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90PLUS » Luka Modric: Fußballgott mit irdischen Problemen
WM 2026

Luka Modric: Fußballgott mit irdischen Problemen

90PLUS
22.06.26, 08:56
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Luka Modric
Foto: Getty Images

Auf dem Rasen ist Luka Modric unfehlbar, die unantastbare Reinkarnation des Fußball-Gottes. Dieses heilige Gebot galt in Kroatien zwei Dekaden lang, doch bei seiner fünften und letzten WM bröckelt der Mythos plötzlich. Ausgerechnet vor seinem 200. Länderspiel offenbart der bald 41 Jahre alte Maestro ganz menschliche Schwächen.

Vor der zweiten Gruppenpartie in der Nacht zum Mittwoch (1.00 Uhr/MagentaTV) in Toronto gegen Panama, in welcher der Vize-Weltmeister von 2018 im schlimmsten Fall aus dem Turnier ausscheiden kann, diskutiert Kroatien über Modric. Die Zeitung 24sata ließ ihre Leser gar abstimmen, ob der Star-Regisseur nach seiner schwachen Vorstellung zum Auftakt gegen England (2:4) weiterhin in der Startelf stehen sollte.

Modric will weiterkämpfen

Modric selbst gab sich kämpferisch, nachdem er bereits in der 9. Minute den Elfmeter zum 0:1 gegen die „Three Lions“ mit einem amateurhaften Foul völlig unnötig verschuldet hatte und nach 58 Minuten ausgewechselt wurde, weil er ansonsten kaum Einfluss aufs Spiel nahm. „Wir müssen das hinter uns lassen, wir haben noch zwei Spiele vor uns. Ich bin mir sicher, dass es besser laufen wird und dass wir hier unser Mindestziel erreichen werden“, sagte der Spielmacher von der AC Mailand.

In der Heimat sorgen sie sich um Modric, auch Kritik gibt es. „Man sieht, dass Luka leidet, er will, aber er kann nicht mehr so wie früher“, schrieb die Zeitung Jutarnji list. Er wird es wegstecken können, Modric hat schon Heftigeres überstanden. Den kollektiven Liebesentzug der kroatischen Bevölkerung vor acht Jahren zum Beispiel, als öffentlich geworden war, dass er im Prozess gegen den Fußballpaten Zdravko Mamic falsche Aussagen gemacht haben soll.

Jene Angelegenheit ist bei der WM 2026 kein großes Thema mehr, stattdessen beschäftigt Kroatien das, was Modric noch mit dem Ball am Fuß zu leisten imstande ist. 24sata müht sich nun, Hoffnung zu schüren. Zwar habe er gegen England eine „tragische Figur“ abgegeben, trotzdem sei die Überzeugung da, dass Modric „seinen ‚letzten Tanz‘ stilvoll tanzen wird“.

Derartiges Vertrauen hat sich der Mann, der sein Land 2018 in Russland bis ins WM-Finale und vier Jahre später in Katar auf Platz drei führte, freilich verdient. Auch Nationaltrainer Zlatko Dalic frohlockte kürzlich: „Gott sei Dank ist er noch bei uns.“ In seinem 200. Länderspiel – vor ihm erreichten lediglich Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Bader Al-Mutawa aus Kuwait diesen Meilenstein – steht Modric jedoch unter Druck.

Sollte Kroatien sensationell gegen den Außenseiter aus Mittelamerika verlieren und Ghana den Engländern ein Remis abtrotzen, wären Modric und Co. in der Gruppenphase gescheitert. Wie schon vor zwei Jahren bei der EM in Deutschland, als die kroatische Altherrenriege beim Vorrundenaus weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Analog zu damals sind auch bei der XXL-WM Modrics ebenfalls betagte „Jünger“ Ivan Perisic (37), Andrej Kramaric (35) aus Hoffenheim und Mateo Kovacic (32) immer noch dabei.

Aber es ist Luka Modric, bei dem Kroatiens Fußball-Seele nach Errettung sucht.

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