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90PLUS » Völler bleibt bis 2028: Die Personalentscheidung, die ein Nicht-Amtsträger traf
WM 2026

Völler bleibt bis 2028: Die Personalentscheidung, die ein Nicht-Amtsträger traf

Klaus Hürbl
10.07.26, 04:01
Klaus Hürbl
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Rudi Völler
Foto: Getty Images

Rudi Völler erfüllt seinen Vertrag als DFB-Sportdirektor bis 2028 — das ist seit Dienstag offiziell. Die eigentliche Nachricht steckt in der kolportierten Entstehung: Ausschlaggebend soll ein Telefonat mit Jürgen Klopp gewesen sein. Ein Mann, der noch gar nicht Bundestrainer ist, hat damit die erste Personalentscheidung des Neuanfangs getroffen.

Der Vorgang

Nach dem WM-Aus gegen Paraguay hatte sich Völler Bedenkzeit erbeten — trotz laufenden Vertrags stand sein Rückzug im Raum, die Kritik an der sportlichen Leitung war nach dem dritten WM-Debakel in Folge nicht auf den Trainer beschränkt geblieben. Vizepräsident Watzke sprach sich öffentlich für einen Verbleib aus. Den Ausschlag gab nach Bild-Informationen aber ein anderer: Klopp soll Völler telefonisch mitgeteilt haben, dass er ihn in seiner Funktion behalten wolle — als Grundstein des Neuaufbaus. Am Dienstagnachmittag folgte die Bestätigung: Völler bleibt bis zur EM 2028.

Die Governance-Frage

Man muss den Vorgang zweimal lesen, um seine Pointe zu sehen. Der DFB hat eine zentrale Führungspersonalie faktisch von der Zusage eines Mannes abhängig gemacht, der beim Verband weder angestellt noch ernannt ist. Das ist einerseits bemerkenswert ehrlich — es zeigt, wie weit die Klopp-Verhandlungen gediehen sind und wie sehr der Verband seine Zukunft bereits um diese Personalie herum baut. Andererseits wirft es eine Frage auf, die über den Einzelfall hinausgeht: Wer entscheidet beim DFB eigentlich — die gewählten Gremien oder der Wunschkandidat? Ein Verband, der seinem künftigen Trainer schon vor Vertragsunterschrift Personalentscheidungen überlässt, hat die Machtverhältnisse des Arbeitsverhältnisses vorab geklärt. Das kann man Klarheit nennen. Man kann es auch Abhängigkeit nennen.

Die pragmatische Verteidigung

Sachlich spricht einiges für die Entscheidung. Klopp selbst begründet sie mit entwaffnender Nüchternheit: Er habe keinerlei Nationalmannschafts-Erfahrung, weder als Spieler noch als Trainer — jemand, der die Abläufe des Verbands kenne, sei schlicht hilfreich. Das ist keine Höflichkeit, sondern Risikomanagement: Ein Quereinsteiger, der Struktur und Apparat gleichzeitig lernen müsste, minimiert mit Völler eine seiner beiden Baustellen. Kontinuität an dieser Stelle ist rational. Anzumerken bleibt, was auch wohlwollende Beobachter anmerken: Ein Wort der Selbstkritik hätte Völler nach drei verkorksten Weltmeisterschaften unter seiner sportlichen Gesamtverantwortung gut zu Gesicht gestanden. Der Neuanfang beginnt mit einer Personalie, die keinen Preis für das Alte bezahlt hat.

Die erste Amtshandlung vor dem Amt

Völlers Verbleib ist vertretbar, seine Entstehung ist die Geschichte. Der DFB hat demonstriert, dass die Zukunft des Verbands bereits nach Klopps Präferenzen sortiert wird — vor jeder Unterschrift, vor jeder Vorstellung, vor jedem Arbeitstag. Für die Verhandlungsposition des Verbands ist das eine Schwächung, für die Klarheit der Verhältnisse ein Gewinn, und für die Beobachter ein Signal: Der Markt, der Klopps Amtsantritt längst als Formsache führt — eine Übersicht der WM Wetten bildet das ab —, hat offenbar recht. Man richtet keine Büros für jemanden ein, der nicht einzieht.

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