Der FC Bayern wird auf der Zugangsseite am Deadline Day nicht mehr aktiv. Das machte Sportdirektor Christoph Freund am Dienstagvormittag auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokalspiel beim VfL Osnabrück unmissverständlich klar. „Wir werden keine Zugänge mehr haben. Da wird nicht mehr viel passieren“, sagte der Sportdirektor.
Damit ist die Kaderplanung des Rekordmeisters für die Saison 2026/27 auf der Einkaufsseite abgeschlossen.
Ruhiger Deadline Day statt Nervenkitzel
Anders als in vergangenen Transfer-Endspielen gehen die Münchner diesmal ohne Suche nach einer Last-Minute-Verstärkung in die letzten Stunden. Die deutschen Transferfenster schließen am Dienstagabend, doch Bayern sieht keinen Bedarf für weitere Zugänge.
Die wesentlichen Verstärkungen waren bereits frühzeitig verpflichtet worden. Nathaniel Brown kam von Eintracht Frankfurt, Ismael Saibari von der PSV Eindhoven. Für beide Spieler wurde eine Ablöse von jeweils rund 50 bis 55 Millionen Euro berichtet. Saibari unterschrieb bis 2031 und war ausdrücklich ein Wunschspieler von Trainer Vincent Kompany.
Hinzu kommt die feste Verpflichtung von Bara Sapoko Ndiaye. Der 18-jährige Senegalese war im Winter zunächst auf Leihbasis aus Gambia nach München gekommen und wurde im August dauerhaft verpflichtet. Bayern stattete ihn mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2031 aus; als Ablöse werden rund 3,5 Millionen Euro genannt.
Die Aussage, Bayern habe seine Wunschtransfers „bereits Wochen vor Fensterschluss“ abgeschlossen, trifft damit im Wesentlichen zu.
Der Vergleich mit João Palhinha sollte allerdings korrigiert werden: Der geplatzte Wechsel des Portugiesen datiert aus dem Sommer 2023, nicht aus dem Jahr 2024. Palhinha wechselte anschließend im Januar 2024 doch noch nach München.
Bewegung nur noch bei möglichen Abgängen
Auf der anderen Seite des Transfermarkts bleibt Bayern dagegen handlungsfähig. „Was Abgänge betrifft, kann noch was passieren. Es gibt aber auch Märkte, die noch länger aufhaben, wo heute noch nicht Schluss ist“, erklärte Freund.
Im Mittelpunkt steht Sacha Boey. Der französische Rechtsverteidiger trainiert derzeit individuell. Freund erklärte, man habe dies gemeinsam mit Trainer Vincent Kompany und Boey entschieden, weil es aktuell Gespräche über seine Zukunft gebe.
„Der Sacha ist fit, aber wir haben nach Abstimmung mit Vinnie und Sacha entschieden, dass er die letzten Tage vor Transferschluss individuell trainiert, weil es einige Gespräche gerade gibt“, sagte Freund.
Boey war im Januar 2024 von Galatasaray nach München gewechselt. Bayern zahlte damals eine Ablöse von rund 30 Millionen Euro. Im Februar 2026 kehrte er bereits für eine Leihstation zu Galatasaray zurück, ehe er im Sommer nach München zurückkam.
Ein Verkauf muss dabei nicht zwingend am Dienstagabend abgeschlossen werden. Während die großen europäischen Ligen ihre Transferfenster schließen, bleiben einige Märkte noch länger geöffnet. Freund verwies ausdrücklich auf diese Möglichkeit. Die Niederlande öffnen ihr Fenster noch bis zum 2. September, Österreich bis zum 3. September und die Türkei bis zum 4. September.
Auch am Dienstag gab es Berichte über mögliches Interesse an Boey. Unter anderem wurde Fulham als möglicher Abnehmer genannt. Eine Einigung lag zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht vor.
Kein Thema: Ito und Olise sollen bleiben
Bei Hiroki Ito erteilte Freund den Spekulationen ebenfalls eine klare Absage. Auf Berichte über ein mögliches Angebot von Ajax Amsterdam angesprochen, sagte der Bayern-Sportdirektor: „Ich habe die Gerüchte gelesen, aber da ist Stand jetzt nichts dran. Wir planen mit Hiroki, dass er bei uns bleibt.“
Damit hat sich die Situation des Japaners gegenüber früheren Wochen verändert. Ito war zeitweise als möglicher Verkaufskandidat gehandelt worden, insbesondere wegen der großen Konkurrenz in der Bayern-Defensive. Aktuell plant der Klub jedoch mit ihm.
Noch eindeutiger ist die Lage bei Michael Olise. Real Madrid hatte bereits am 20. Juni offiziell dementiert, dass es direkten oder indirekten Kontakt mit dem Spieler, seinen Beratern oder seinem Umfeld gegeben habe. Auch deshalb gibt es derzeit keinen belastbaren Hinweis auf einen bevorstehenden Wechsel des Franzosen nach Madrid.
Vertrauen statt Panikkauf
Freunds Aussage passt zur bisherigen Transferstrategie des FC Bayern. Der Klub hat frühzeitig in Qualität investiert und will den Kader nicht unnötig vergrößern.
Mit Brown und Saibari kamen zwei Spieler, die sowohl kurzfristig helfen als auch langfristig eine Rolle spielen sollen. Ndiaye wurde dauerhaft gebunden, nachdem er sich während seiner Leihe für eine Weiterbeschäftigung empfohlen hatte.
Auch Trainer Vincent Kompany hat zuletzt keinen zusätzlichen Bedarf signalisiert. Vielmehr wächst sein Kader mit der Rückkehr der Spieler, die nach der Weltmeisterschaft später in die Vorbereitung eingestiegen sind.
Das erklärt die ungewöhnlich gelassene Haltung des Rekordmeisters am Deadline Day: Bayern sucht keinen weiteren Namen um des Namens willen. Die Mannschaft soll mit dem vorhandenen Personal durch die Saison kommen.
Der letzte spannende Punkt heißt Boey
Damit bleibt auf dem Transfermarkt eigentlich nur eine Frage offen: Verlässt Sacha Boey den FC Bayern noch?
Ein weiterer Zugang ist nach Freunds Aussage ausgeschlossen. Bei den Abgängen hält sich der Klub dagegen alle Möglichkeiten offen – insbesondere, weil mehrere Transfermärkte über den deutschen Deadline Day hinaus geöffnet bleiben.
Für Bayern ist das eine komfortable Situation. Die sportliche Planung ist abgeschlossen, während ein möglicher Boey-Verkauf lediglich die Kadergröße verändern würde.
Der Deadline Day wird für den Rekordmeister deshalb voraussichtlich kein Tag der spektakulären Verpflichtung, sondern einer der möglichen letzten Verkäufe.

