Auf den Inseln des ewigen Sommers tobt eine Party, die kein Ende nimmt. Zwischen Traumstränden, spektakulären Vulkanlandschaften und unberührter Natur feiern eine halbe Million Kapverdianer ihr unwirkliches WM-Märchen, das die ganze Welt in seinen Bann zieht. Am Horizont über dem Atlantik zeichnet sich bereits das nächste Kapitel dieser „Cinderella-Story“ (New York Post) ab.
„Wenn wir gewinnen, sind wir weiter. Egal, welcher Platz es dann wird. Seit wir hier angekommen sind, war das unser Ziel“, sagt Nationalspieler Roberto „Pico“ Lopes vor dem Showdown im 7500 Kilometer entfernten Houston. Er und seine Teamkollegen hätten von dieser Chance „geträumt, wir haben daran geglaubt – und jetzt sind wir hier und wollen mehr“.
Gegen Saudi-Arabien kann Kap Verde in der Nacht auf Samstag (2.00 Uhr/ARD und MagentaTV) bei seinem WM-Debüt tatsächlich die K.o.-Runde erreichen. Nach den Sensationspunkten gegen die ehemaligen Weltmeister Spanien (0:0) und Uruguay (2:2) ist mit einem Sieg sogar der Gruppensieg möglich, mit einem weiteren Unentschieden könnte es zumindest als Gruppendritter für das Sechzehntelfinale reichen.
Kap Verde träumt von mehr
„Für die Welt mag es eine Überraschung sein, aber für uns nicht“, sagt der erste kapverdische WM-Torschütze Kevin Pina über den bisherigen Turnierverlauf. „Egal, wie klein du auch bist“, meint auch Trainer Pedro Leitao Brito, den alle nur „Bubista“ nennen, „wenn du den Willen hast, für das zu kämpfen, was du haben willst, dann erreichst du es auch meistens.“
Die Kapverden seien „eine Nation von Kriegern“, die Mannschaft – bestehend aus Legionären, die in 14 verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt spielen – habe „so viel Talent und Leidenschaft“, schwärmt Ersatztorhüter CJ dos Santos. Deshalb, fordert Pina, „geht es jetzt darum, unserem Volk weiter Freude zu bereiten“.
Etwa 570 Kilometer vor der Westküste Afrikas, wo jede der neun bewohnten kapverdischen Inseln ihr ganz eigenes Flair hat, werden die Menschen am Donnerstagabend um 23.00 Uhr Ortszeit bei 26 Grad erneut die Nacht zum Tage machen. Und natürlich auch überall sonst auf der Welt, besonders in Portugal und den USA, wo sich viele Kapverdianer aufgrund mangelnder Perspektiven und Arbeitslosigkeit in der Heimat niedergelassen haben.
„Wir zeigen, dass ein Land klein sein und finanzielle Schwierigkeiten haben kann, aber wenn es Widerstandsfähigkeit und Durchhaltevermögen besitzt und gut organisiert ist, kann es mit den großen Nationalmannschaften mithalten“, sagt Bubista. Und wie!
Nach den bisherigen Leistungen haben sich seine Spieler um Torwartheld Vozinha gar eine leichte Favoritenrolle gegen den Wüstenstaat erarbeitet. „Wir respektieren unsere Gegner und kennen ihre Qualität“, sagt Bubista. Aber man sei „hierhergekommen, um einen Traum zu verwirklichen“. Und der ist nun mal die K.o.-Runde.

