ohne es zu verhindern. Was bleibt, ist eine WM, die stärker als ihre Vorgänger im politischen Scheinwerfer steht — und eine FIFA, die diese Nähe selbst gesucht hat.

