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90PLUS » FCK-Fans proben den Aufstand – nur nicht gegen die DFL
2. BundesligaFußball News

FCK-Fans proben den Aufstand – nur nicht gegen die DFL

Fritz Pecker
26.08.26, 17:18
Fritz Pecker
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(Photo by Selim Sudheimer/Getty Images)

Zwei Spiele, zwei Nullnummern, kein eigenes Tor: Der 1. FC Kaiserslautern hat einen unauffälligen Saisonstart hingelegt. Auffällig wurde die Pfalz anderswo – in einer Stellungnahme, die weder Torsten Lieberknecht noch die DFL etwas angeht.

Was das Fanbündnis Kaiserslautern tatsächlich fordert

Am 20. August erschien auf der Seite der Frenetic Youth ein Text, der nicht von der Gruppe allein stammt, sondern vom Fanbündnis Kaiserslautern gezeichnet ist. Thema: der Videobeweis. Neun Jahre nach seiner Einführung ziehen die Verfasser eine vernichtende Bilanz. Der Spielfluss leide unter Unterbrechungen, der Torjubel stehe permanent unter Vorbehalt, und die Hoffnung auf objektive Gerechtigkeit habe sich schlicht nicht erfüllt – stattdessen entstünden neue Ungerechtigkeiten. Die Pokal-Erstrunde ohne VAR dient als Gegenbeweis, wie es auch gehen könnte. Gefordert wird nicht Nachbesserung, sondern Abschaffung. Der Schlusssatz ist ein Satz, kein Forderungskatalog: „Wir möchten die Freude am Fußball zurück.“

Kein Wort über Anstoßzeiten. Kein Wort über die DFL.

Die Reform, die im Juni zerbrach

Der zweite, deutlich größere Konflikt ist älter – und hat mit Fernsehterminen ebenfalls nichts zu tun. Es geht um das Aufstiegsrecht von der vierten in die dritte Liga: fünf Regionalligen, vier Aufstiegsplätze, seit Jahren dieselbe Schieflage. Ein eigens aufgesetzter Reformprozess sollte das Ende Juni auflösen. Er kippte in den letzten Tagen vor der Abstimmung.

Zwei Eingriffe genügten. Aus den vier geplanten 20er-Staffeln des sogenannten Kompassmodells sollten plötzlich 18er-Staffeln werden – acht Startplätze weniger und mit ihnen die zusätzlichen Heimspiele, die für viele Viertligisten das ökonomische Hauptargument waren. Und aus der bundesweiten Mehrheit wurde die Forderung nach Einstimmigkeit aller Regionalverbände, faktisch ein Vetorecht für jeden Einzelnen. Das Ergebnis: Das Kompassmodell erhielt 50,9 Prozent der Stimmen und war trotzdem gescheitert, weil der Südwesten für das Regionenmodell votierte und Bayern für eine dritte Variante.

Der Südwesten. Also jene Region, zu der auch die Pfalz zählt.

Die Fanszenen reagierten noch im Juni mit einer bundesweiten Erklärung, die auch in Kaiserslautern verbreitet wurde und den Verbänden vorwarf, kurz vor der Entscheidung die Spielregeln geändert zu haben. Wenig später legten laut übereinstimmenden Berichten mindestens 47 Ultra-Gruppierungen nach, darunter Szenen aus München, Hamburg und Berlin. Ihr Urteil über die Funktionäre: „Der Reformwille ist geheuchelt.“

Anstoßzeiten: das Dauerreizthema, das diesmal keines ist

Bleibt die Frage, warum das Stichwort Anstoßzeiten überhaupt im Raum steht. Die Antwort ist Gewohnheit. Kaum ein Streitpunkt hat deutsche Kurven im vergangenen Jahrzehnt verlässlicher mobilisiert – Montagsspiele, Freitagabend-Fernreisen, die Forderung nach einer 300-Kilometer-Grenze für Gästefans. Wer „Fanprotest“ hört, denkt reflexhaft an Sonntagabend in Sinsheim.

Für diese Saison fehlt dafür schlicht die Grundlage. Die Zeitfenster der 2. Bundesliga sind unverändert: Freitagabend, Samstag 13 Uhr, das Topspiel am Samstagabend um 20.30 Uhr, Sonntag 13.30 Uhr. Der Betzenberg wurde darin bislang eher bevorzugt als bestraft. Sowohl das 0:0 in Wolfsburg als auch das 0:0 gegen den Karlsruher SC lagen im prominentesten Fenster der Liga, Letzteres vor ausverkauftem Haus mit 49.327 Zuschauern. Am Sonntag geht es nach St. Pauli, am 5. September kommt Darmstadt zur Mittagszeit.

Konfliktfeld Adressat Stand (26.08.2026)
Aufstiegsrecht Regionalliga DFB und Regionalverbände Kompassmodell mit 50,9 % durchgefallen, Prozess gestoppt
Video-Assistent DFB und DFL Fanbündnis Kaiserslautern fordert komplette Abschaffung
Anstoßzeiten DFL 2026/27 unverändert, kein aktueller Anlass

Was die Kurve den Klub kostet

Es gibt allerdings eine Rechnung, die in Kaiserslautern niemand bestreitet. Für unsportliches Verhalten seiner Anhänger bei vier Auswärtsspielen der Rückrunde 2025/26 verurteilte das DFB-Sportgericht den FCK zu Geldstrafen von insgesamt 188.190 Euro – Spitzenwert waren 72.900 Euro für die Partie in Bochum. Dazu kamen 73.625 Euro für die Westkurven-Aktion gegen Schalke im August 2025 und 34.200 Euro für die Pyrotechnik rund um jene 125-Jahre-Choreographie gegen Hertha BSC, die im November 2025 international gefeiert wurde. Allein aus den öffentlich dokumentierten Urteilen zur vergangenen Spielzeit summieren sich rund 297.600 Euro.

Das ist die Doppelnatur dieser Kurve: Sie liefert die besten Bilder der Liga und die zuverlässigsten Einnahmen des Sportgerichts. Beides gehört zusammen, und beide Seiten wissen das.

Der Kracher kommt später, der Streit früher

Das Traditionsduell mit Hertha BSC, das die Betze-Ultras vergangene Saison zum Anlass für ihre bislang aufwendigste Choreographie nahmen, steht diesmal erst am 10. Spieltag an – Ende Oktober, Anfang November, im Fritz-Walter-Stadion. Bis dahin dürften die Verbände deutlich unruhigere Wochen haben als die DFL. Denn während über Anstoßzeiten gerade niemand streitet, wartet die Basis auf eine Antwort in einer Frage, die der Fußball seit Jahren vor sich herschiebt.

Wer die Spielregeln kurz vor dem Anpfiff ändert, darf sich über die Pfiffe hinterher nicht beschweren.

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