Freitag München, Samstag Leipzig, Sonntag Augsburg. Jürgen Klopp hat seit dem 15. August einen Job, dessen erste Wochen aus Schreibtischarbeit bestanden – und seit diesem Wochenende hat er Spiele. Nicht seine eigenen. Die der anderen. Und das ist der eigentliche Unterschied zu seinem Vorgänger.
Drei Termine, ein Zweck
Am Freitagabend saß der Bundestrainer beim 5:1 der Bayern gegen Stuttgart auf der Tribüne, gab bei Sat.1 sein erstes TV-Interview im Amt und tauschte sich mit Vincent Kompany und Max Eberl aus. Am Samstag verabschiedete er sich in Leipzig von Red Bull, seinem bisherigen Arbeitgeber. Am Sonntag stand er in Augsburg – und sah, wie der Aufsteiger Schalke sein Bundesliga-Comeback mit 0:3 in den Sand setzte.
Der Ort war kein Zufall. In Augsburg wird Klopp Ende September sein Heimdebüt als Bundestrainer erleben. Und der Anlass für das ganze Programm liegt drei Wochen entfernt: Am 17. September nominiert er seinen ersten Kader. Wer mutig sein will, wie Klopp es auf seiner Antritts-PK angekündigt hatte – „Weil ich gerne mutig sein werde“ –, muss vorher gesehen haben, wen er mutig nominieren könnte.
Was er in Augsburg tatsächlich sah
Den besten Mann auf dem Platz. Anton Kade, 22, U21-Nationalspieler, bereitete das 1:0 von Michael Gregoritsch (18.) mit einem Alleingang über links vor, scheiterte kurz darauf an Loris Karius – dem Torwart, der einst unter Klopp in Liverpool spielte – und traf nach der Pause selbst zum 2:0 (79.). Rodrigo Ribeiro (90.+2) machte den Deckel drauf. Dazwischen: Rote Karte für Ron Schallenberg nach Notbremse (63.), Bundesliga-Comeback von Edin Dzeko mit 40 Jahren nach fünfzehneinhalb Jahren, ohne Wirkung.
Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, welchen Namen Klopp sich notiert hat. Kade ist genau das Profil, das ein Trainer meint, wenn er von Spielern spricht, die „noch gar nicht damit rechnen“. Der Ort, an dem der Bundestrainer den Rest des Spiels verbrachte, hieß Schalke: 30.660 Zuschauer, ausverkaufte Arena, ein Aufsteiger, der Chancen hatte und keine nutzte.
Der Unterschied zu Nagelsmann
Julian Nagelsmann galt in seiner Amtszeit als Stadion-Abstinenzler; Spielbeobachtung lief über Video und Scouts. Klopp hat angekündigt, deutlich mehr Präsenz zu zeigen. Das ist zunächst Symbolik. Aber Symbolik, die Wirkung hat: Ein Bundestrainer auf der Tribüne verändert, wie ein 22-Jähriger in Augsburg sein Spiel anlegt – und wie ein Trainer in Gelsenkirchen über seine Wechsel nachdenkt. Wer gesehen wird, spielt anders.
Spionage ist das falsche Wort
Klopp spioniert nicht. Er zeigt sich. Das eine ist heimlich, das andere ist eine Ansage an 18 Bundesligisten: Ich sehe euch, und ich sehe eure Spieler, und ich habe am 17. September einen Zettel. Für einen Verband, dessen Nationalmannschaft im Sommer in einem Achtelfinale gegen Paraguay endete, ist das die billigste und wirksamste Reform, die es gibt. Sie kostet eine Tribünenkarte.

