Vor dem brisanten WM-Duell zwischen Belgien und den USA sorgt eine beispiellose FIFA-Entscheidung für Wirbel: Die Rote Karte eines US-Stürmers wurde auf politischen Druck hin annulliert. Für alle, die das Spiel verfolgen, stellt sich die Frage: Wie fair sind die Voraussetzungen noch?
Es ist ein Vorgang, den es im Weltfußball so noch nicht gegeben hat – zumindest nicht so offen: Nach Angaben zahlreicher Fans und Beobachter hat die FIFA die Sperre eines US-Nationalspielers aufgehoben, nachdem das Weiße Haus interveniert hatte. Der Stürmer – in der Diskussion fällt der Name Balogun – darf damit gegen Belgien auflaufen, obwohl er nach seinem Platzverweis eigentlich automatisch gesperrt wäre. In der deutschen Fußball-Community auf Reddit schlägt der Fall hohe Wellen: Ein Thread mit dem Titel „Die WM ist ein Witz“ sammelte fast 300 Upvotes und über 100 Kommentare.
Die Ausgangslage vor dem Spiel
Belgien hat offiziell protestiert und prüft rechtliche Schritte, will aber offenbar antreten. Aus sportlicher Sicht diskutiert die Community zwei Szenarien: Ein Nichtantreten würde nach gängiger Praxis eine 0:3-Wertung und womöglich weitere FIFA-Sanktionen nach sich ziehen. Treten die Belgier an, sehen manche darin sogar eine Win-win-Situation: „Wenn sie verlieren, können sie berechtigt sagen, dass es kein faires Spiel war – und wenn sie gewinnen, dass sie trotz allem gewonnen haben“, argumentiert ein User. Die internationalen Sympathien dürften ohnehin auf belgischer Seite liegen.
Skeptiker erwarten dagegen ein unrundes Spiel. „Das wird ein 10 vs. 12 ab Minute 10″, spottet ein Kommentator – die Sorge, dass Schiedsrichterentscheidungen in diesem Turnier nicht mehr neutral ausfallen, ist spürbar. Verwiesen wird auf willkürliche VAR-Eingriffe, auf ein aus Fansicht „verpfiffenes“ Spiel Frankreichs gegen Paraguay und auf die vor dem Turnier zur Bewährungsstrafe umgewandelte Sperre von Cristiano Ronaldo.
Integrität als Grundsatzfrage
Für ein Turnier, dessen Spiele weltweit Milliardenumsätze bewegen – nicht zuletzt auf dem Wettmarkt –, ist das ein handfestes Problem. Ausgerechnet der Wettmarkt wird im Thread selbst als einer der Wachstumstreiber genannt, an denen sich die FIFA künftig ausrichten werde, neben Asien, dem arabischen Raum und Nordamerika. Ein System, das sportliche Sanktionen auf politischen Zuruf aufhebt, untergräbt jedoch genau das, worauf jede seriöse Einschätzung eines Spiels beruht: verlässliche, für beide Teams gleiche Rahmenbedingungen.
Die Stimmung in der Community ist entsprechend eindeutig. „Die geben sich nicht mal mehr Mühe, es zu verstecken“, schreibt ein User über die FIFA. Ein anderer bringt es nüchtern auf den Punkt: „Fußball wird zu Hollywood. Das ist auch so gewollt. Alle reden darüber, und es gibt Aufregung.“
Fazit
Sportlich bleibt Belgien gegen die USA ein reizvolles Duell. Doch wer das Spiel bewerten will, muss diesmal mehr einpreisen als Form und Kader: eine Personalentscheidung, die nicht auf dem Platz gefallen ist, eine aufgeheizte Ausgangslage und einen Schiedsrichter, der unter besonderer Beobachtung stehen wird. Selten war der Hinweis so angebracht, dass in diesem Turnier auch abseits des Rasens Faktoren wirken, die sich keiner Statistik entnehmen lassen.

