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90PLUS » Klopp und das System RB: Warum ein erfolgreicher Trainer gehen musste
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Klopp und das System RB: Warum ein erfolgreicher Trainer gehen musste

Klaus Hürbl
25.06.26, 14:00
Klaus Hürbl
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Jürgen Klopp
Foto: Getty Images

RB Leipzig hat sich nach nur einem Jahr von Ole Werner getrennt, obwohl der Trainer sportlich lieferte. Jürgen Klopp, beim Red-Bull-Konzern als oberster Fußballchef installiert, nennt seine Rolle dabei „beratend“. In der Branche glaubt das kaum jemand — und der Vorgang sagt mehr über das System als über die Personalie.

Was bestätigt ist und was nicht

Bestätigt ist das Ergebnis: Werner ist weg, Martín Demichelis sein Nachfolger. Berichten zufolge war Klopp die treibende Kraft hinter der Trennung und soll den Kontakt zu Demichelis hergestellt haben, während er selbst von einer bloß beratenden Funktion spricht. Ebenfalls kolportiert wird, dass Klopps Präsenz auf mögliche Kandidaten abschreckend wirke — genannt wird Oliver Glasner, der nach seinem Abschied von Crystal Palace und einem Titelgewinn verfügbar gewesen wäre. Was davon Strategie und was Zufall ist, lässt sich von außen nicht abschließend trennen; das Muster aber ist lesbar.

Die Logik dahinter

Einen Trainer zu entlassen, der Erfolg hat, wirkt auf den ersten Blick widersinnig. Im Red-Bull-Modell ergibt es eine eigene Logik: Nicht der Trainer ist der Souverän, sondern die sportliche Struktur, der er sich einfügt. Wer in diesem System arbeitet, liefert nicht nur Ergebnisse, sondern eine bestimmte Spielidee und die Bereitschaft, junge Spieler zu entwickeln und weiterzureichen. Passt das eine nicht zum anderen, wiegt der Erfolg einer einzelnen Saison weniger als die Linie des Ganzen. Dass ein erfolgreicher Trainer gehen muss, ist in dieser Lesart kein Bruch mit dem Modell, sondern dessen Bestätigung.

Der Preis der Klarheit

Diese Klarheit hat ihren Preis, und er zeigt sich am Trainermarkt. Eine Struktur, die den Trainer als austauschbares Element behandelt und mit einer prominenten Instanz wie Klopp im Hintergrund operiert, verengt zwangsläufig den Kreis derer, die den Posten reizvoll finden. Trainer mit eigenem Standing müssen abwägen, wie viel Gestaltungsraum ihnen bleibt, wenn die Richtung von oben gesetzt wird. Das ist kein Konstruktionsfehler — es ist eine bewusste Entscheidung, die Kontrolle über die Kontinuität höher zu gewichten als die Anziehungskraft auf große Namen.

Wofür das System steht

Am Ende ist der Fall Werner ein Lehrstück über die Prioritäten des Klubs. Wo andere Vereine den Trainer zur Identifikationsfigur machen, behandelt RB ihn als Funktion innerhalb eines Plans, der ihn überdauert. Klopps Rolle, ob beratend oder treibend, ist die des Hüters dieses Plans. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich nicht an Demichelis‘ erster Saison zeigen, sondern daran, ob das Modell weiter Spieler und Werte produziert, die seine Härte rechtfertigen. Bis dahin gilt: In Leipzig ist der Trainer nicht das Projekt — er arbeitet ihm zu.

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