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90PLUS » Der letzte Maestro: Warum die Fußballwelt noch einmal auf Modric blickt
WM 2026

Der letzte Maestro: Warum die Fußballwelt noch einmal auf Modric blickt

Lukas Hetterich
16.06.26, 23:33
Lukas Hetterich
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Luka Modric
Foto: IMAGO / TheNews2

Luka Modric steht bei der WM 2026 vor seinem womöglich letzten großen Auftritt im Trikot Kroatiens. Für den 40-Jährigen ist es schon die fünfte Weltmeisterschaft und möglicherweise die letzte Chance auf den Titel, der seiner einzigartigen Karriere noch fehlt.

Zwei Jahrzehnte liegen zwischen Modrics WM-Debüt 2006 in Deutschland und seinem Auftritt 2026 in Nordamerika. Damals stand Lionel Messi noch am Anfang seiner Nationalmannschaftskarriere und Cristiano Ronaldo war weit von seinen Rekorden entfernt. Heute gehören alle drei zu den größten Spielern der Fußballgeschichte.

Zwischenzeitlich gewann Modric sechsmal die Champions League, einmal den Ballon d’Or und führte Kroatien zu den größten Erfolgen seiner Geschichte. Trotzdem fehlt ihm mit der Weltmeisterschaft bis heute der Titel, der Legenden unsterblich macht. Nach Silber 2018 und Bronze 2022 bietet sich dem Mittelfeldspieler nun womöglich die letzte Chance, seine ohne Zweifel außergewöhnliche Laufbahn zu vollenden.

Vom Kriegskind zum Weltstar

Die Geschichte von Luka Modric beginnt weit entfernt von den großen Stadien Europas. Während des Kroatienkriegs verbrachte er Teile seiner Kindheit in Schutzbunkern. Der Fußball wurde in diesen Jahren zu einem Rückzugsort und zu einem Stück Normalität in einer schwierigen Zeit. Kaum zu glauben, dass sich aus dem schmächtigen Jungen später einer der größten Mittelfeldspieler der Geschichte entwickelte.

Modric Real Madrid
Foto: Getty Images

Sein fußballerischer Weg führte über Dinamo Zagreb und Tottenham Hotspur schließlich zu Real Madrid. Dort schrieb Modric Fußballgeschichte. In 13 Jahren gewann er mit den Königlichen unter anderem sechs Champions-League-Titel und mehrere Meisterschaften. Dabei war er nie der lauteste Star oder der Spieler mit den spektakulärsten Statistiken, seine größte Stärke lag oft im Verborgenen, im berühmten „Pass vor dem Pass“. Er brachte Kontrolle ins Spiel und las es, wie kaum ein anderer seiner Generation. Dass Modric 2018 den Ballon d’Or gewann und damit die über ein Jahrzehnt andauernde Dominanz von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo durchbrach war wohl die größte Anerkennung für eine Karriere, die häufig im Schatten der großen Schlagzeilen verlief.

Der Mann, der Kroatien veränderte

Mit der Nationalmannschaft erreichte Modric vielleicht sogar noch Größeres als im Verein. Als Kapitän führte er Kroatien 2018 überraschend bis ins WM-Finale nach Moskau. Erst Frankreich stoppte den Traum vom Titel mit einem 4:2-Sieg. Modric wurde aber trotzdem als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.

Vier Jahre später bewies Kroatien erneut seine gewonnene Turnierstärke. Bei der WM in Katar erreichte die Mannschaft noch einmal das Halbfinale und gewann am Ende Bronze (2:1-Sieg gegen Marokko). Insgesamt stand Kroatien bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften jeweils unter den besten vier Teams der Welt. Für ein Land mit weniger Einwohnern als Berlin ist das durchaus bemerkenswert.

(Photo by Elsa/Getty Images)

Mittlerweile hat ein Großteil der Helden von 2018 ihre Nationalmannschaftskarriere beendet, aber Modric ist geblieben. Er führt weiterhin eine neue Generation an und übernimmt mittlerweile die Rolle eines Mentors. Trainer Zlatko Dalic setzt nach wie vor auf die Erfahrung seiner Führungsspieler und vor allem auf seinen Kapitän. Im zweiten Gruppenspiel der WM gegen Panama könnte Modric sogar sein 200. Länderspiel für Kroatien absolvieren, womit er eine Marke durchbrechen würde, die nur die wenigsten Spieler der Fußballgeschichte erreicht haben (aktuell haben nur Messi ((199)) und Ronaldo ((228)) mehr Partien auf diesem Niveau bestritten)

Ein letztes Kapitel ist noch offen

Viele hatten erwartet, dass Modric schon nach der WM 2022 oder spätestens nach der enttäuschenden Europameisterschaft 2024 (Aus in der Gruppenphase) zurücktreten würde, doch der Kroate machte weiter und will es noch einmal wissen. Nach seinem Abschied von Real Madrid wechselte er zur AC Mailand und blieb auch dort trotz seines Alters eine feste Größe im Mittelfeld. Erst ein Jochbeinbruch im Frühjahr bremste ihn kurzzeitig aus.

Luka Modric
Foto: Getty Images

Im Nationalteam übernimmt Modric weiterhin eine offensivere Rolle als im Verein. Im WM-Testspiel gegen Slowenien zeigte er mit einem Distanzschuss zur Führung, dass seine Qualitäten noch immer vorhanden sind. Seine Beine mögen nicht mehr dieselben sein wie vor zehn oder sogar zwanzig Jahren, an Übersicht, Technik und Spielintelligenz mangelt es dem 40-Jährigen aber nicht.

Über seine Zukunft spricht Modric kaum. Sein Fokus liege ausschließlich auf der Weltmeisterschaft, erklärte er zuletzt. Kroatiens größte Stärke sei seit Jahren der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, dieser Teamgeist hatte das Land 2018 und 2022 weit getragen. Dass er seine Karriere mit dem Weltmeistertitel krönen wird scheint angesichts der großen Konkurrenz im Weltfußball eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Kapitän in Nordamerika ein letztes Mal das kroatische Trikot trägt und damit eine Ära zu Ende gehen wird, denn nur wenige Fußballer haben die vergangenen zwanzig Jahre auf die Art und Weise geprägt wie Luka Modric.

THEMENAC MailandkroatienLuka ModricReal MadridWM 2026
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