Nach dem WM-Aus gegen Paraguay hat Manuel Neuer im Sportschau-Interview bestätigt, dass es sein letztes Länderspiel war. Damit endet die Karriere eines der besten Torhüter seiner Generation — und ein Comeback, das die Stabilität bringen sollte, im denkbar schlechtesten Moment.
Das Ende vom Ende
Mit 40 Jahren beendet Neuer seine Laufbahn im DFB-Trikot, diesmal endgültig. 128 Länderspiele, fünf Weltmeisterschaften, der Titel 2014 — die Bilanz gehört zu den größten, die ein deutscher Torhüter vorweisen kann. Das Ende fällt schmal aus: „Nein, das ist extrem bitter, so aufzuhören“, sagte Neuer, die Stimmung in der Kabine beschrieb er als sehr still. Ausreden suchte er nicht, sondern verwies darauf, dass die Mannschaft das Spiel selbst in der Hand gehabt habe.
Hinzu kommt eine unangenehme Fußnote: Mit dem Gegentor zum 0:1 kassierte Neuer in seinem zehnten WM-Spiel in Folge mindestens einen Treffer — ein Negativwert, den vor ihm nur der Mexikaner Antonio Carbajal hielt. Im Elfmeterschießen hielt er einen Versuch und hielt Deutschland kurz im Turnier, verhindern konnte er das Aus nicht.
Die Entscheidung dahinter
Interessanter als das Ende ist der Anfang, der dazu führte. Neuer war im März als Nummer eins zurückgeholt worden, zwei Jahre nach seinem ersten Rücktritt und unter erheblicher Diskussion, weil Nagelsmann dafür Oliver Baumann degradierte, der zuvor als gesetzt galt. Die Logik der Rückholaktion war ein Setzen auf Erfahrung — ein Torhüter von Weltformat als stabilisierender Faktor für ein Turnier mit Titelanspruch.
Diese Wette ist nicht aufgegangen, und das nicht in erster Linie wegen Neuer. Das Gegentor war kein grober Patzer, die Parade im Elfmeterschießen war stark. Der Punkt ist ein anderer: Das Problem dieser Mannschaft war nie der Torhüter. Es war die Kreativität gegen tiefe Blöcke, die Struktur im Mittelfeld, die Abhängigkeit von zwei Spielmachern auf demselben Raum. Eine Personalie auf der Torwartposition beantwortete eine Frage, die niemand gestellt hatte — und band dafür Aufmerksamkeit und Diskussion, die anderswo nötiger gewesen wären.
Größe und Fehlkalkül
Manuel Neuer verlässt die Nationalmannschaft als Spieler, dessen Rang außer Frage steht; daran ändert ein verlorenes Elfmeterschießen nichts. Was offen zur Debatte steht, ist nicht seine Karriere, sondern die Entscheidung, sie zu verlängern. Sie sollte Sicherheit geben und endete in einem historischen Ausscheiden, das mit dem Torhüter wenig zu tun hatte. Der Markt hat Deutschland für dieses Turnier ohnehin nie als Titelfavoriten geführt, unabhängig davon, wer im Tor stand; eine Übersicht der WM Wettanbieter belegt das. Die Rückkehr löste das falsche Problem. Das Ende, das daraus folgte, wurde seiner Größe nicht gerecht — und war doch die logische Folge.

