Unterschrieben ist nichts, und doch verhandeln alle Beteiligten öffentlich nur noch Details: Jürgen Klopp gilt nach Nagelsmanns Rücktritt als designierter Bundestrainer, am Wochenende steigt der Gipfel in New York. Wer Verhandlungen lesen kann, erkennt den Stand an den Signalen — und die zeigen in eine Richtung.
Die Verdichtung
Die Faktenlage, Stand dieser Woche: Fabrizio Romano meldet eine grundsätzliche Zusage Klopps, der DFB hat sein Werben offiziell bestätigt, Präsident Neuendorf und Vizepräsident Watzke reisen zum persönlichen Treffen mit Klopp und dessen Berater Marc Kosicke nach New York. Klopp selbst erklärte öffentlich, an ihm würde es nicht scheitern — und begründete bereits, warum er mit Sportdirektor Völler zusammenarbeiten wolle. Berichten zufolge wäre für einen Wechsel aus dem Red-Bull-Vertrag keine Ablöse fällig. Thomas Müller lobt die Wahl öffentlich, selbst Kritiker wie Bastian Schweinsteiger diskutieren nur noch die Umstände, nicht die Person.
Vom Verhandlungstisch her ist das eindeutig zu lesen: Wenn beide Seiten öffentlich bereits das Personaltableau (Völler), die Struktur (Klopps Aussagen über Nachwuchsarbeit) und die Logistik (Gipfeltermin) klären, ist die Grundsatzfrage beantwortet. Man verhandelt das Wie — Laufzeit, Zuschnitt, Ausstieg bei Red Bull —, nicht mehr das Ob.
Die Hürden, die bleiben
Zur Redlichkeit gehören die offenen Punkte, und Watzke benennt sie selbst: Es gebe „mehrere Hürden“, die wesentliche sei Klopps Anstellung im Red-Bull-Konzern mit Vertrag bis 2029. Dass keine Ablöse fällig würde, beseitigt die juristische Hürde, nicht die atmosphärische — beim Brausekonzern soll die öffentliche Nennung Klopps als Wunschkandidat nicht allen gefallen haben. Und es bleibt die sportliche Grundsatzfrage, die Klopp mit entwaffnender Offenheit selbst formuliert: Er habe weder je für eine Nationalmannschaft gespielt noch eine trainiert. Der Mann, der Vereine über tägliche Arbeit transformierte, übernähme einen Job, der aus Lehrgangswochen und Kaderlisten besteht.
Was die Eile verrät
Bemerkenswert ist das Tempo. Zwischen WM-Aus, Nagelsmanns Rücktritt und dem New-York-Gipfel liegen keine zwei Wochen — für einen Verband, der Trainerfragen traditionell zäh entscheidet, ist das eine Verhaltensänderung. Sie lässt zwei Deutungen zu: Entweder hat der DFB aus den langen Hängepartien der Vergangenheit gelernt, oder er weiß, dass ein Kandidat dieser Kategorie kein zweites Mal verfügbar ist und die Konkurrenz um Klopp nie schläft. Vermutlich beides. Der Markt führt Klopp jedenfalls seit Tagen als eine Personalie ohne ernsthafte Alternative; eine Übersicht der WM Wettanbieter zeigt, wie einseitig die Erwartung notiert.
Das Ob ist verhandelt, das Wie nicht
Die nüchterne Zusammenfassung: Diese Personalie ist so gut wie entschieden und formal völlig offen — beides zugleich, und wer eines davon weglässt, verkürzt. Verhandlungen dieser Reife platzen selten, aber sie platzen: an einer Ausstiegsklausel, an einem Rollenzuschnitt, an einem Wort zur falschen Zeit. Bis zur Unterschrift gilt deshalb der Handwerksgrundsatz, der auch am Trading-Desk galt: Eine Position ist erst geschlossen, wenn sie geschlossen ist. Alles davor ist eine sehr wahrscheinliche Erwartung — und Erwartungen haben in diesem Turnier schon mehrfach ihr Ende gefunden.

