47 Bundesligaspiele lang hatte der FC Bayern in jedem einzelnen Spiel mindestens ein Tor erzielt. Am Samstagabend endete diese Serie in Gelsenkirchen – vor 62.094 Zuschauern, gegen einen Aufsteiger, wegen eines 33-Jährigen, der noch nie ein A-Länderspiel bestritten hat.
Drei Großchancen, drei Antworten
Schalke hielt beim 0:0 gegen den deutschen Meister ein Chancenminus aus, das schon nach drei Minuten begann. Loris Karius parierte gegen Lennart Karl, in der 13. Minute gegen Nathaniel Brown, und als Harry Kane in der 87. Minute aus der Distanz platziert abzog, wehrte er mit dem Fuß ab. Die spanische „Mundo Deportivo“ schrieb später, der Rekordmeister sei an einem unerwarteten Helden zerschellt.
Zur Größenordnung: Diese Bayern-Offensive hatte in der abgelaufenen Bundesligasaison 122 Tore in 34 Spielen erzielt und war eine Woche zuvor mit einem 5:1 gegen den VfB Stuttgart gestartet. Das letzte torlose Bundesligaspiel der Münchner lag in der Saison 2024/25, ein 0:0 in Leverkusen.
Matthäus überreicht – und legt nach
Die Auszeichnung zum Spieler des Spiels übergab Lothar Matthäus persönlich. Der Sky-Experte lobte nicht nur die Paraden, sondern ausdrücklich die Wirkung des Torhüters auf die Mannschaft: „Auch die Ruhe, die er ausgestrahlt hat.“
Schalkes Sportdirektor Youri Mulder erfand für den Abend gleich ein neues Wort. Karius habe „nationalmannschaftsleistungsfähig“ gespielt – ein Wortungetüm, das in Gelsenkirchen jeder verstand.
Der 17. September ist kein Zufallsdatum
Hier wird die Sache konkret. Jürgen Klopp ist seit dem 15. August Bundestrainer, Nachfolger von Julian Nagelsmann, der nach dem WM-Aus gegen Paraguay zurückgetreten war. Am 17. September benennt Klopp auf dem DFB-Campus seinen ersten Kader: maximal 27 Spieler, davon drei Torhüter. Vier Tage später beginnt die Vorbereitung auf vier Nations-League-Spiele, das erste am 24. September in Amsterdam.
Und Klopp kennt seinen Kandidaten. Karius spielte von 2016 bis 2022 beim FC Liverpool, die entscheidenden Jahre davon unter genau diesem Trainer.
Was dagegen spricht
Einiges. Karius hat in seiner Laufbahn keine A-Länderspielminute vorzuweisen, nur Einsätze in DFB-Nachwuchsteams. Er ist 33. Die Position ist offen, seit Manuel Neuer endgültig zurückgetreten ist, aber es gibt Bewerber mit anderer Kurve: Jonas Urbig etwa, oder Marc-André ter Stegen, der bei Ajax Amsterdam wieder regelmäßig spielt. Ein starkes Spiel gegen Bayern ersetzt keine Saison.
Karius selbst hat auf Nachfragen abgewinkt. Er denke nicht darüber nach, sagte er sinngemäß, er sei glücklich, mit Schalke Bundesliga zu spielen, und wolle Woche für Woche liefern.
Zehn Tage sind eine sehr kurze Bewerbungsfrist
Genau das ist die richtige Haltung – und zugleich der Grund, warum die Debatte so schnell laut wurde. Ein Aufsteiger-Torwart, ein Nullnummer gegen den Meister, ein Bundestrainer, der ihn aus Liverpool kennt, und ein Nominierungstermin in zehn Tagen: Solche Konstellationen entstehen nicht oft, und sie halten selten lange. Wer sie nutzen will, muss am kommenden Spieltag genauso halten.

