Nach dem 4. Spieltag am 20. September macht die Bundesliga zu und öffnet erst am 10. Oktober wieder. Drei Wochen ohne Liga, so früh in der Saison – das hat es so noch nicht gegeben. Nur liegt es nicht an dem, dem es die meisten zuschreiben.
Wer die Pause tatsächlich angeordnet hat
Die Länge dieser Unterbrechung ist keine deutsche Entscheidung und schon gar keine Gefälligkeit gegenüber einem neuen Bundestrainer. Sie folgt aus der von der FIFA beschlossenen Anpassung des internationalen Spielkalenders. Gianni Infantino begründete den Umbau mit klaren Verhältnissen, sinnvollen Spielen und dem Schutz der Spieler.
Betroffen sind ausschließlich die Abstellungsperioden im September und Oktober. Statt zweier getrennter Fenster mit je zwei Partien gibt es nun ein zusammengelegtes mit vier. November (10. bis 18.) und März (23. bis 31.) bleiben unverändert – und jede europäische Liga steht vor demselben Loch im Kalender.
Vier Spiele in elf Tagen
Für die Nationalmannschaft bedeutet das ein Programm, das es in dieser Dichte selten gab. Rudi Völler nannte es bei Sport1 schlicht: „Das ist schon sehr ungewöhnlich.“
| Datum | Gegner | Ort |
|---|---|---|
| 24. September | Niederlande | Amsterdam |
| 27. September | Griechenland | Augsburg |
| 1. Oktober | Serbien | München |
| 3./4. Oktober | Griechenland | auswärts |
Vier Nations-League-Partien, zwei davon gegen denselben Gegner binnen einer Woche. Ein Kader von normaler Größe reicht dafür nicht, und genau das ist der eigentliche Vorteil für einen Trainer, der gerade erst angefangen hat.
Ein Einstand mit doppeltem Boden
Jürgen Klopp übernahm am 15. August, Vertrag bis 2030, Nachfolger von Julian Nagelsmann, der nach dem WM-Aus gegen Paraguay am 3. Juli zurückgetreten war. Mit ihm kamen Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und Sven Bender; Per Mertesacker rückt zum 1. Januar 2027 als Geschäftsführer Sport nach.
Seither hat Klopp Bundesligastadien abgeklappert wie ein Scout im Akkord: Bayern gegen Stuttgart, danach die Säbener Straße, Dortmund, Augsburg gegen Schalke. Völler bestätigte, dass er vor der Nominierung am 17. September einen Gang zurückschaltet. Wer vier Spiele in elf Tagen plant, braucht davor eher Ruhe als noch drei Stadionbesuche.
Das Tor als offene Baustelle
Die spannendste Personalie steht im Kasten. Manuel Neuer hat sich abermals aus der Nationalmannschaft zurückgezogen, ein klarer Nachfolger ist nicht in Sicht. In den Berichten kursieren Oliver Baumann, Alexander Nübel, Jonas Urbig, Noah Atubolu, Finn Dahmen, Marc-André ter Stegen und Loris Karius – sieben Namen für eine Position sind kein Kandidatenkreis, sondern ein Eingeständnis.
Für einen Trainer, der Torhüter über Jahre selbst geformt hat, ist das weniger Problem als Einladung. Vier Spiele in einem Fenster geben ihm die Möglichkeit, mehr als einen davon anzuschauen, ohne dass daraus gleich eine Grundsatzentscheidung wird.
Was die Klubs davon halten, steht auf einem anderen Zettel
Für den DFB ist dieses Fenster ein Geschenk: vier Partien, um eine Handschrift zu etablieren, ehe die ersten Ergebnisse zur Währung werden. Für die Bundesligisten sieht dieselbe Rechnung anders aus. Sie geben ihre Spieler für elf Tage ab, bekommen sie in unterschiedlicher Verfassung zurück und haben danach einen Rhythmus zu reparieren, den sie gerade erst gefunden hatten.
Der Kalender wurde mit dem Wohl der Spieler begründet. Wer die Klubtrainer Anfang Oktober danach fragt, wird eine andere Auslegung des Begriffs hören.

