Während Deutschland trauert und andere Favoriten zittern, marschiert Frankreich. Das 3:0 gegen Schweden war weniger ein Sieg als eine Demonstration — und die Auslosung hat dem Topfavoriten für das Achtelfinale ausgerechnet den Bezwinger Deutschlands zugelost. Frankreich ist der Maßstab dieses Turniers. Ob daraus ein Titel wird, ist eine andere Frage.
Die Demonstration gegen Schweden
Frankreich zog souverän ins Achtelfinale ein. Kylian Mbappé schnürte gegen Schweden einen Doppelpack, Bradley Barcola traf dazwischen, phasenweise war der Auftritt an Überlegenheit kaum zu überbieten. Es war die Fortsetzung einer makellosen Gruppenphase — der zweiten seit dem Weltmeister-Titel im eigenen Land 1998 —, in der schon ein Dembélé-Dreierpack gegen Norwegen die Richtung vorgegeben hatte. Der amtierende Vize-Weltmeister spielt bislang wie eine Mannschaft, die weiß, wozu sie fähig ist.
Die Breite als Waffe
Der eigentliche Vorzug liegt nicht in einem Namen, sondern in ihrer Zahl. Mit Mbappé, Dembélé, Olise, Barcola und Doué verfügt Frankreich über eine Offensivbreite, die im Turnier ihresgleichen sucht — Spieler, die einzeln ein Spiel entscheiden können, und von denen einige auf der Bank beginnen. Das ist der Unterschied zu einem Team wie Norwegen, das von einem einzelnen Stürmer abhängt: Frankreich kann Ausfälle und schwache Tage kompensieren, weil die nächste Lösung bereitsteht. Der Markt bildet das ab und führt die Franzosen klar als Titelfavoriten; eine Übersicht der WM Wetten zeigt den Abstand zum Feld.
Das Los mit dem Beigeschmack
Pikant ist der nächste Gegner. Im Achtelfinale trifft Frankreich auf Paraguay — jene Mannschaft, die Deutschland mit ihrem tiefen Block und einem Elfmeterschießen aus dem Turnier warf. Für Frankreich ist das weniger eine Gefahr als eine Gelegenheit: Es kann vorführen, was einer kompletten Offensive gelingt, woran eine ideenlose deutsche scheiterte. Ein tiefer Block ist gegen Frankreich ein anderes Problem als gegen Deutschland — weil die Mittel, ihn zu knacken, hier vorhanden sind.
Der Maßstab, nicht der Titel
Frankreich ist derzeit das Team, an dem sich alle anderen messen lassen müssen. Das ist viel und noch nicht alles. Auch 2022 war Frankreich überragend und stand am Ende doch mit leeren Händen da, geschlagen im Finale. Ein Favorit gewinnt kein Turnier, indem er Favorit ist, sondern indem er die eine schwierige Nacht übersteht, die jedem bevorsteht. Bislang hatte Frankreich diese Nacht nicht. Der Maßstab ist gesetzt. Der Beweis, dass er zum Titel reicht, steht aus.

