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90PLUS » Wieder gegen Kroatien: Englands Wunde von 2018 ist noch offen
WM 2026

Wieder gegen Kroatien: Englands Wunde von 2018 ist noch offen

Lukas Hetterich
17.06.26, 00:35
Lukas Hetterich
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Kroatien England 2018
Foto: IMAGO / Agencia EFE

Wenn England und Kroatien bei der WM 2026 wieder aufeinandertreffen, schwingt automatisch ein Abend aus Moskau mit. Das Halbfinale der Weltmeisterschaft 2018 war für die Engländer die große Chance auf das erste WM-Endspiel seit 1966. Für Kroatien wurde es am Ende zur größten Fußballnacht der eigenen Geschichte.

Am 11. Juli 2018 gewann Kroatien im Luschniki-Stadion mit 2:1 nach Verlängerung gegen England. Kieran Trippier brachte die Three Lions früh in Führung, Ivan Perisic glich nach der Pause aus, Mario Mandzukic erzielte in der 109. Minute den entscheidenden Treffer und Kroatien stand zum ersten Mal in einem WM-Finale. England blieb nur der bittere Weg ins Spiel um Platz drei.

England startet perfekt und verliert trotzdem die Kontrolle

Dabei begann der Abend aus englischer Sicht nahezu ideal. Schon in der fünften Minute traf Trippier mit einem sehenswerten Freistoß zur Führung. England wirkte danach stabil, wach und deutlich frischer. Harry Maguire kam nach einer Ecke zur nächsten guten Chance, Harry Kane hätte später sogar erhöhen können.

England Kroatien 2018 Trippier
Foto: IMAGO / Focus Images

Kroatien fand zunächst kaum ins Spiel. Der Aufbau war langsam, viele Pässe kamen ungenau und Luka Modric wurde im Zentrum eng bearbeitet. England stand kompakt, gewann viele zweite Bälle und wirkte in den wichtigen Momenten einen Tick schneller. Zur Halbzeit war die Führung verdient. Darin lag später auch das Problem, denn das Team von Gareth Southgate nutzte die bessere Anfangsphase nicht konsequent genug. Statt das zweite Tor nachzulegen, gab man den Kroaten die Möglichkeit, im Spiel zu bleiben, gegen diese kroatische Generation war das gefährlich.

Perisic kippt das Spiel, Mandzukic vollendet die Sensation

Nach der Pause veränderte sich die Partie. Kroatien wurde mutiger, gewann mehr Kontrolle im Mittelfeld und brachte England immer stärker ins Laufen. Und wenn Kroatien damals besser wurde, hatte das fast immer auch mit Modric zu tun. Der Kapitän bestimmte den Rhythmus und gab seiner Mannschaft die Ruhe zurück.

In der 68. Minute fiel der Ausgleich. Sime Vrsaljko flankte von rechts, Perisic setzte sich im Strafraum durch und bugsierte den Ball artistisch an Jordan Pickford vorbei ins Tor. Plötzlich war das Spiel offen, England wirkte verunsichert, Kroatien hellwach. Nur wenige Minuten später traf Perisic den Pfosten. Mandzukic scheiterte später an Pickford und die Partie war gekippt.

England Kroatien 2018 Mandzukic
Foto: IMAGO / Sven Simon

In der Verlängerung hatte England noch einmal eine große Chance. John Stones köpfte nach einer Ecke gefährlich aufs Tor, aber Vrsaljko rettete auf der Linie. Kurz darauf schlug Kroatien zu: Nach einer Kopfballverlängerung reagierte Mandzukic schneller als die englische Defensive, tauchte frei vor Pickford auf und traf aus halblinker Position zum 2:1. Im Finale verloren die Kroaten 2:4 gegen Frankreich, England verlore das Spiel um Platz drei 0:2 gegen Belgien.

Kroatiens Mythos entsteht auch aus solchen Nächten

Der Sieg gegen England wurde zu einem Symbol für Kroatiens Turnieridentität. Schon zuvor hatte die Mannschaft gegen Dänemark und Russland jeweils 120 Minuten gehen müssen. Auch gegen England wirkte sie zwischenzeitlich müde, fand aber wieder einen Weg, in der Folge wurde diese Widerstandskraft zum Markenzeichen. Modric stand sinnbildlich dafür. Er war nicht der lauteste Spieler, aber der Fixpunkt. 2018 wurde er später als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet und gewann den Ballon d’Or, das Halbfinale gegen England war ein wichtiger Teil dieser Geschichte.

Für England blieb das Gefühl einer verpassten Jahrhundertchance. Die Three Lions hatten die einfachere Seite des Turnierbaums erwischt, erstmals seit langer Zeit wieder eine echte Euphorie entfacht und waren früh auf Finalkurs. Doch gegen den ersten richtig großen Gegner reichte der gute Start nicht. Spielerisch und technisch wurden die Grenzen sichtbar, die Kroatien im Laufe des Spiels immer deutlicher aufdeckte.

England Kroatien 2018 Modric Kane
Foto: IMAGO / Shutterstock

Die Geister von Moskau

Acht Jahre später bekommt dieses Duell bei der WM 2026 eine neue Bedeutung. England reist wieder mit großen Ambitionen an, diesmal unter Thomas Tuchel und mit einer Mannschaft, die als einer der Titelkandidaten gilt. Kroatien ist nicht mehr ganz die Mannschaft von 2018, aber Modric ist noch immer da. Mit 40 Jahren führt er sein Land einmal mehr an, womöglich zum letzten Mal bei einer Weltmeisterschaft. Der Rückblick uf 2018 wirkt so passend, denn das Spiel erzählt viel darüber, warum Kroatien bei großen Turnieren nie unterschätzt werden darf. England weiß das besser als fast jede andere Mannschaft.

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