Der kroatische Fußballverband hat das Ende der Zusammenarbeit mit Cheftrainer Zlatko Dalić bekanntgegeben. Nach fast neun Jahren, einem WM-Finale, einem dritten Platz bei einer Weltmeisterschaft und einem Nations-League-Finale hinterlässt Dalić eine Bilanz, die sich strukturell kaum überbieten lässt — zumindest für eine Nation dieser Größenordnung.
Die Bilanz: Was Dalić in fast neun Jahren aufgebaut hat
Zlatko Dalić übernahm Kroatien im Oktober 2017 unter erheblichem Druck — die Mannschaft drohte, die WM-Qualifikation zu verpassen. Was folgte, war eine der bemerkenswertesten Trainer-Karrieren in der jüngeren Geschichte des europäischen Fußballs. 2018 führte er das Team in Russland bis ins Finale, wo man erst in der Verlängerung gegen Frankreich unterlag. Vier Jahre später in Katar reichte es zum dritten Platz — ebenfalls ein Ergebnis, das weit über den statistisch erwartbaren Output einer Nation mit rund vier Millionen Einwohnern liegt.
Hinzu kam 2023 das Nations-League-Finale. Drei Endspiele auf höchstem Niveau in weniger als einem Jahrzehnt sind kein Zufall, sondern ein Muster — und Muster dieser Art entstehen nicht ohne strukturelle Arbeit an Taktik, Kaderplanung und Gruppenchemie.
Einordnung: Was dieser Abgang für Kroatiens Fußball bedeutet
Dalić hat seinen Abgang zu einem Zeitpunkt vollzogen, der aus externer Perspektive nachvollziehbar erscheint. Die Generation um Luka Modrić ist am Ende ihrer internationalen Karriere, der Kader befindet sich in einem unvermeidlichen Umbruch. Wer jetzt übernimmt, tritt nicht in große Fußstapfen — er tritt in eine strukturelle Übergangsphase ein, in der die Erwartungen zwangsläufig neu kalibriert werden müssen.
Für den Verband stellt sich die Frage, ob ein Nachfolger gefunden werden kann, der die Balance zwischen Kontinuität im System und Verjüngung im Kader hält. Dalić hatte den Vorteil, mit einer außergewöhnlichen Spielergeneration zu arbeiten. Sein Nachfolger wird diesen Vorteil in dieser Form nicht mehr haben.
Was offen bleibt: Wer das Amt übernimmt und mit welchem Profil, hat der Verband bislang nicht kommuniziert. Ebenso ungeklärt ist, wie der Kaderumbau in der Post-Modrić-Ära konkret gestaltet werden soll. Beides dürfte die nächsten Monate der kroatischen Nationalmannschaft prägen — unabhängig davon, wer auf der Trainerbank Platz nimmt.

