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90PLUS » WM 2026, Sechzehntelfinale: Quoten, Prognose und sechs Favoriten, die kürzer notieren als sie spielen
WM 2026

WM 2026, Sechzehntelfinale: Quoten, Prognose und sechs Favoriten, die kürzer notieren als sie spielen

Klaus Hürbl
27.06.26, 09:32
Klaus Hürbl
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FIFA WM 2026
Foto: Getty Images

Die Runde der letzten 32 beginnt am Sonntag, und der erste Sechser-Block dieser K.-o.-Phase liefert eine Lehrstunde in Quoten-Lesart: auf dem Papier sechs Favoriten, in der Realität exakt einer mit einer reinen Spielzeit-Siegwahrscheinlichkeit über 70 Prozent. Eine Prognose zu Südafrika, Brasilien, Deutschland, den Niederlanden, der Elfenbeinküste und Frankreich — samt ein paar Tipps, die der Markt anders bepreist, als es die Modelle vermuten lassen.

Wer die ersten sechs Sechzehntelfinals dieser Weltmeisterschaft nur an den kurzen Favoritenpreisen abliest, kommt zu einem bequemen Schluss: sechs gesetzte Mannschaften, sechs erwartbare Sieger. Aus zwölf Jahren am Trading-Desk weiß man jedoch, dass kurze Quoten nicht dasselbe sind wie sichere Spiele — sie sind oft nur die Summe aus Namen, Markenwert und Wettverhalten der Masse. Rechnet man die Margen heraus und legt die Vorrundenform daneben, schrumpft der vermeintliche Favoriten-Block auf eine einzige wirklich saubere Partie zusammen. Der Rest ist näher, als 1,28 oder 1,40 suggerieren.

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Die Quoten zur Runde der letzten 32 im Überblick

Partie (Anstoß MESZ) 1 X 2 Über 2,5 Unter 2,5
Südafrika – Kanada (So 28.6., 21:00) 5,50 3,50 1,71 2,20 1,64
Brasilien – Japan (Mo 29.6., 19:00) 1,73 3,66 5,00 2,05 1,74
Deutschland – Paraguay (Mo 29.6., 22:30) 1,40 4,75 8,00 1,74 2,05
Niederlande – Marokko (Di 30.6., 03:00) 2,12 3,25 3,66 2,20 1,64
Elfenbeinküste – Norwegen (Di 30.6., 19:00) 3,75 3,40 2,00 1,95 1,86
Frankreich – Schweden (Di 30.6., 23:00) 1,28 5,50 10,00 1,66 2,15

Abgebildet sind hier die Dreiweg- und die Über/Unter-2,5-Märkte. Eigene „Weiterkommen“-Quoten für die K.-o.-Runde lagen für diese Übersicht nicht vor; wo es um den Aufstieg geht, wird die Wahrscheinlichkeit daher aus dem Spielmarkt abgeleitet und als solche gekennzeichnet. In der Verlängerung und im Elfmeterschießen liegt die Aufstiegswahrscheinlichkeit eines Favoriten naturgemäß etwas über seiner reinen 90-Minuten-Siegquote.

Der Weg in die K.-o.-Runde

Team Gruppe / Platz Bilanz der Vorrunde
Südafrika A / 2. (4 Pkt.) 1:0 gegen Südkorea zum Abschluss — erstmals in vier WM-Teilnahmen über die Gruppe hinaus
Kanada B / 2. (4 Pkt.) Co-Gastgeber, am letzten Spieltag 1:2 gegen die Schweiz
Brasilien C / 1. (7 Pkt., 7:1) 1:1 Marokko, 3:0 Haiti, 3:0 Schottland — nur ein Gegentor
Japan F / 2. (5 Pkt., 7:3) 2:2 Niederlande, 4:0 Tunesien, 1:1 Schweden
Deutschland E / 1. (6 Pkt.) 7:1 Curaçao, 2:1 Elfenbeinküste (Undav in der Nachspielzeit), 1:2 Ecuador
Paraguay D / 3. (4 Pkt., 2:4) bester Gruppendritter; 1:0 gegen die Türkei, 0:0 gegen Australien, hinter Australien nur wegen der Tordifferenz
Niederlande F / 1. (7 Pkt., 10:4) 2:2 Japan, 5:1 Schweden, 3:1 Tunesien
Marokko C / 2. (7 Pkt., 6:3) 1:1 Brasilien, 1:0 Schottland, 4:2 Haiti — WM-Halbfinalist 2022
Elfenbeinküste E / 2. (6 Pkt.) 1:0 Ecuador, 1:2 Deutschland (führte, verlor spät), 2:0 Curaçao
Norwegen I / 2. (6 Pkt.) 4:1 Irak, 3:2 Senegal (Haaland-Doppelpack), gegen Frankreich rotiert
Frankreich I / 1. 3:1 Senegal, 3:0 Irak, Gruppensieger im direkten Duell mit Norwegen
Schweden F / 3. (4 Pkt., 7:7) 5:1 Tunesien, 1:5 Niederlande, 1:1 Japan — bester Gruppendritter

Südafrika – Kanada: das offenste „Zweiter gegen Zweiter“

Den Auftakt macht ein Duell zweier Gruppenzweiter ohne Favoritenballast. Kanada notiert bei 1,71, was nach Bereinigung der Marge auf eine reine 90-Minuten-Siegwahrscheinlichkeit von gut 56 Prozent hinausläuft — für eine K.-o.-Partie ist das wenig. Südafrika ist als erstes Team in vier WM-Teilnahmen über die Gruppe hinausgekommen, hat zum Abschluss Südkorea 1:0 geschlagen und reist mit einem Trainer an, der die Mannschaft durch eine Phase harter Kritik geführt hat. Der Co-Gastgeber-Bonus Kanadas ist real, das Heim- bzw. Quasi-Heimpublikum in Inglewood ebenso. Belastbar im Sinne eines klaren Favoriten ist die Konstellation trotzdem nicht: Das ist die Sorte Spiel, in der ein frühes Tor die gesamte Marktlogik verschiebt.

Brasilien – Japan: der Favorit unter 60 Prozent

Brasilien hat die Gruppe C mit nur einem Gegentor gewonnen, steht bei 1,73 — und genau hier wird die Lücke zwischen Name und Zahl auffällig. Bereinigt bleibt für die Seleção eine 90-Minuten-Siegwahrscheinlichkeit von rund 55 Prozent, während der Markt Japan immerhin gut 19 Prozent zugesteht und das Remis mit über einem Viertel bewertet. Das ist kein Zufall: Japan hat zum Gruppenauftakt 2:2 gegen die Niederlande gespielt und bringt jenes Überraschungs-Cluster mit, das bei der WM 2022 Deutschland und Spanien erwischt hat. Wer Brasilien hier blind als Selbstläufer bucht, ignoriert, dass der Markt selbst nur eine knappe Mehrheit für einen brasilianischen Sieg in der regulären Spielzeit ausweist. Der Sieger trifft in der nächsten Runde auf den Gewinner aus Elfenbeinküste gegen Norwegen — eine Information, die für die Aufstiegsrechnung mehr wiegt als der Name auf dem Trikot.

Deutschland – Paraguay: der kürzeste Preis mit den meisten Fragezeichen

1,40 für Deutschland — das ist der Preis, der am wenigsten zur Vorrunde passt. Bereinigt entspricht er einer reinen 90-Minuten-Siegwahrscheinlichkeit von rund 68 Prozent, also keineswegs der Komfortzone, die eine 1,40 emotional suggeriert. Die DFB-Elf hat die Gruppe E zwar als Erster beendet, dabei aber gegen die Elfenbeinküste erst durch Deniz Undav in der Nachspielzeit gedreht und zum Abschluss 1:2 gegen Ecuador verloren — eine Partie, nach der Julian Nagelsmann selbst von „zu viel Freestyle“ sprach und seine Mannschaft im Zentrum überspielt sah. Florian Wirtz fehlt das Tor, Jamal Musiala der Rhythmus nach langer Verletzung, Nico Schlotterbeck fällt nach seiner Blessur gegen die Elfenbeinküste sportlich aus.

Der Gegner ist genau der Typ, vor dem solche Vorzeichen warnen. Paraguay hat unter Gustavo Alfaro eine Mannschaft geformt, die in der Qualifikation sowohl Brasilien (1:0) als auch Weltmeister Argentinien (2:1) geschlagen und in 18 Spielen nur zehn Gegentore kassiert hat. Keine großen Namen, aber Omar Alderete als Anker, defensive Disziplin und Umschaltmomente — und die Erfahrung, einen Fehlstart wegzustecken. Dass Paraguay als Gruppendritter ohne Stars auf dem Papier die freundlichere Hälfte der möglichen deutschen Gegner ist, stimmt; dass „freundlich“ hier mit 1,40 bepreist wird, ist die eigentliche Schieflage. 2002 brauchte ein ebenfalls nicht überragendes DFB-Team einen späten Neuville-Treffer, um Paraguay im Achtelfinale 1:0 zu bezwingen — danach ging es bis ins Finale. Eine Mahnung, keine Garantie.

Niederlande – Marokko: der Münzwurf, der als Favoritenspiel verkauft wird

Auf dem Papier sind die Niederlande mit 2,12 favorisiert, in der bereinigten Rechnung kommen sie aber nur auf rund 45 Prozent reine Siegwahrscheinlichkeit — also unter die magische 50-Prozent-Marke. Marokko liegt bei etwa 26 Prozent, das Remis bei knapp 29. Das ist die ehrlichste Quote dieses Blocks: ein Spiel ohne echten Favoriten. Oranje hat die Gruppe F mit zehn Toren gewonnen, in der Defensive aber auch vier kassiert. Marokko ist als WM-Halbfinalist von 2022 und nach einem starken Heim-Afrika-Cup kein Außenseiter im klassischen Sinn, sondern eine strukturell gefestigte Mannschaft, die Brasilien ein 1:1 abgerungen hat. Wer hier eine kurze Quote sucht, sucht am falschen Spiel.

Elfenbeinküste – Norwegen: Haaland gegen die Mannschaft, die Deutschland forderte

Norwegen steht bei 2,00, bereinigt rund 47 Prozent — erneut ein Favorit unter der 50-Prozent-Linie. Die Skandinavier haben sich über Erling Haalands Treffer durch die Gruppe I geschossen (Doppelpack gegen Senegal, klarer Sieg gegen den Irak) und im abschließenden Spiel gegen Frankreich rotiert, mit Haaland und Martin Ödegaard zunächst auf der Bank. Diese Rotation hatte einen Nebeneffekt: Als Gruppenzweiter steht der Gegner nun fest — und es ist mit der Elfenbeinküste jene Mannschaft, die Deutschland bis in die Nachspielzeit gefordert hat. Die Ivorer kommen über Physis und Tempo, haben die Gruppe E nur knapp hinter Deutschland abgeschlossen. Kehren Haaland und Ödegaard in die Startelf zurück, ist Norwegen der nachvollziehbare Favorit. Tun sie es nicht, dreht sich diese Quote schnell.

Frankreich – Schweden: die einzige saubere Quote im Block

Und dann Frankreich. 1,28 gegen Schweden ist die einzige Quote dieses Blocks, die einer ernsthaften Favoritenrolle entspricht: bereinigt rund 73 bis 74 Prozent reine Siegwahrscheinlichkeit, mit entsprechend höherer Aufstiegswahrscheinlichkeit über Verlängerung und Elfmeterschießen. Die Equipe Tricolore ist nicht zufällig der Gesamtfavorit des Turniers (Siegquote 4,20 — als einziges der zwölf hier vertretenen Teams in der oberen Marktklasse). Schweden ist als bester Gruppendritter und mit einer 7:7-Tordifferenz weitergekommen, hat gegen die Niederlande 1:5 verloren und lebt von der Variabilität nach vorne. Das macht die Partie für ein konkretes Ergebnis schwer kalkulierbar — den Sieger aber kaum. Hier liegt der Wert nicht im Favoritensieg zu 1,28, sondern, wenn überhaupt, in der Tor-Erwartung.

Wer kommt weiter? Was der Turnierbaum verrät

Für die Aufstiegsfrage lohnt der Blick über das nächste Spiel hinaus. Vier der sechs hier behandelten Partien — Südafrika–Kanada, Niederlande–Marokko, Deutschland–Paraguay und Frankreich–Schweden — liegen im selben Viertel des Turnierbaums. Konkret heißt das: Der Sieger aus Deutschland–Paraguay trifft im Achtelfinale aller Voraussicht nach auf Frankreich. Deutschlands Lohn für einen Pflichtsieg gegen Paraguay wäre also mit hoher Wahrscheinlichkeit der Turnierfavorit. Der Gewinner dieses Achtelfinals bekäme es im Viertelfinale mit dem Überlebenden aus Südafrika/Kanada gegen Niederlande/Marokko zu tun.

Brasilien–Japan und Elfenbeinküste–Norwegen hängen separat zusammen: Deren Sieger treffen in der nächsten Runde direkt aufeinander. Wer also auf „weit kommen“ schaut, sollte die Pfade mitdenken — und zur Kenntnis nehmen, dass der Markt einen europäischen Weltmeister mit 1,33 bepreist, einen südamerikanischen mit 4,00. Von den zwölf Mannschaften dieses Blocks taucht in der sichtbaren Spitze der Siegerquoten allein Frankreich auf. Das ist keine Randnotiz, sondern die kompakte Antwort auf die Frage, wessen Aufstieg der Markt über die erste Runde hinaus überhaupt ernsthaft einpreist.

KI tippt: wo das Modell und die Form auseinanderlaufen

Ein quotengetriebenes Modell liest diesen Block geradlinig: Frankreich klar, dazu Deutschland, die Niederlande, Norwegen, Kanada und Brasilien als nominelle Sieger. Sechs Favoriten, sechs Häkchen. An genau dieser Stelle lohnt der Widerspruch. Fünf dieser sechs „Favoriten“ liegen in der bereinigten Rechnung unter 57 Prozent reiner Siegwahrscheinlichkeit, drei davon (Niederlande, Norwegen, Brasilien knapp) im Bereich des Münzwurfs. Nur Frankreich verlässt diese Grauzone. Und das Modell, das Deutschland mit 1,40 als beinahe sicheren Sieger führt, hat das Ecuador-Spiel nicht gesehen. Konsens ist hier kein Beleg, sondern eine Einladung, die kurzen Preise zu hinterfragen.

Prognose

In der Summe: ein Block, der als Favoritenrunde verkauft wird, aber nur eine echte Favoritenpartie enthält. Frankreich gegen Schweden ist die einzige Konstellation mit klarer struktureller Schieflage. Deutschland gegen Paraguay endet wahrscheinlich mit einem deutschen Sieg — aber eher zäh, eher knapp und keinesfalls in der Komfortzone, die 1,40 verspricht. Niederlande–Marokko, Brasilien–Japan, Elfenbeinküste–Norwegen und Südafrika–Kanada sind vier offene Spiele, in denen ein einzelnes Tor die Quotenlogik kippt. Wer in dieser Runde nach Sicherheit sucht, findet sie fast nirgends — und wer sie über Doppelte Chance erkaufen will, zahlt für ein Gefühl, nicht für einen Vorteil.

Wenn ich tippen sollte

Drei Linien mit struktureller Begründung, kleine Einsätze, keine Karten- oder sonstigen manipulationsanfälligen Märkte:

  • Frankreich – Schweden, Über 2,5 (1,66): Schwedens hohe Varianz nach vorne (7:7 in der Gruppe) trifft auf Frankreichs Offensive. Der Wert liegt eher in den Toren als im Favoritensieg zu 1,28.
  • Deutschland – Paraguay, Unter 2,5 (2,05): Paraguays Defensivprofil (zehn Gegentore in 18 Quali-Spielen, 0:0 gegen Australien) und Deutschlands Rhythmusprobleme sprechen gegen ein Torfestival — eine Gegenposition zur Modellerwartung „Deutschland walzt durch“.
  • Elfenbeinküste – Norwegen, Norwegen (2,00) — unter Vorbehalt: fair bepreist, sofern Haaland und Ödegaard nach der Rotation in die Startelf zurückkehren. Bestätigt sich das nicht in den Aufstellungen, fällt der Tipp.

Die echten Münzwürfe dieses Blocks — Niederlande–Marokko, Brasilien–Japan, Südafrika–Kanada — bleiben außen vor. Ohne Kante kein Einsatz; Disziplin schlägt hier den Reiz des kurzen Preises.

Was die kurzen Quoten verschweigen

Diese sechs Partien sehen aus wie eine Favoritenrunde und sind in Wahrheit eine Lektion darüber, wie wenig eine kurze Quote über die Sicherheit eines Ergebnisses sagt. Ein einziges Spiel — Frankreich gegen Schweden — verdient seinen Preis. Fünf weitere liegen näher beieinander, als 1,40, 1,71, 1,73, 2,00 und 2,12 vermuten lassen. Und der prominenteste kurze Preis, Deutschlands 1,40, steht für die größte Diskrepanz zwischen Quote und Vorrundenform. Wer das ernst nimmt, geht in diese Runde nicht mit der Frage „Wer gewinnt?“, sondern mit der präziseren: „Wo bezahlt der Markt einen Namen, und wo bezahlt er eine Wahrscheinlichkeit?“

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